Darlehenskonditionen

So erkennen Sie günstige Zinsen!

Die Chancen, Kreditverhandlungen günstig abzuschließen, lassen sich erhöhen, je mehr man über die Konditionen weiß. Ein Blick auf die wichtigsten Vorabinformationen zahlt sich schnell aus.

Versierte Kredit-Verhandler holen sich zuerst belastbare Vergleichsangebote. Die offiziellen Bank-Konditionen sind nämlich nicht verbindlich. Oft haben die Filialleiter innerhalb einer festgelegten Zinsmarge bis zu 2,5 Prozentpunkte Verhandlungsspielraum. Und den gilt es zeitig ausreizen. Banken lassen sich zeit- lich nämlich nicht gern unter Druck setzen. Zwar entscheiden sie im eigenen Interesse zügig über Kredite, doch nur auf Basis gesicherter Daten. Zudem verhandelt es sich als Nicht-Schuldner günstiger.

Dennoch werten Banken bisweilen auch jene Kreditnehmer positiv, die weiteren Kredit wünschen und unternehmerische Vorausschau zeigen. Ideal, wenn Praxisinhaber dann für ganz kurzfristigen Bedarf auch nur einen Überziehungskredit nehmen. Über einen längeren Zeitraum dagegen ist der meist teurer als ein Ratenkredit. Dabei sollte der Kreditbedarf so beziffert werden, dass er dem Praxisinhaber einen ausreichenden Spielraum für kurzfristige Planungsänderungen und unvorhergesehene Umsatzverschiebungen lässt. Eine ausreichende Kreditreserve verhindert, dass man unter Zeitdruck über die Aufstockung des Kredits verhandeln muss.

Grundsätzlich sollte man versuchen, zuerst den zinsgünstigsten Kredit auszuschöpfen. Dazu zählt auch die Beleihung von Sparkonten. Beispiel: Ein Praxisinhaber hat 10.000 Euro langfristig auf einem Sparbuch zu fünf Prozent festgelegt. Er braucht 5.000 Euro. Er beleiht die 10.000 Euro zur Hälfte (also 5.000 Euro) und zahlt für den kurzen Kredit vielleicht acht Prozent. So hat er sich die 5.000 Euro für eine bescheidene Zinsdifferenz von drei Prozent beschafft. Würde er dagegen die 5.000 Euro von seinem Sparkonto vorzeitig kündigen, könnte ihm die Bank rückwirkend sogar noch höhere Habenzinsen seit dem Tag der Anlage wieder kürzen. Und das wäre ein deutlich größerer Nachteil.

Unbedingt ist zu beachten, dass es selbst bei scheinbar gleichen Konditionen schnell zu unterschiedlichen Effektivzinssätzen kommen kann. Beispiel: Ein Praxisinhaber benötigt 100.000 Euro und holt bei drei Banken Angebote ein. Alle drei Banken bieten Darlehen zu nahezu gleichen Konditionen an.

Die exakten Darlehenskonditionen der drei Banken im Beispiel, wobei dreimal der gleiche Kostenaufwand anfällt. Trotzdem errechnen sich aber drei ganz unterschiedliche Effektivzinssätze:

  • Bank A: Zinssatz 7,0 Prozent p.a., Auszahlung 100 Prozent, Schätzkosten 1.000 Euro, Laufzeit zehn Jahre, Zinsfestschreibung fünf Jahre, Zinszahlung vierteljährlich nachträglich, Tilgungsverrechnung sofort,
  • Bank B: Zinssatz 7,0 Prozent p.a., Auszahlung 100 Prozent, einmalige Bearbeitungsgebühr ein Prozent, Laufzeit zehn Jahre, Zinsfestschreibung fünf Jahre, Zinszahlung vierteljährlich nachträglich, Tilgungsverrechnung sofort und
  • Bank C: Zinssatz 7,0 Prozent p.a., Auszahlung 99 Prozent, Laufzeit zehn Jahre, Zinsfestschreibung fünf Jahre, Zinszahlung vierteljährlich nachträglich, Tilgungsverrechnung sofort.

