Finanzcheck

Praxissteuerung: Finanzielle Störungen frühzeitig erkennen

Regelmäßige Bestandsaufnahmen der eigenen Finanzen sollten als Teil der unternehmerischen Praxissteuerung ernst genommen und ritualisiert werden. Nur so lassen sich böse Überraschungen vermeiden.

Gefährliche Finanzierungsstrukturen. Eine kaum ausreichende finanzielle Altersabsicherung über das Versorgungswerk hinaus. Weitgehend ungeordnete Versicherungsverträge sowie eine stark verbesserungsfähige DV-Unterstützung durch entsprechende Bankprodukte: Dieses kritische Gesamtbild ist das Ergebnis einer betrieblichen Finanzanalyse, die Roland D., Praxisinhaber aus Thüringen, mit Hilfe eines auf Praxen dieser Größenordnung spezialisierten Beraters durchführen ließ. Als ihm sein Steuerberater zu einer solchen Prüfung riet, war D. zunächst alles andere als überzeugt von deren Notwendigkeit. Mittlerweile hat er sich aber vom Gegenteil überzeugen lassen. Es ist zwar klar, dass es ihm lieber gewesen wäre ein positives Ergebnis seiner betrieblichen Aktivitäten präsentiert zu bekommen, aber die nun vorliegenden deutlichen Mängel zeigen ihm zumindest auf, in welchen Bereichen er gegensteuern muss.

Ernstes Finanzierungsproblem

Vor allem die Finanzierungsproblematik hat ihn überrascht. Relativ lang laufende Darlehensverträge, mit denen Praxisinvestitionen finanziert wurden, orientieren sich zumindest zum Teil nicht an der üblichen und meist kürzeren Nutzungsdauer dieser Investitionsgüter. Für D. bedeutet das, dass er sich nach wie vor laufenden Zins- und Tilgungsverpflichtungen gegenüber sieht, obwohl es die damit finanzierte Praxisausstattung bereits nicht mehr gibt. Da die entsprechenden Ersatzinvestitionen ebenfalls finanziert werden mussten, zahlt D. die Kreditraten nun also mehrfach. Obwohl er sowohl von seiner Bank als auch von seinem Steuerberater mehrmals darauf hingewiesen wurde, sah er bisher keine Veranlassung, irgendetwas an diesem Zustand zu ändern. Auf Grund der Liquiditätslage der Praxis war das ja auch  nicht erforderlich – so zumindest die Argumentation des Arztes.  Schon bald sollte er eines Besseren belehrt werden.

Alarmierend sind nämlich die durch die Prüfung deutlich gewordenen Folgen, die bei später wieder steigenden Darlehenszinsen und dem zunehmenden Wettbewerb geschuldeten größeren Investitionsbedarf mittelfristig „erhebliche Liquiditätsprobleme“ erwarten lassen. D. weiß natürlich, dass auf das derzeit nach wie vor niedrige Zinsniveau mittelfristig naturgemäß keinerlei Verlass ist.

Späteres Absicherungsdefizit

Bedenklich ist darüber hinaus die erwähnte Finanzlücke von D. in der Altersabsicherung. Wie selbstverständlich ging er während der vergangenen Jahre von einem monatlichen Betrag aus, den er in rund zehn Jahren, dem Zeitpunkt seines angestrebten Praxisabschieds, als Ergänzung seiner Ansprüche aus der Versorgungskasse erwartet. Dieser Beitrag soll mit Hilfe mehrerer Anlageformen erreicht werden. Dazu gehören ein Investmentfonds und eine Rentenversicherung. Bei der Analyse wurde allerdings klar, dass die bisher erfolgte Vermögensbildung diesem Ziel nicht gerecht zu werden scheint.

Sowohl die Wertentwicklung des Investmentfonds als auch die bisherige Entwicklung der Rentenversicherung erreichen bei weitem nicht die ursprünglichen Zielvorgaben. Hier besteht also weiterer Handlungsbedarf.

Zudem kommt der Unternehmensberater zu dem Ergebnis, dass der spekulative Anteil zu reduzieren ist und Anlageformen mit entsprechender Sicherheit zu bevorzugen sind. Dies würde allerdings bedeuten, dass sich die Rendite bei der derzeitigen Zinssituation mehr oder weniger um etwa ein bis zwei Prozent pro Jahr bewegen würde – nicht eben der ersehnte Rendite-Turbo, um die angestrebten Ziele doch noch zu erreichen. Zwischenergebnis: D. muss sich darauf einstellen, dass er bei seiner Altersabsicherung finanzielle Abstriche hinnehmen muss.

Handlungsbedarf besteht für D. auch bei den privaten und geschäftlich benötigten Versicherungsverträgen, die er während der vergangenen Jahre abgeschlossen hat. Offenbar hat er es regelmäßig versäumt, den jeweiligen Versicherungsschutz zu aktualisieren. Dies wird vor allem bei den Praxisversicherungen deutlich, bei denen, so das Fazit des Beraters, „dringender Überarbeitungsbedarf“ vor allem beim Versicherungsumfang und bei den Prämien ebenso besteht wie bei der zu aktualisierenden Höhe des jeweiligen Versicherungsschutzes.

Zum ebenso kritisierten Punkt der verbesserungsfähigen DV-Unterstützung durch die Hausbanken ist D. bereits aktiv geworden. Er hat jede der drei Banken, mit denen er zusammenarbeitet, um eine Präsentation all jener Electronic-Banking-Programme gebeten, die zur Verbesserung seiner Liquidität und Rentabilität beitragen können.

Darüber hinaus hat D. mittlerweile begonnen, auch die anderen aufgezeigten Defizite abzuarbeiten. Auch ist er fest dazu entschlossen, sein betriebliches Controlling im Hinblick auf diese Defizite zu verbessern.

Ab sofort finden unter anderem zwei Mal im Jahr gemeinsam mit dem Unternehmensberater und seinem Steuerberater Orientierungsgespräche statt, die sich mit sämtlichen relevanten Sachverhalten befassen werden. Wird dabei ein Verbesserungsbedarf festgestellt, erfolgt, sofern möglich, eine kurzfristige Umsetzung der aufgezeigten Möglichkeiten.

Fristenkongruente Finanzierung

Fazit: Verletzt ein Arzt die wichtige Finanzierungsregel der Fristenkongruenz, wonach die Laufzeiten von den Darlehen mit der betrieblichen Nutzungsdauer der finanzierten Investitionsgüter zumindest weitgehend übereinstimmen sollten, droht ihm und seiner Praxis ein Liquiditätsproblem. So können einerseits die nach wie vor fälligen Kreditraten für nicht mehr genutzte Betriebsmittel und andererseits die neuen Kreditraten für die erforderlichen Reinvestitionen die betrieblichen Finanzen stark, im Ergebnis vielleicht zu stark belasten. Hier sollten, nach sorgfältiger Abstimmung mit dem Steuerberater kurzfristig Gespräche mit dem jeweiligen Kreditgeber über mögliche Umschuldungen geführt werden – D. ist diesen Schritt gerade noch rechtzeitig gegangen.

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