Missbrauch vorbeugen

Warum regelmäßige Giro-Kostenanalysen notwendig sind

Praxiskonten lassen sich meist komplikationslos handhaben, sind aber auch anfällig für artfremde Finanzierungen durch den Kontoinhaber. Helfen können hier regelmäßige Giro-Kostenanalysen. Hier erfahren Sie, wie Sie dem Missbrauch vorbeugen.

Abwicklung der täglichen Praxisumsätze sowie kurzfristige Überziehungen, die möglichst innerhalb weniger Tage durch Zahlungseingänge wieder ausgeglichen werden – damit ist der wesentliche Zweck des Praxiskontos bei Niedergelassenen eigentlich schon beschrieben.

Die Wirklichkeit sieht anders aus: Praxiskonten werden oft nicht mehr nur vorübergehend, sondern mittel- und langfristig systematisch durch Zahlungsvorgänge in Anspruch genommen, die mit dem eigentlichen Kontozweck kaum mehr etwas zu tun haben. Dazu gehören etwa Investitionen in das Praxisgebäude oder in betriebliche Anschaffungen ebenso wie Investitionen in die selbst genutzte Eigentumswohnung oder in das selbst genutzte Eigenheim. Durch die meist problemlose Nutzung des Überziehungskredites auf dem Praxiskonto ist der Anreiz, diese Kreditform nicht nur in Anspruch zu nehmen, sondern sie häufig auch zu strapazieren, recht groß.

Die jeweilige Geschäftsbank meldet sich in der Regel solange nicht, wie die vereinbarte Kreditlinie vom Arzt eingehalten wird. Erst bei Kontoverfügungen darüber hinaus erfolgen mehr oder weniger restriktive bankseitige Forderungen auf Einhaltung der ursprünglichen Kreditvereinbarungen. Bei angemessener Kreditwürdigkeit des Praxisinhabers steht einer vorübergehenden Erhöhung der genehmigten Kreditlinie aber regelmäßig nichts im Wege, so dass sich die einmal in Gang gekommene Spirale weiter dreht: Investitionen werden weiterhin über das Praxiskonto gebucht, bis die Zins- und Kostenbelastung Ausmaße erreicht, die den Arzt zum Nachdenken zwingt. Erfreulich immerhin, dass eine derartige Initiative bei einer funktionierenden Kunde-Bank-Beziehung durchaus auch vom Geschäftskundenberater der Bank ausgeht.

Ein professioneller Umgang mit dem Praxiskonto ist bei vielen Medizinern nach wie vor nicht als wesentlicher Teil der Unternehmenssteuerung erkennbar. Das belegt etwa die Höhe der geduldeten Überziehungen, die sich nach Schätzungen von Experten pro Jahr im zweistelligen Milliardenbereich bewegen. Die damit verbundene, meist schnelle und einfache finanzielle Hilfe muss der Arzt mit Gesamtkosten von etwa 15 Prozent pro Jahr bezahlen.

Bei tatsächlich erforderlichen kurzfristigen Kontoüberziehungen sollte ein ebenfalls kurzfristiges Gespräch mit der Bank mit dem Ziel geführt werden, die bestehende genehmigte Überziehung offiziell zu erhöhen. Es bietet sich für eine solche Erhöhung eine angemessene zeitliche Befristung an. Ein Automatismus, eine derartige Vereinbarung mehrere Male zu verlängern, bietet meist keine langfristig tragbare Lösung. Er führt erfahrungsgemäß nur zu weiteren Kosten.

Dabei gibt es durchaus Alternativen zum Kontokorrentkredit: Der zinsgünstige Eurokredit oder Barvorschuss wird, eine angemessene Kreditwürdigkeit vorausgesetzt, je nach Bankinstitut mit Laufzeiten zwischen einem und zwölf Monaten mit entsprechenden Verlängerungsmöglichkeiten angeboten.

Wichtig ist dabei, dass dieser Kredit während der vereinbarten Laufzeit grundsätzlich vollständig in Anspruch genommen werden muss. Tilgungen sind innerhalb dieses Zeitraumes nicht möglich. Ärzte können beispielsweise einen Teil ihres Kontokorrentkredites in einen Eurokredit umschulden und beide Kreditformen miteinander kombinieren. In welchem Umfang dies mit der jeweiligen Hausbank möglich ist, muss abgestimmt werden. Je nach Kreditgeber werden Eurokredite erst ab 25.000 oder 50.000 Euro zur Verfügung gestellt.

