Verkehrswert

Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung: Wert der Arztpraxen fällt

Die von der Deutschen Apotheker- und Ärztebank in Zusammenarbeit mit dem Zentralinstitut für kassenärztliche Versorgung erhobenen Daten zu Übernahmeentgelten lassen keinen Zweifel: Die Attraktivität der Arztpraxen gemessen am ideellen Praxiswert ist im Abwärtstrend.

Die vom Zentralinstitut für kassenärztliche Versorgung kürzlich veröffentlichten Zahlen sind alarmierend: Im Durchschnitt sind die Übernahmeentgelte im Zeitraum 2005/2006 gegenüber den Jahren 2001/2002 um mehr als zehn Prozent gesunken. Mit einem Rückgang um 12,5 Prozent ist insbesondere der so genannte ideelle Praxiswert gesunken, der den tatsächlichen Wert der Praxis und die dazugehörige Ertragserwartungen des Käufers dokumentiert.

Auch der Substanzwert, die übernommenen oder neu angeschafften medizinisch-technischen Geräte und die Ausstattung der Praxis, sind mit minus 6,3 Prozent deutlich auf Talfahrt. Die erhobenen Daten der Existenzgründeranalyse beziehen sich auf die Auswertung der Finanzdaten von 2.600 Praxisgründungen zwischen 2005 und 2006. Sie sind von besonderem Interesse, weil sie durch die regelmäßige Analyse und Bewertung Trendaussagen zur mittel- und langfristigen Entwicklung ermöglichen.

Der Wert der Arztpraxen wird nachhaltig von den rechtlichen Rahmenbedingungen für die Niederlassung in der ambulanten Versorgung bestimmt. In Planungsbereichen mit Zulassungssperren wegen Überversorgung ist der Einstieg für den ärztlichen Nachwuchs nur in Form der Übernahme einer bereits bestehenden Praxis möglich oder dem Beitritt zu einer Berufsausübungsgemeinschaft. In den letzten Jahren ist der immaterielle Praxiswert der hausärztlichen Praxen unter Druck geraten. „Im Berichtszeitraum 2005/2006 ging der immaterielle Praxiswert unter Umständen auch bedingt durch eine geringere Nachfrage an Praxisübernahmen zurück“, heißt es in der Existenzgründeranalyse.

Nach wie vor dominiert bei der Neuzulassung von Arztpraxen die Übernahme eines bereits bestehenden Unternehmens. Der Anteil der Ärzte, die in eine Einzel-, Gemeinschaftspraxis oder Praxisgemeinschaft eingetreten ist, beträgt nahezu 90 Prozent aller Praxisfinanzierungen. Knapp die Hälfte entfiel auf die Übernahme einer Einzelpraxis. Der Einstieg in eine Gemeinschaftspraxis war mit 14,3 Prozent die zweithäufigste Gründungsform, gefolgt von der Neugründung einer Einzelpraxis mit 10,3 Prozent.

Das ist beunruhigend: Der Wert einer allgemeinärztlichen Einzelpraxis ist von 79.522 Euro (2004/2005) auf 75.911 Euro (2005/2006) gesunken. Auch bei der Überführung einer Einzelpraxis in eine Gemeinschaftspraxis gibt es in diesem Zeitraum einen deutlichen Wertverlust, und zwar von 94.295 Euro auf 85.863 Euro.

Praxis-TIPP

Entwickeln Sie eine konkrete Vorstellung über den Verkehrswert des Unternehmens. Es kann eine Diskrepanz zwischen Wunsch und Wirklichkeit geben. Vereidigte Sachverständige für Arztpraxen, Steuerberater oder auch Experten in den KVen können Sie unterstützen, eine realistische und am Markt durchsetzungsfähige Preisvorstellung zu entwickeln. Vermeiden Sie, dass eine ungünstige Unternehmensentwicklung in den letzten Jahren vor der Praxisübergabe die finanziellen Konditionen der Praxisübergabe negativ beeinflusst.

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