Musterbrief

Musterbrief für Erstattungsansprüche

Keine Rückrufaktion. Taucht zum Beispiel bei einem neuen Automodell ein gravierender Fehler auf, organisieren die Hersteller ruckzuck eine Rückrufaktion, um den Schaden zu begrenzen und zu beheben. Eine Gepflogenheit, die bei den Versicherungsgesellschaften weitgehend unbekannt zu sein scheint.

Erinnern wir uns: Am 12. Oktober 2005 hatte der Bundesgerichtshof (BGH) in mehreren bahnbrechenden Entscheidungen Inhabern von Lebensversicherungsverträgen nachträgliche Erstattungsansprüche gegen ihre Versicherer zuerkannt. Das betraf speziell Verträge, die zwischen Juli 1994 und Mitte 2001 abgeschlossen und dann vorzeitig gekündigt wurden. Die Assekuranz- Branche macht es sich seither bequem: „Wenn sich die Kunden nicht rühren, rühren wir uns auch nicht.“ Nach diesem Motto versuchen die Versicherungsgesellschaften das Problem auszusitzen.

Reagieren statt agieren. Bezeichnend dafür ist die Reaktion des Deutschen Herold, der von ARZT & WIRTSCHAFT zur Stellungnahme aufgefordert wurde. „Wir gehen jedem einzelnen Anspruch, der unter Berufung auf die Entscheidungen des Bundesgerichtshofs vom Oktober 2005 geltend gemacht wird, sorgfältig nach und prüfen die Berechtigung. Unser Unternehmen orientiert sich dabei streng an den Maßstäben der Entscheidungen. Steht eine Verpflichtung zur Erhöhung des Rückkaufswertes fest, zahlen wir unverzüglich aus …“.

Aha, auf gut deutsch heißt das: Erst wenn sich jemand von sich aus meldet, wird gezahlt.

So auch bei der Axa. „Wir haben schon an rund 1.000 Kunden ausbezahlt.“ Natürlich nur an die, die sich vorher aus eigenem Antrieb gemeldet haben. „Denn“, so die Axa weiter, „würden wir einen automatisierten Prozess anschieben, würde dies zu Lasten der Überschussbeteiligung der jetzigen Kunden gehen!“

So kann man es natürlich auch sehen, wenn man will. Die Assekuranzunternehmen verlassen sich darauf, dass nur wenige der Ex-Kunden „aufwachen“ und ihre Forderungen anmelden. Deshalb hat etwa die Verbraucherzentrale Hamburg in einem Pilotverfahren gegen die Hamburg-Mannheimer Versicherungsgesellschaft inzwischen auch ein erfolgreiches Zwischenergebnis erzielt: Der Versicherer hat beträchtliche Nachzahlungen bereits geleistet; im Streit ist noch, wie der Versicherer die Vollständigkeit dieser Nachzahlungen nachzuweisen hat.

Der BGH hatte mit seinen Urteilen vom 12. Oktober 2005 festgezurrt, dass die bei gekündigten Versicherungsverträgen ausgezahlten Rückkaufswerte viel zu niedrig waren – Nachschlag würde fällig. Die Bundesrichter entwickelten eine Formel für einen Mindest- Rückkaufswert. Bei rund sieben Millionen betroffenen Verträgen und einem Rückforderungsbetrag von durchschnittlich 500 Euro müssten die Unternehmen eigentlich mit Nachforderungen in Höhe von rund 3,5 Milliarden Euro rechnen. Offizielle Zahlen über erstattete Beträge gibt es nicht. So ist die bisherige Gesamtbilanz aus Sicht der Verbraucherzentrale eher enttäuschend. Fazit: „Die Ex-Kunden verschenken Milliarden.“

Allerdings, Brief genügt. Kunden rät die Verbraucherzentrale: Es ist einfach, Nachschlag zu bekommen. Bei den meisten beanstandeten Verträgen zahlen die Versicherer inzwischen oft schon nach Aufforderung durch einen schlichten Brief – wenn auch nie mit nachprüfbarer Abrechnung. Bei einigen Versicherern und besonderen Vertragsgestaltungen will die Verbraucherzentrale mit Sammelklagen nachhelfen.

A&W-MUSTERBRIEF

So holen Sie sich Ihr Geld zurück!

Versicherungs-Nr. ___________________

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich beziehe mich auf die Entscheidungen des Bundesgerichtshofs vom 12. Oktober 2005 (Az.: IV ZR 162/03, 177/03 und 245/03) und melde hiermit meine Ansprüche an. Ich habe bei Ihnen am _____________ einen Lebensversicherungsvertrag abgeschlossen, der am _____________ gekündigt wurde. Der Rückkaufswert betrug __________ Euro, eingezahlt habe ich insgesamt rund __________ Euro. Bitte teilen Sie mir mit, wie hoch der „Stornoabzug“ war und wie hoch der Mindest-Rückkaufswert (lt. BGH: die Hälfte des ungezillmerten Deckungskapitals zuzüglich Überschussbeteiligung) bei Vertragsende war. Ich erbitte Ihre Auskunft innerhalb der nächsten vier Wochen.

Mit freundlichen Grüßen

__________________________________

2

Anzeige

Wie Sie mit diesem Trick die Beiträge nebst Zinsen Ihrer Lebensversicherung zurückfordern können

Lebens- und Rentenversicherungen, die zwischen 1994 und 2007 abgeschlossen wurden, kamen zumeist widerrechtlich zustande und können rückabgewickelt werden. Das entschied letzthin der Bundesgerichtsh... Mehr
Author's imageServiceredaktion

Weitere Artikel zum Thema:

Marburger Bund

Sonderkonditionen für Mitglieder


Medizinische Fachangestellte

Mehr Geld für Auszubildende


Berufsunfähigkeit

Spezielle Versicherung für Ärzte


Vorteile für Selbständige und Gewerbetreibende

Telefontarif für Selbständige


Hospiz- und Palliativversorgung

Mehr Geld auch für Vertragsärzte


Anzeige