Arbeitsbedingungen

Schock-Report: Mobbing, sexuelle Belästigung und Intrigen in Praxen und Kliniken

Ein aktueller Report zu den Arbeitsbedingungen in Kliniken und Praxen bringt erschreckende Zahlen ans Licht: Sexuelle Übergriffe scheinen im Medizinbetrieb an der Tagesordnung zu sein. Experten sind alarmiert.

„Sexuelle Belästigung unter Ärzten, Pflegepersonal und Patienten“. So lautet der Titel des Reports des Gesundheitsportals Medscape, der momentan für Aufsehen sorgt. 1.055 Nutzer haben dafür an einer Online-Umfrage teilgenommen. Die Erhebung ist zwar nicht repräsentativ. Dennoch sind die Ergebnisse verheerend.

Den Angaben zufolge sind 13 Prozent der Ärztinnen und vier Prozent der Ärzte allein in den vergangenen drei Jahren von einem Kollegen sexuell belästigt worden. Jeder vierte Arzt und mehr als ein Drittel des Pflegepersonals berichteten zudem von sexuellen Übergriffen durch Patienten. Wie dramatisch die Zustände im Berufsalltag zum Teil sind, belegen auch die persönlichen Kommentare und Erfahrungsberichte, die die Teilnehmer der Umfrage anonym hinterlegen konnten.

Eine niedergelassene Kinderärztin etwa schrieb: „Ich stand in der Praxis auf einer Leiter und mein Chef hinter mir. Plötzlich fasste er an meine Brust. Ich habe ihn daraufhin angeschrien und am nächsten Tag gekündigt.“ Eine Anästhesistin berichtete. „Ein Oberarzt umarmte mich während der Narkoseausleitung von hinten, berührte meine Brust und griff mir zwischen die Beine”. Und Ein Thorax- und Gefäßchirurg aus Thüringen statuierte lakonisch: „Sie können gewiss sein, dass es kein Krankenhaus ohne Mobbing, sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz und Intrigen gibt.“

Was sich ändern muss

Christiane Groß, Präsidentin des Deutschen Ärztinnenbundes kann der Umfrage dennoch auch etwas Positives abgewinnen. „Ich finde es gut, dass es jetzt für Deutschland endlich einmal Zahlen zu sexuellen Belästigungen von Ärzten und Ärztinnen gibt“, so ihr Kommentar. Zugleich äußerte sie die Hoffnung, dass die Opfer solcher Übergriffe künftig ernst genommen würden und gegen die Täter vorgehen. Beides ist derzeit oft nicht der Fall.
Trotz der öffentlichen #MeToo-Debatte der vergangenen Jahre schweigen nach wie vor etwa 75 Prozent der Betroffenen. Die meisten hatten Sorge, dass ihnen eine „Überreaktion“ vorgeworfen wird (40 Prozent). 26 Prozent unternahmen nichts, weil „ohnehin nichts gegen den Täter unternommen wird“. 21 Prozent sahen von einer Anzeige ab, weil sie fürchteten, ihre Aussagen würden nicht vertraulich behandelt.

Hier geht’s zum vollständigen Report: https://deutsch.medscape.com/diashow/49000691?faf=1

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