Liquiditätskrise

4 Schritte, die Ihrer Praxis aus der Krise helfen

Wer als Praxisinhaber in eine finanzielle Krise schlittert, muss deswegen noch nicht alle Hoffnung fahren lassen. Vorsicht ist aber trotzdem geboten, denn in dieser Situation wiegt jeder weitere Fehler doppelt.

Ist ein Niedergelassener mit seiner Praxis bereits in eine Liquiditätskrise geraten oder ist eine solche abzusehen, muss unverzüglich und richtig gehandelt werden, um die Praxis zu stabilisieren. Jeder Aufschub bringt neue und größere Probleme und kumuliert den eingetretenen Schaden irgendwann in eine unüberschaubare Dimension.

Zur Beseitigung einer finanziellen Krise in der Arztpraxis bieten sich folgende Vorgehensweisen an:

1. Schritt: Status erheben

Zunächst müssen schonungslos alle Daten zusammengetragen werden, die ein klares Bild über die Praxis ermöglichen. Das kann der Arzt zunächst ohne fremde Hilfe bewerkstelligen. Dabei gilt es folgende Schritte einzuleiten:

  • Alle Vermögens- und Schuldenposten (Plus oder Minus) sind zu listen, wie Barmittel, Bankreserven, Bankkontenstände, eventuelle Immobilien, die für eine Beleihung herangezogen werden können,
  • Erfassen aller regelmäßigen Einnahmen aus dem Praxisbetrieb,
  • Erfassen aller dagegenstehenden Ausgaben der Praxis,
  • Listung aller regelmäßigen wie auch unregelmäßigen privaten Ausgaben,
  • Erfassen aller außerordentlichen Positionen, etwa größere Hausreparaturen, Autokosten, Urlaube, Unterhaltszahlungen und so weiter.

Mit diesem „Gerüst“ verfügt der Praxisinhaber schon über einen Liquiditätsplan, der ihn in Zukunft immer begleiten sollte. Wer sich nicht eines im Buchhandel erhältlichen Finanzplaners bedienen will, der sämtliche Ein- und Ausgaben sortiert, sollte über ein Spaltenblatt von etwa 36 Monaten den Plus oder Minusbestand vortragen, zu den jeweiligen Fälligkeitsterminen die Einnahmen hinzurechnen und die Ausgaben abziehen. Am jeweiligen Monatsende kann dann „Bilanz“ gezogen und überblickt werden, welche liquiden Mittel verfügbar sind und ob genügend Spielraum für die Zukunft bleibt.

2. Schritt: Die Bank konsultieren und einbeziehen

Mit einem derartigen „Finanzplan“ sollte der Praxisinhaber zu seiner Bank gehen und diese voll ins Vertrauen ziehen. Jede Bank schätzt einen klaren Überblick und wird so eher bereit sein, dem Arzt aus der misslichen Situation zu helfen. Hier sollte die Bank dann wirklich zum Partner des Arztes werden, zumal sie sieht, dass es dem Arzt ernst ist mit der einzuleitenden Gesundungsphase. Übrigens: Es dient der partnerschaftlichen „Hygiene“, wenn immer und ohne stetes Anmahnen der Kreditgeber diesen regelmäßig eine BWA (Betriebswirtschaftliche Auswertung) und zu Beginn des neuen Jahres die Gewinnermittlung übermittelt wird. Auch zwischenzeitliche Gespräche mit dem Bankmanager fördern das Vertrauen und lassen in schwierigen Phasen darauf hoffen, dass man nicht „hängengelassen“ wird.

3. Schritt: Praxis-Check-up oder Praxiswertgutachten

Oft liegen die Gründe, die zu einer Verschlechterung der Praxis geführt haben, auch in der Struktur der Praxis, ohne dass sich der Praxisinhaber dessen bewusst ist. Oder sie liegen in Wechselwirkungen (Konkurrenzeinflüsse, Leistungspalette, falsche Abrechnung, falsche Gerätebestückung, nicht optimalen Arbeitsabläufe etc.), die der Arzt in seiner Notsituation nicht mehr erkennen kann. Hier kann ein Praxis-Check-up Abhilfe schaffen, mit dem die Praxis auf Schwachstellen durchleuchtet wird und Vorschläge für die Gesundung gemacht werden. Für die kreditgebende Bank stellt ein Praxiswertgutachten allerdings häufig eine Sicherheit dar, weil sie daraus erkennt, dass die Praxis selbst im „schlimmsten Fall“ noch einen beträchtlichen Wert zur Absicherung ihrer Ansprüche darstellt. Ein solcher Wert ist in einem Sanierungsverfahren aber mehr ein psychologischer Anker und wird von der Bank auch als solcher gesehen. Ein qualifiziertes Wertgutachten stellt also gut angelegtes Geld dar, zumal damit stets auch eine umfassende Beurteilung aller auf die Praxis wirkenden Einflüsse dargestellt und auf Schwachstellen aufmerksam gemacht wird.

4. Schritt: Sanierungsplan für die Praxis erarbeiten

Nach diesen vorbereitenden Schritten kann nun zusammen mit der Bank oder einem seriösen Berater an die Ausarbeitung eines Sanierungsplanes gegangen werden. Entscheidend ist, dass der oder die Kreditgeber den Willen des Praxisinhabers erkennen, die Praxis wieder flott zu kriegen. Daran ist auch der Bank gelegen, die sich ja um die Rückführung der Kredite sorgt. Freilich, das wesentliche Hemmnis für die notwendige wirtschaftliche Operation ist vielfach in der Angst zu finden, bei Freunden und Bekannten, nicht zuletzt bei seinen Patienten, das Gesicht zu verlieren. Das darf den in der Krise befindlichen Arzt aber nicht davon abhalten, unverzüglich zu handeln. Auch andere Wirtschaftsunternehmen geraten mitunter in Liquiditätskrisen. Sie lösen die Probleme umso eher und intensiver, je schonungsloser sie an die Problembewältigung herangehen.


arzt-wirtschaft.de FINANZEN-Checkliste

Sanierungsplan für alle Fälle!

  • Überprüfung der Einnahmenseite: Kann die Leistungspalette der Praxis ohne Zusatzkosten ausgeweitet werden? Werden Zusatzleistungen angeboten? Wenn nicht, warum nicht?
  • Konsequente Durchforstung der Praxiskosten: Wo können entscheidende Einsparungen vorgenommen werden, ohne die Praxisabläufe zu tangieren?
  • Bereinigung des teuren Kontokorrentkredites zugunsten eines langfristigen, zinsgünstigeren Kredites.
  • Tilgungsaussetzung bei bestehenden Verpflichtungen für einen begrenzten Zeitraum.
  • Beleihung von Immobilien, sofern solche im Privatvermögen vorhanden sind.
  • Stilllegung unrentabler Geräte.
  • Verhandlungen mit Leasinggebern, um zu prüfen, ob Zahlungsaufschub oder die Herabsetzung der Raten über eine längere Laufzeit möglich ist.
  • Einschränkungen im privaten Bereich, Verzicht auf teure Hobbys bis zur endgültigen Sanierung.
  • Eventuelle Auflösung von Lebensversicherungen, obwohl zunächst mit erheblichen Verlusten zu rechnen ist.
  • Gegebenenfalls Überprüfung der Unterhaltsleistungen, sofern diese ohne Berücksichtigung praxisbedingter Ausgaben festgesetzt wurden.
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Author's imageJürgen VeitLeiter Kommunikation D-A-CH bei CompuGroup Medical Deutschland AG

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