Nur noch Vertrag mit Dienstleister notwendig

Privatärztliche Verrechnungsstelle: Einwilligung nicht mehr erforderlich

Viele Praxen holen Einwilligungserklärungen ihrer Patienten ein, wenn sie privatärztliche Verrechnungsstellen nutzen. Dies ist – auch mit der neuen Datenschutzgrundverordnung – aber eigentlich nicht mehr notwendig.

Die Weitergabe von Abrechnungsdaten ist Ärzten auch ohne Einwilligung des Patienten erlaubt. Warum das so ist, erklärt Axel Keller, Rechtsanwalt bei Ecovis in Rostock.

Jede Verarbeitung von Daten braucht eine Rechtsgrundlage, die diese Verarbeitung erlaubt. Was grundsätzlich erlaubt ist, findet sich in der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO, Artikel 6). „Allerdings lässt sich dieser Artikel der DSGVO auf die Verarbeitung von Gesundheitsdaten nicht anwenden. Vielmehr regelt dies Artikel 9“, erklärt Axel Keller, Rechtsanwalt bei Ecovis in Rostock. Demnach ist die Verarbeitung von Gesundheitsdaten für die Verwaltung von Systemen und Diensten im Gesundheits- und Sozialbereich zulässig.

Gesundheitsdaten dürfen zu den dort genannten Zwecken verarbeitet werden, wenn die Verarbeitung durch eine andere Person erfolgt, die ebenfalls nach dem Unionsrecht oder dem Recht eines Mitgliedstaats oder den Vorschriften nationaler zuständiger Stellen einer Geheimhaltungspflicht unterliegt. Seit November 2017 unterliegen in Deutschland auch Berufsgeheimnisträger, wie Rechtsanwälte, Steuerberater, Notare, Wirtschaftsprüfer, Versicherungsgesellschaften, Ärzte oder Therapeuten einer solchen Geheimhaltungspflicht (Strafgesetzbuch § 203 Abs. 7).

Was bedeutet das genau?

„Damit ist die Weitergabe der Abrechnungsdaten an privatärztliche Abrechnungsstellen gesetzlich erlaubt. Es ist keine Einwilligung des Patienten mehr notwendig“, so Axel Keller, Rechtsanwalt bei Ecovis in Rostock.

Ganz ohne Papierkram geht es allerdings trotzdem nicht: Bei den Abrechnungsstellen handelt es sich um Auftragsverarbeiter. „Mit diesen ist ein gesonderter Vertrag zu schließen, der den Anforderungen des Artikel 28 der DSGVO entspricht“, erklärt Axel Keller, Rechtsanwalt bei Ecovis in Rostock. Wurde ein entsprechender gültiger Vertrag abgeschlossen, können Ärzte auf das Einholen der einzelnen Einwilligungserklärungen aber getrost verzichten.

Anzeige

Dr. med. Hennefründ: „Sichere Liquiditätsplanung dank der PVS!“

Die „tagesklinik Oldenburg“ ist eine gynäkologische Klinik und ein Kinderwunschzentrum, also ein Zusammenschluss von mehreren Ärzten. Da ist eine verlässliche Liquiditätsplanung besonders wich... Mehr
Author's imageServiceredaktion

Weitere Artikel zum Thema:

Honrarforderung nicht plausibel

Arzt muss Anwaltskosten des Patienten übernehmen


Zweifelhafte Aufträge anfechten

Auffälliges auf dem Praxiskonto: Abbuchungen rückgängig machen


Je jünger, desto unzuverlässiger

Unzuverlässigkeit von Patienten kostet niedergelassene Ärzte Millionen


Finanzgericht Köln

Notärztlicher Betreuungsdienst auf Veranstaltungen ist umsatzsteuerpflichtig


Mahnen

Wenn Patienten nicht bezahlen: So kommen Sie ohne Anwalt zu Ihrem Geld


Anzeige