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Qualitätsmanagement im Praxis-Alltag – so funktioniert’s


Doctor consulting patient

Um eine hohe Qualität der medizinischen Leistungen zu gewährleisten und dennoch wirtschaftlich zu arbeiten, brauchen Arztpraxen ein gutes Qualitätsmanagement, meint Arzt- und Zahnarztpraxis-Experte André Bernert – und erklärt, worauf es dabei ankommt.

Der Zeitdruck, gerade in Allgemeinpraxen, steigt zunehmend. Die einen sagen, es läge an der immer schlechter werdenden Volksgesundheit, die anderen sehen darin lediglich eine Schwäche und Unzulänglichkeiten des Systems. Die Ursachenforschung gestaltet sich hier wahrscheinlich schwierig und wahrscheinlich ist auch gar nicht eine einzelne Ursache daran schuld.

QM in der Arztpraxis – erfolgversprechende Ansätze

Es bleibt die Tatsache, dass für den einzelnen Patienten immer weniger Zeit und Gehör bleibt – aber trotzdem eine gute Leistung erbracht werden soll, im Interesse der Gesundheit des Patienten. Bislang gibt es noch keine verbindlichen Qualitätskriterien für die medizinische Behandlung durch Allgemeinmediziner oder niedergelassene Fachärzte. Was nicht heißt, dass ein solches Qualitätsmanagement-System nicht wichtig wäre. Aber hier muss man sich als Arzt eben selbst behelfen.

Qualitätsrelevante Bereiche innerhalb der Praxis

Eine hohe Qualität der ärztlichen Behandlung bedeutet, dass im zur Verfügung stehenden Zeitrahmen eine möglichst umfangreiche Leistung für Patienten erbracht wird – und so viele Risiken wie möglich ausgeschlossen werden. Dafür sind drei Bereiche maßgeblich: Diagnostik und Differentialdiagnostik, Beratung und Behandlung. In diesen Bereichen muss so viel wie möglich Positives an Leistung erbracht werden, und es müssen so viele Fehlerquellen wie möglich ausgeschlossen werden.

Der Zeitfaktor – und seine Optimierung

Je mehr Zeit tatsächlich für die Arbeit am Patienten bleibt, desto besser wird das Ergebnis am Ende ganz allgemein sein. Der Zeitfaktor ist aber etwas, das messbar ist. Man kann davon ausgehen, dass jedes Mal, wenn man diesen Zeitfaktor verbessert, in allen Bereichen die Behandlungsqualität steigt. Optimierungen der Abläufe, Vereinfachung von all dem, was nicht dem Patienten direkt dient und Ausschluss unnötiger Tätigkeiten tragen damit ganz allgemein zur Qualitätsverbesserung bei. Niemand arbeitet gern nach der Stoppuhr – aber testweise immer wieder diese Zeiten zu erfassen und versuchen, zu optimieren, kann vorteilhaft sein. Beispielsweise durch Spracherkennungssoftware, die eine umfangreichere Dokumentation der Konsultation in kürzerer Zeit erlaubt. Oder durch strukturierteres Arbeiten. Das Maß der zur Verfügung stehenden Zeit für Diagnose, Beratung und Behandlung ist bereits ein direktes Qualitätsmaß. Aber auch in den einzelnen Bereichen gibt es Möglichkeiten, ein Qualitätssystem mit selbst auferlegten Kriterien zu schaffen.

Diagnostik – so viel wie nötig und so gut wie möglich

Die Diagnostik, gerade in der Allgemeinpraxis, kann wesentlich verbessert werden, wenn einerseits eine umfassende Dokumentation vorliegt, und andererseits sehr gezielt gearbeitet werden kann. Es geht darum, so schnell und so effizient wie möglich das Problem einzugrenzen, zu analysieren und zuzuordnen, und dabei die relevanten Daten aus der Patientenvorgeschichte mit einzubeziehen. Wie weit behalten Sie als Arzt das Heft in der Hand? Wie weit führen Sie das Gespräch durch gezielte Fragen? Wie viele Informationen haben Sie generell über Ihre Patienten vorliegen – und schnell greifbar? Hier bieten sich wertvolle Ansatzpunkte für Verbesserungen, die auch gut messbar und damit bewertbar sind.