Den herrschenden Gepflogenheiten gemäß berechnen alle drei Banken neben sieben Prozent Nominalzins noch ein weiteres Prozent an Kosten. Bank A bezeichnet sie als Schätzkosten, Bank B als Bearbeitungsgebühr und Bank C als Disagio. Da in allen drei Fällen zum gleichen Termin 1.000 Euro Nebenkosten anfallen, ist die Sache für die meisten klar: Alle drei Angebote haben den gleichen Effektivzinssatz. Doch weit gefehlt: Bank A berechnet 7,19, Bank B 7,50 und Bank C 7,64 Prozent Effektivzinssatz. Des Rätsels Lösung: Schätzkosten, Bearbeitungsgebühren und Disagio werden nach der Preisangabenverordnung (PangV) bei der Berechnung des Effektivzinses unterschiedlich berücksichtigt. Wenn ein Unternehmer (wie etwa ein Freiberufler) einen Kredit aufnimmt, muss ihm die Bank den Effektivzinssatz nicht zwingend nennen. Der Gesetzgeber geht nämlich davon aus, dass Unternehmer über kaufmännische Erfahrung verfügen und deshalb auf diese zusätzliche Information verzichten können. Bei privaten Kreditnehmern sind die Banken dagegen verpflichtet, den Effektivzinssatz zu nennen.

Freilich, wer sich ausschließlich nach dem Effektivzinssatz richtet, der kann mit einem niedrigeren Effektivzinssatz auch schnell das teuerste Angebot wählen: Das Angebot von Bank D lautet für 100.000 Euro Darlehen zu 6,7 Prozent Zinsen, 100 Prozent Auszahlung und 1.000 Euro Schätzkosten. Die Laufzeit beträgt zehn Jahre, die Zinsfestschreibung fünf Jahre. Der Effektivzinssatz beträgt bei monatlich nachträglicher Zahl- und Verrechnungsweise 6,97 Prozent. Das Angebot von Bank E dagegen: 6,75 Prozent Zinsen und 0,5 Prozent Disagio bei ansonsten gleichen Bedingungen. Der Effektivzinssatz: 7,12 Prozent. Der scheinbare Vorteil bei Bank D trügt, denn verteilt man die 1.000 Euro Schätzkosten der Bank D erst mal genauso wie das Disagio der Bank E auf fünf Jahre Laufzeit, ist das Darlehen eben teurer.

Bietet eine Bank …
… etwa ein Darlehen zu folgenden Konditionen an – 7,0 Prozent Zins, 100 Prozent Auszahlung, Laufzeit und Zinsbindung fünf Jahre – weiß niemand, ob er dafür 7,0 oder 8,74 Prozent Effektivzinssatz zahlen muss. 7,0 Prozent zahlt man, wenn die Bank die Zinsen ganzjährig nachträglich belastet und die Tilgungen sofort verrechnet, 8,74 Prozent, wenn die Bank die Zinsen monatlich am Ersten kassiert, die Tilgung aber nur jährlich verrechnet.

Anzeige

CGM ermöglicht TI-Anbindung ohne Aufpreis

Bereits 30.000 Ärzte und Zahnärzte ließen ihre Praxis durch CompuGroup Medical Deutschland AG (CGM) kostenneutral an die Telematikinfrastruktur (TI) anbinden. Sowohl Basisausstattung als auch die l... Mehr
Author's imageJürgen VeitLeiter Kommunikation D-A-CH bei CompuGroup Medical Deutschland AG

Weitere Artikel zum Thema:

Niedringzinsphase

Zinsen über vier Prozent



Urteil

Höhere Zinsen für Gesellschafterdarlehen rechtens


Anlageberatung

Schlechte Noten für die Banken


Vorteile für Selbständige und Gewerbetreibende

Telefontarif für Selbständige


Anzeige