Der Fall Kyra Ludwig

Regress gegen sächsische Neurologin wird zum Politikum

Ganz Deutschland debattiert plötzlich über den Sinn und Unsinn von Honorarregressen. Selbst die Abschaffung des umstrittenen Instruments scheint denkbar. Was ist passiert?

Das Ärzte, die besonders viel arbeiten und abrechnen Regressforderungen ihrer KV befürchten müssen, ist wahrlich keine Neuigkeit. Was also hat dazu geführt, dass ein solcher Fall aus der sächsischen Provinz es in die überregionalen Medien geschafft hat – und nun sogar die Politik beschäftigt? Zugegeben: Die Summe, von der in den Medien die Rede ist, ist üppig.

Neurologin Kyra Ludwig aus Seifhennersdorf im Kreis Görlitz „soll 250.000 Euro nachzahlen, weil sie pro Quartal etwa 1.700 statt 1.000 Patienten behandelt hat“, empörte sich deshalb sogar die “Bunte”, die sich ansonsten doch eher weniger für Probleme von niedergelassenen Ärzten interessiert. „Sollte sie die Summe zahlen müssen, wird sie ihre Praxis aus finanziellen Gründen aufgeben müssen.“ Auch andere Medien, darunter die WELT, der mdr, Focus, die Bild-Zeitung, berichteten ausführlich über den Fall. Die Causa Ludwig hat inzwischen aber nicht nur fachfremde Medien, sondern auch die (Standes)-Politik erreicht.

Alle reden über Regresse

Dort sind Regresse allerdings nicht erst seit gestern ein Thema. Die sächsische Linke fordert bereits die Abschaffung von Regressen. „Anstatt von Landarztquoten zu schwadronieren, sollte die CDU zunächst dafür sorgen, dass die unsinnige und zweifelhafte Praxis der Regressforderungen ein Ende hat“, sagte die gesundheitspolitische Sprecherin der Linken im Dresdner Landtag, Susanne Schaper.

Auch der Präsident der Landesärztekammer Sachsen, Erik Bodendieck, plädiert für ein Ende der pauschalen Abrechnung und für die Erstellung einer Gebührenordnung, die betriebswirtschaftlich berechnet wird.

Der aktuelle Fall hat jetzt auch die relativ junge Interessenvertretung IG Med auf den Plan gerufen. Die Interessengemeinschaft wehrt sich mit Macht gegen Regressforderungen für Ärzte, die zuviel Honorar erhalten haben sollen – und streitet auch für ihre Mitgründerin Kyra Ludwig.

Die KV wiegelt ab

Klaus Heckemann, der Präsident der KV Sachsen, hingegen ist sich keiner Schuld bewusst. „In Sachsen wird kein Arzt irgendeinen Plausibilitätsregress bekommen, alleine wegen der hohen Zahl der Patienten, die er behandelt“, zitiert der Mitteldeutsche Rundfunkt den Funktionär. Es gebe erst Probleme, wenn die große Zahl der Patienten mit überdurchschnittlich vielen Leistungen behandelt werden.

Wie der Fall Kyra Ludwig zu Ende geht, ist derzeit noch offen. Die Neurologin will gegen die Forderung der KVS Klage einreichen. Sollte eine Verhandlung scheitern, gehe sie in die Insolvenz, sagte die Ärztin der Bild-Zeitung. Einen positiven Nebeneffekt hat das Drama aus Seifhennersdorf aber schon heute. Die überfällige Diskussion um Sinn und Unsinn von Regressen wird offensiver geführt, denn je.

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