Beratung – wie viele relevante Informationen bekommt ein Patient?

In der Regel nur so viel, wie Sie in der kurzen Konsultationszeit unterbringen. Und das ist häufig zu wenig. Gerade bei einem komplexen Krankheitsgeschehen brauchen Patienten umfangreiche Beratung, um sich am Ende nicht auf gefährliches Halbwissen aus dem Internet einzulassen. Den Schaden, den das verursachen kann, kennen wir alle. Besteht eine Möglichkeit, den Beratungsumfang zu vergrößern? Durch Patienteninformationen, Broschüren, Hinweise auf Beratungsangebote von den Krankenkassen? Oder durch selbst verfasste Patienteninformationen? Auch hier liegt ein Bereich vor, in dem messbare Kriterien angewendet werden können – nämlich die tatsächliche Informationsmenge, die ein Patient aus der Konsultation mitnimmt.

Behandlung – nicht nur Medikamente

Viele Krankheiten bessern sich nicht nur allein durch Medikamente – Ernährungsumstellungen, Bewegungstherapien, Möglichkeiten der unterstützenden Selbstbehandlung, all das ist für den Patienten auch heilsam. Nur weiß er das nicht, wenn es ihm niemand direkt verordnet. Eine Stunde Bewegung pro Tag dürfte auch auf dem Rezeptblock stehen, und als ärztliche Verordnung hätte das durchaus für den Patienten Gewicht. In Verbindung mit einem guten Beratungsangebot kann das oft sehr hilfreich sein, um die Heilung zu unterstützen. Ein messbares Kriterium für diesen Bereich ist also beispielsweise, wie viele Verordnungen außerhalb der zugelassenen Medikamente erfolgen, um Patienten mehr Gesundheitsbewusstsein und Selbstverantwortung mitzugeben.

Es geht um ein persönliches Qualitätsmanagement

Die oben genannten Vorschläge verstehen sich lediglich als ein Denkanstoß – ein Qualitätsmanagement System in der Praxis ist eine sehr individuelle Sache und hängt auch von den persönlichen Schwerpunkten ab. Solange man aber für sich selbst wirklich messbare Kriterien vorgibt, ist man sicherlich auf dem richtigen Weg, um immer besser zu werden – damit man nicht irgendwann aufhört, gut zu sein.

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André Bernert

André Bernert, geb. 1971, hat sich während seines BWL-Studiums an den Universitäten in Göttingen und Kiel (Hauptstudiengang Agrarökonomie – Schwerpunkt Informationsmanagement und Unternehmensbewertung) auf die Einrichtung und Betreuung von Firmennetzwerken, sowie die Bewertung von Freiberufler-Unternehmen spezialisiert. Nach Projektarbeiten in den Bereichen Organisation, Controlling und Liquiditätsplanung fokussierte er sich auf die Bewertung und Beratung von Ärzten, Zahnärzten und Tierärzten. Er war fünf Jahre für den vereidigten Sachverständigen für die Bewertung von Arzt- und Zahnarztpraxen Horst Stingl tätig. Sein Beratungsschwerpunkt lag in der Gestaltung von ambulanten Kooperationsformen. Die Erfahrungen, das Know-how und der Faible für einfache Prozesse haben André Bernert zur Entwicklung eines unvergleichbaren Management-Systems für Arzt- und Zahnarztpraxen geführt. In über 17 Jahren hat er zahlreiche Instrumente entwickelt, die Praxen erfolgreicher machen und Praxisinhaber ent-stressen.

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André Bernert, geb. 1971, hat sich während seines BWL-Studiums auf die Einrichtung und Betreuung von Firmennetzwerken, sowie die Bewertung von Freiberufler-Unternehmen spezialisiert. Später fokussierte er sich auf die Bewertung und Beratung von Ärzten, Zahnärzten und Tierärzten. Er war fünf Jahre für den vereidigten Sachverständigen für die Bewertung von Arzt- und Zahnarztpraxen Horst Stingl tätig. Sein Beratungsschwerpunkt lag in der Gestaltung von ambulanten Kooperationsformen. Als Gründer von MMP hat André Bernert zahlreiche Instrumente entwickelt, die Praxen erfolgreicher machen und Praxisinhaber ent-stressen.