Altersvorsorge von niedergelassenen Ärzten

Praxisabgabe: Durchschnittlicher Praxiswert gesunken

Der durchschnittliche Praxiswert der Arztpraxen ist in den letzten fünf Jahren um 50 Prozent gefallen. Das gefährdet den Praxisverkauf und damit die Altersvorsorge vieler niedergelassener Ärzte. Der Trend ist schlimm, Sie können bei Ihrer eigenen Praxisabgabe aber durchaus noch gegensteuern.

Auf Ärzte und Zahnärzte spezialisierte Gutachter wissen: Eine durchschnittliche Einzelpraxis bringt beim Verkauf heute noch rund 50.000 Euro Gewinn. Und zwar unabhängig davon, zu welchem Ergebnis die Praxiswertermittlung vorher kam. Vor zehn Jahren gab‘s dafür noch 50.000 bis 70.000 Euro mehr. Das ist leider nicht so überraschend: Der Praxiswert orientiert sich weitgehend am durchschnittlichen Jahresgewinn – und der war viele Jahre lang rückläufig. Genau wie in anderen Unternehmen wirken sich solche Entwicklungen negativ auf die Praxisbewertung aus.

Zwar sind inzwischen wieder Zuwächse bei den Umsätzen zu verzeichnen, leider explodieren auch die Personalkosten in Zahnarztpraxen und Arztpraxen. Auch jede der zuletzt inflationären Gesundheitsreformen vernichtete ein Teilchen mehr der persönlichen Altersvorsorge der Ärzte.

Standort wirkt sich auf Praxiswert aus

Je entfernter Ärzte, insbesondere Allgemeinmediziner, von einer Großstadt auf dem flachen Land arbeiten, umso schwieriger ist deren Einkommenssituation. Das wirkt sich natürlich auch auf die Praxisbewertung aus. Zwar mag so manches Gutachten einen guten Preis ausrufen, doch insbesondere Landarztpraxen sind am Markt kaum noch veräußerbar. Findet ein abgabewilliger Mediziner keinen Kollegen, der seine Arztpraxis übernimmt, muss er den über Jahre mühsam aufgebauten Patientenstamm und die Praxisausstattung letztlich „verschenken“.

Gesundheitsfonds führt zu Einbußen

Der seit Jahresanfang installierte Gesundheitsfonds wird zu weiteren Honorareinbußen in Arztpraxen führen. Die KVen gehen davon aus, dass er – in seiner derzeitigen Form – das vertragsärztliche Honorarvolumen mittelfristig um rund 20 Prozent reduziert. Und das bei gleichbleibenden beziehungsweise ständig steigenden Betriebskosten . Damit bricht vielen Niedergelassenen ein weiterer Baustein ihrer persönlichen Altersvorsorge weg. Die sinkenden Honorare wirken sich natürlich auch negativ auf die Praxisbewertung aus, denn bei dessen Ermittlung wird der Umsatz berücksichtigt.

Begehrte Standorte machen Praxen teuer

Freilich, es gibt auch Faktoren, die den Wert nach oben treiben können: Der MVZ-Boom befeuert insbesondere in Ballungsgebieten das Gerangel der Käufer so sehr, dass Niederlassungswillige die von ihnen angestrebten Sitze teilweise gar nicht mehr bezahlen können. Sie stehen als Freiberufler in Konkurrenz zu finanzkräftigen Kapitalgesellschaften. Und damit auf verlorenem Posten. Immerhin eine gute Nachricht für jene Großstadt-Ärzte, die den Verkaufserlös ihrer Praxis als Alterssicherung eingeplant haben: Sie werden den im Gutachten ermittelten Praxiswert garantiert erzielen und können individuell verhandeln.

Beratung hilft bei Orientierung

Was nur auf den ersten Blick widersprüchlich klingt, zeigt den immer deutlicheren Wandel im Gesundheitswesen. Wie verändert der die Konditionen beim Praxisverkauf? Erste Peilungen bietet die Apo-Bank mit ihrer regelmäßigen Analyse des ärztlichen Investitionsverhaltens bei ihrer Niederlassung. Danach gliedert sich das Finanzierungsvolumen ärztlicher Einzelpraxen bei Praxisübernahme in verschiedene Bereiche auf. Da ist einmal der Substanzwert, mit dem die Ausstattung der Zahnarztpraxis bzw. Arztpraxis bestimmt wird. Dann gibt es noch den Goodwill als immaterieller Wert, der die Patienten und alle Beziehungen innerhalb einer Praxis und deren Verhältnis nach außen. All das muss der Käufer bezahlen. Und letztendlich muss bei einer Praxisübernahme gegebenenfalls noch in Bau- und Umbaukosten investiert werden. Rechnet man zu dieser Praxisinvestition noch den Betriebsmittelkredit, erhält man das gesamte Finanzierungsvolumen bei einer Praxisübernahme.

