Was Sie über die Anlageroboter wissen müssen

Robo Advisor: Vermögensbildung im digitalen Zeitalter

Der eigene Bankberater nicht kompetent genug, der klassische Vermögensverwalter zu teuer: Viele Ärzte suchen nach neuen Wegen der Geldanlage. Warum sogenannte Robo Advisors eine Alternative sein können, erklärt Christian Schneider-Sickert*, Mitgründer und Managing Director der Liqid Investments GmbH.

Es ist kein Geheimnis: Mediziner sind die bestbezahlten Angestellten in Deutschland. Der Gehaltsreport 2016 des Jobportals Stepstone weist einen durchschnittlichen Jahresverdienst von 77.841 Euro aus; die zweitplatzierten Juristen haben im Schnitt 10.000 Euro weniger zur Verfügung. In Abhängigkeit des Karrierewegs kann jedoch noch deutlich mehr herausspringen: So verdient ein Chefarzt im Krankenhaus im Jahr knapp 280.000 Euro, niedergelassene Radiologen und Internisten können auf bis zu 400.000 Euro kommen. Gemeinsam stehen jedoch alle Mediziner vor der gleichen Herausforderung – und das unterscheidet sie nicht von Berufsgruppen mit niedrigerem Einkommen: Sein Erspartes im aktuellen Niedrigzinsumfeld irgendwo noch gewinnbringend anzulegen, wird immer schwieriger. Wer sein Geld nur auf der Bank parkt, erzielt heute keine Rendite mehr; klassische Vermögensverwalter schrecken hingegen mit teils horrenden Kosten ab. Eine vielversprechende Alternative im digitalen Zeitalter sind Robo Advisors.

Die „Anlage-Roboter“ sind bei dem Gros der Anbieter nichts anderes als eine Software, welche die Anlagebedürfnisse und Risikobereitschaft der Kunden mit ausgeklügelten Fragen ermittelt und auf dieser Basis die passende Anlagestrategie vorschlägt. Diese fußt im Regelfall auf einer Zusammenstellung unterschiedlicher börsengehandelter Indexfonds (ETF) zu einem globalen Portfolio. ETFs bilden die Wertentwicklung von Indizes wie dem Weltaktienindex MSCI World oder dem deutschen Dax nach und kommen als passive Fonds ohne Manager aus, die aktive Anlageentscheidungen treffen. In den USA erfreuen sich die Robo Advisor bereits großer Beliebtheit, da eine automatisierte Beratung wie diese Zeit und vor allem Kosten spart.

Robo ist nicht gleich Robo

Doch auch in Deutschland wächst der Markt rasant: Das Statistikportal Statista rechnet 2017 mit einem Anlagevolumen von 338 Millionen Euro; in vier Jahren sollen es schon 1,35 Milliarden sein [1]. Aktuell buhlen knapp 20 verschiedene Anbieter um die Gunst der deutschen Anleger. Hier gilt es jedoch, genau hinzuschauen – denn Robo Advisor ist nicht gleich Robo Advisor. Grob können drei verschiedene Ansätze unterschieden werden: Die sogenannten Self-Service-Robos fungieren lediglich als Tippgeber, d.h. die Kunden nehmen ihre Risikoeinstufung selbst vor, suchen die dazu passenden Produkte auf eigene Faust und kaufen diese auch eigenverantwortlich. Gute Tipps und Informationen bieten hier beispielsweise JustETF oder Moneyfilter. Dagegen sind Half-Service-Robos in der Regel als Finanzanlagenvermittler zugelassen, machen Vorschläge und vermitteln Anlageprodukte. Hier ist der Anleger nicht sich selbst überlassen, sondern arbeitet zusammen mit dem Anbieter an der richtigen Anlagestrategie. Dieser hat jedoch keine Vollmacht, was bedeutet, dass Änderungen am Depot erst vom Kunden abgesegnet werden müssen. Beispiele für Half-Service-Robos sind Ginmon, Growney oder Easyfolio.

