So gelingt der erfolgreiche Wechsel

Praxisübergabe: Frühzeitig die Weichen stellen!

Die Entscheidung über die Nachfolge in der Arztpraxis ist eine wichtige, vielleicht sogar eine der wichtigsten Entscheidungen, die ein Arzt im Laufe seines Berufslebens treffen muss. Neben wirtschaftlichen und rechtlichen Aspekten, die hier zu berücksichtigen sind, ist es auch der emotionale Faktor, der die Praxisübergabe erschweren kann. Eine sorgfältige und frühe Planung der Übergabe ist das A und O für einen erfolgreichen Wechsel der Inhaberschaft.

Loslassen und das eigene Lebenswerk an die nächste Generation weitergeben. Es ist verständlich, dass die Übergabe der eigenen Praxis vielen Ärzten schwer fällt. Um die eigene Praxis mit ruhigem Gewissen an einen anderen Arzt übergeben zu können, hilft es, die Praxisübergabe bestmöglich vorzubereiten. Je intensiver sich der Nachfolger in der Praxis einarbeiten kann, desto besser ist die Versorgung der Patienten.

Die persönlichen Aspekte

Geklärt werden sollte zunächst, ob der bisherige Inhaber ganz aus der Praxis ausscheidet oder hier weiterhin praktiziert. Wird die Praxis durch ein MVZ übernommen, besteht die Möglichkeit, dass der bisherige Praxisinhaber in ein Angestelltenverhältnis wechselt. Will ein Arzt sich noch nicht ganz zur Ruhe setzen und weiterhin seiner Berufung nachkommen, ist auch vorstellbar, dass der bisherige Inhaber nur noch stundenweise oder als Urlaubsvertretung in der Praxis mitarbeitet (überleitende Mitarbeit). In jedem Fall sollte man sich bei dem gewählten Beschäftigungsverhältnis stets von seinem Steuerberater absichern lassen, um zu vermeiden, dass sich dadurch negative Auswirkungen auf die steuerliche Behandlung des Veräußerungsgewinns ergeben.

Bereits vor dem Inhaberwechsel bietet es sich an, dass abgebender und übernehmender Arzt für eine Übergangszeit gleichzeitig in der Praxis tätig sind. Dies ist beispielsweise im Rahmen eines temporären Angestelltenverhältnisses oder eines Jobsharings möglich. Gerade im Hinblick auf die Patienten ist es besser, wenn der Nachfolger schon vorher mit dem abgebenden Praxisinhaber arbeitet. So können sich die Patienten an die Personalveränderung in der Praxis gewöhnen. Gleichzeitig wird der neue Arzt bestmöglich eingearbeitet und kann von der langjährigen Berufserfahrung des Vorgängers profitieren.

Die Bewertung der Praxis

Der emotionale Wert einer Praxis lässt sich schwer erfassen. Gerade aus Sicht des Praxisinhabers wird eine monetäre Bewertung meist zu gering ausfallen. Umso wichtiger ist deswegen die wirtschaftliche Bewertung der Praxis. Für potentielle Käufer von besonderer Bedeutung sind Scheinzahl und Scheinwert, Patientenstruktur, Praxisausstattung und Praxisstruktur. Gleichzeit spielt die Lage eine entscheidende Rolle. Eine Arztpraxis in der Stadt ist sicherlich attraktiver als eine Landarztpraxis.

Analysen, Zahlen und Fakten sprechen bei der Praxisbewertung eine klare Sprache und sind somit beste Voraussetzung für eine realitätsnahe Praxisbewertung. Über Terminmanagement-Module können beispielsweise Statistiken zur Analyse von Behandler und Raumauslastungen erstellt werden. Diese Module sind im Arztinformationssystem entweder bereits integriert oder können als Zusatzlösung (z. B. CGM PRAXISTIMER) verwendet werden. Auch spezielle Analysemodule beweisen im Rahmen einer Praxisübergabe ihre Nützlichkeit. Ebenfalls als Zusatzmodul zum Arztinformationssystem verfügbar (z. B. CGM MEDISTAR Analyzer), sorgen sie für Transparenz bei Umsätzen und der Patientenstruktur. Solche Praxis-Controlling-Lösungen liefern Informationen zu GOÄ-, IGeL- und EBM-Zahlen, Patiententreue, Versichertenarten, Praxisauslastung, Kostenträgerverteilung oder Besuchshäufigkeit. Mit diesen Informationen zur Praxisstruktur und den wesentlichen Praxiskennzahlen können potentielle Käufer umfassend informiert werden. Ein Mehrwert für beide Seiten, denn die stichtagsgenauen Auswertungen und Analysen liefern eine handfeste Grundlage für die Bewertung der Praxis und stützen dadurch einen festgelegten Veräußerungswert.

Die Steigerung des Praxiswertes

Denkt man über eine Praxisübergabe nach, sollte man auch über eine Modernisierung der Praxis nachdenken. Denn Ausstattung und Zustand der Praxis haben einen hohen Einfluss auf den Praxiswert. Gerade im Hinblick auf das E-Health-Gesetz und die darin definierten Anforderungen werden potentielle Praxisnachfolger verstärkt auf die vorhandene Praxis-IT und das Vernetzungspotential achten.

Der Praxiswert bemisst sich dennoch nicht ausschließlich an der materiellen Ausstattung. Die Mitarbeiterqualität, also die vorhandenen Fertigkeiten und Kenntnisse beim Praxispersonal, hat ebenfalls Einfluss auf die Praxisbewertung. Fort- oder Weiterbildungsmaßnahmen können hier den Wert nochmals steigern. IT-Schulungen beispielsweise erleichtern und beschleunigen den Umgang mit der Praxis-EDV, während Bildungsangebote im Bereich Verwaltung und Organisation zu einer effizienteren Gestaltung von Arbeitsprozessen führen. Die gewonnene Zeit kann den Patienten gewidmet werden, was zu einer höheren Patientenzufriedenheit und dadurch zu einer stärkeren Patientenbindung an die Praxis führt.

Fazit: Nicht zu lange warten!

Die Übergabe der eigenen Praxis ist kein Vorgang, um den man sich erst kurz vor dem Ruhestand kümmern sollte. Vielmehr ist es ein langer Prozess, bei dem die ersten Meilensteine oft schon bei der Praxisgründung gelegt werden. Praxisberaterin Diana C. Bernardi beispielsweise rät ihren Kunden aktuell 18 bis 30 Monate für die Vorbereitung und Umsetzung der Praxisübergabe einzuplanen. In ländlichen Regionen sei sogar von einer noch längeren Vorlaufzeit auszugehen. Wer seine Visionen und Werte klar benennen und kommunizieren kann, hat gute Aussichten, einen idealen Nachfolger für sein Lebenswerk „Praxis“ zu finden. Wenn sich Praxisinhaber und Nachfolger bei den Zielen einig sind, ist der Weg geebnet.

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Jürgen Veit

Jürgen Veit

Leiter Kommunikation D-A-CH bei CompuGroup Medical Deutschland AG

Jürgen Veit ist bei der CompuGroup Medical Deutschland AG für die Kommunikation D-A-CH verantwortlich. Der Kommunikationswirt war vorher rund 25 Jahre in führenden Funktionen in internationalen Kommunikationsagenturen tätig.

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