Ergebnisse haben sich kaum verändert

Betrachtet man den kalkulatorischen Substanzwert, der in den letzten Jahren bei typischen Verfahren ermittelt wurde, findet man keine drastischen Veränderungen. Die aktuellen Preise für die Ausstattung einer Praxis in den alten Bundesländern sind ebenso hoch wie 1992. In den neuen Bundesländern konnten die Ärzte für ihre Praxisausstattung seit 1997 zwischen 100.000 Euro und 67.000 Euro erzielen.

Umsätze und Verkaufserlöse steigen

Dabei scheint der Tiefstpunkt im Jahr 2004 überwunden und nicht nur die Umsätze, sondern auch die Verkaufserlöse steigen. Und auch in den nächsten Jahren wird der Substanzwert kaum deutliche Veränderung erfahren. Die materielle Ausstattung der Praxen ist gut, und drastische Geräteinnovationen sind nicht absehbar. Niedergelassene können auch künftig davon ausgehen, dass sie für ihre Investitionen einen angemessenen Restwert erhalten.

Von besonderem Interesse für Niedergelassene ist der Goodwill, der den immateriellen Wert der Praxis ausmacht. Während der Substanzwert lediglich die Rückerstattung bereits getätigter Investitionen ist, musste sich der Praxisinhaber den Goodwill schwer erarbeiten. Schließlich vergütet der den Patientenstamm und alle Faktoren, die eine Praxis ausmachen.

Entsprechend schwierig ist auch die Berechnung, für die es unterschiedlichste Methoden gibt. In der einfachsten Berechnung orientiert er sich am Praxisumsatz – je höher der ist, umso höher fällt der Goodwill aus.

Aktuell werden für den Praxis-Goodwill durchschnittlich 76.000 Euro in den alten Bundesländern bezahlt. Das sind 15.000 Euro mehr als vor zehn Jahren und ebenso viel wie schon 1985. In den neuen Bundesländern liegt das erzielbare Ergebnis aktuell bei 51.000 Euro. Das ist deutlich unter dem Niveau von 1997.

Freilich: Die Orientierung des Goodwills am Praxisumsatz ist grundsätzlich möglich, doch steht er genau genommen für weit mehr. Etwa für die Frage, ob die Praxis wirtschaftlich geführt wird. Entsprechend sollte sich die Praxiswertermittlung in diesem Zusammenhang auch an den Kosten und am erwirtschafteten Gewinn orientieren. Und auch die Vertragssituation ist ebenfalls nicht ohne Einfluss. Läuft etwa der Praxismietvertrag nur noch ein Jahr und stimmt der Vermieter einer Prolongation nicht zu, tendiert der Goodwill der Praxis gegen Null – egal wie beeindruckend die Umsätze zuletzt waren.

Und auch das Leistungsspektrum der Praxis sowie ihre Spezialisierungen fallen ins Gewicht. So wie die Personalsituation und die Qualifikation der Praxismitarbeiter, deren Arbeitsverträge, Vergütungen, et cetera – alles wichtige Aspekte für den Praxisübernehmer, die deshalb in die Bewertung mit einfließen. Der Goodwill berücksichtigt zudem Serviceleistungen der Praxis, Praxisöffnungszeiten, Organisation, Außendarstellung der Praxis et cetera.

Praxisbewertung beeinflussbar oder nicht?

Alle genannten Faktoren bewirken, dass der Goodwill einer Praxis deutlich von den Durchschnittszahlen abweichen kann. Und dass Praxisinhaber sie keinesfalls vernachlässigen dürfen – nicht im Interesse des Praxisertrags, von dem sie ihren Lebensunterhalt bestreiten. Und nicht im Interesse des späteren Verkaufserlöses, der zu ihrer Alterssicherung meist einen erklecklichen Anteil liefern muss. Sie zeigen aber auch, dass einige Faktoren vom Praxisabgeber gar nicht mehr beeinflussbar sind, Lage und Standort der Praxis etwa.

Die Frage ist nicht mehr, ob es zu Veränderungen der Praxisstrukturen kommt. Die Frage ist lediglich: Wann? Zwar hat die Einzelpraxis immer noch ihre Existenzberechtigung, aber zunehmend werden sich größere Praxisstrukturen etablieren. Die benötigen größere Patientenstämme, die durch entsprechende Maßnahmen akquiriert werden müssen. Bleibt abzuwarten, ob sich das positiv oder negativ auf die Praxisbewertung auswirkt. Wie immer, wird der eine Niedergelassene davon profitieren, der andere damit abschmieren.

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