Das Rundum-Sorglos-Paket: Full-Service-Robos

In die dritte Kategorie fallen die Full-Service-Robos wie Liqid, Vaamo oder Scalable Capital, die nicht nur Tipps geben, sondern die Geldanlage für ihre Kunden vollständig betreuen. Daher werden diese digitalen Vermögensverwalter auch von der Finanzaufsicht BaFin überwacht. Unterschiede zwischen den einzelnen Full-Service-Robos gibt es vor allem bei den Gebühren und der Anlagestrategie. Neben den Produktkosten für die ETFs, die alle Anbieter mit durchschnittlich 0,2 bis 0,4 Prozent in Rechnung stellen, fallen immer auch jährliche Verwaltungsgebühren für das Depot an. Laut Finanztest (01/2017) ist Liqid mit 0,15 Prozent auf das angelegte Kapital im Portfolio „Liqid-Index“ der günstigste Full-Service-Anbieter. Der Branchenschnitt liegt bei 0,5 bis 0,8 Prozent. Hier lohnt jedoch immer ein genauerer Blick: Einige Anbieter berechnen zusätzliche Ausgabeaufschläge, Transaktionskosten oder Performance-Fees, die die Rendite schmälern können.

Mit den Strategien der Hochvermögenden zum Erfolg

Doch bei der Auswahl des passenden Anbieters sollten nicht nur die Kosten den Ausschlag geben. Auch die Höhe des verfügbaren Kapitals muss in Betracht gezogen werden. Möglich ist im Regelfall entweder die Einmalanlage eines größeren Betrags oder ein Sparplan, bei dem monatlich eine kleinere Summe eingezahlt wird. Der Mindestbetrag für eine Einmalanlage schwankt zwischen 2.500 (Fintego) und 10.000 Euro (Quirion). Liqid bildet hier die Ausnahme: Der Mindestbetrag für die Einmalanlage liegt bei 100.000 Euro.

Fazit

Die Bandbreite der in Deutschland aktiven Robo Advisor bietet für nahezu jeden Anlegertyp die passende Unterstützung. Wer nur ein paar Tipps zur Geldanlage benötigt, wird ebenso fündig, wie derjenige, der sich ein „Rundum-Sorglos-Paket“ wünscht. Obwohl die Mehrzahl der Anbieter erst in den vergangenen beiden Jahren ihre Arbeit aufgenommen hat, deutet die große Nachfrage einen Trend an, der sich zukünftig noch deutlich verstärken wird. Gerade für die Besserverdienenden können Anlage-Roboter die perfekte Alternative zur Vermögensbildung sein.

Zum Autor: Christian Schneider-Sickert ist Mitgründer und Managing Director von Liqid. Christian Schneider-Sickert gründete bereits nach Ende seines Studiums in Oxford sein erstes Unternehmen. Die Oxford Business Group veröffentlicht global zitierte Finanzinformationen über die Schwellenländer der Welt. Nach MBA in Harvard und Zeit bei Goldman Sachs hielt er verschiedene Führungspositionen in der Medien- und Finanzindustrie, u.a. im Bereichsvorstand von Bertelsmann und im Vorstand von FremantleMedia. In diesem Zusammenhang wählte ihn die Sunday Times zu einem der führenden Medienmanager Englands. Als geschäftsführender Gesellschafter leitete Schneider-Sickert die von ihm gegründete Londoner Corporate Finance Gruppe NewShore Partners bis zu ihrem Merger mit Stella Advisors. Seit April 2015 leitet Christian Schneider-Sickert das 5-köpfige Gründerteam der Liqid Investments GmbH. LIQID ist eine digitale Vermögensverwaltung, die u.a. privaten Geldanlegern über das Internet Zugang zu Anlagestrategien von Multi Family Offices in Europa verschafft.

 [1] https://de.statista.com/outlook/337/137/robo-advisors/deutschland

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