Neben den Kreditzinsen spielen beim Praxiskonto weitere Kostenfaktoren eine Rolle: Kredit- und Umsatzprovisionen können die Gesamtkosten zusätzlich erhöhen und sollten daher ebenso wie Kredit- und Überziehungszinsen hartnäckig verhandelt werden. Um diese Kosten mit Angeboten anderer Banken vergleichen zu können, ist die Angabe des Effektivzinssatzes hilfreich.

Weitere Sparpotenziale gibt es bei den Kontogebühren, die regelmäßig entweder pro Kontobuchung oder als Kontopauschale berechnet werden. Durch den bei Arztpraxen meist erheblichen Umfang an Kontobuchungen sollte in Abstimmung mit dem Bankinstitut eine weitgehend maßgeschneiderte Lösung gefunden werden. Hierzu bieten Banken regelmäßig unterschiedliche Kostenmodelle an, die durchaus überlegenswert sein können.

Darüber hinaus können Kosten gespart werden, wenn die technischen Möglichkeiten des Electronic-Banking genutzt werden. Die in diesem Bereich angebotene Produktvielfalt bietet eine große Auwahl an Einsatzmöglichkeiten. Vom taggleichen Kontoausgleich bei verschiedenen Banken über ebenfalls kurzfristige Anlagemöglichkeiten bei vorübergehender Liquidität auf dem Praxiskonto bis hin zur Überwachung fälliger Kreditratenzahlungen bietet die Technik umfangreiche Anwendungsalternativen. Ärzte sollten sich hier regelmäßig auf dem Laufenden halten und die Angebote ihrer Hausbanken sorgfältig prüfen.

A&W-KOMPAKT

Verzinsung von Kontoguthaben

Meist werden Guthaben auf Praxiskonten nicht verzinst, so dass Ärzte Anlagealternativen prüfen sollten. Dazu gehören neben Tagesgeld- oder Termingeldkonten vor allem Geldmarktfonds, die das Geld der Anleger in kurzfristigen Anlageformen investieren. Bei der Prüfung von Geldmarktfonds als Anlagealternative sollte sichergestellt sein, dass Verfügungen möglichst taggleich veranlasst werden können. Darüber hinaus sollten die Anlagemöglichkeiten innerhalb des Fonds keinerlei Spekulation zulassen. Ebenfalls möglich ist eine individuelle Vereinbarung mit der Bank, die eine Verzinsung von Kontoguthaben zulässt. Diese sollte sich an den bei Tagesgeldkonten möglichen Zinssätzen orientieren.

A&W-KOMPAKT

So durchschauen Sie Ihre Kontoverbindung

  •  Führen Sie eine Bestandsaufnahme durch. Dazu können Sie anhand der Ihnen vorliegenden Kontoauszüge die Gesamtkosten beispielsweise während des vergangenen halben Jahres ermitteln und jeden Kostenfaktor wie Kreditund Überziehungszinsen sowie Kontoführungsgebühren exakt ermitteln.
  • Bitten Sie, neben eigenen Überlegungen, den für Sie zuständigen Kundenberater Ihrer Hausbank um Vorschläge, Ihre Kontokosten zu verringern. Er kennt die Produkte en détail und kann einen für beide Geschäftspartner günstigen Lösungsvorschlag zu unterbreiten.
  • Es bleibt Ihnen selbstverständlich überlassen, auch weitere Banken um entsprechende Vorschläge zu bitten und die jeweiligen Angebote miteinander zu vergleichen. Bei einer langjährigen und bewährten Geschäftsverbindung zur eigentlichen Hausbank werden Sie in der Regel aber bereits dort mit dem Ergebnis der Beratung zufrieden sein.
  • Falls erforderlich, bitten Sie auch Ihren Steuerberater um Hilfe. Falls er über Erfahrungen in Bankfragen verfügt, kann seine Meinung eine wertvolle Hilfestellung zu Ihrer Entscheidungsvorbereitung sein.

Die Möglichkeiten bei Electronic-Banking-Produkten

  • Orts- und zeitunabhängiger Zahlungsverkehr
  • Online-gestützte Kontoverwaltung mit taggleichem Kontenausgleich unter Berücksichtigung der für die Zinsberechnung wichtigen Wertstellungen
  • Übersichten mit hoher Transparenz
  • Effizientes Transaktionsmanagement
  • Selbstständige Termingeldanlage
  • Steuerung sämtlicher Zahlungsbewegungen bei verschiedenen Bankinstituten, zum Beispiel mit dem Ziel, die jeweils günstigsten Guthabenzinsen zu erzielen.
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