Arbeits-Rechtsschutzversicherung

Arbeitsrechtsschutz: Warum Ärzte diese Versicherung unbedingt brauchen

Aunf eine leistungsstarke Rechtsschutzversicherung sollten Ärzte nicht verzichten. Allerdings ist nicht jede Versicherung für jeden Arzt geeignet, das gilt ganz besonders beim Thema Arbeitsrecht. Vielmehr müssen Bedarf und berufliche Stellung aufeinander abgestimmt werden, wenn man nicht draufzahlen will. Wie Ärzte die richtige Versicherung finden, erfahren Sie hier.

Mit einer Berufshaftpflichtversicherung sind Ärzte gegen mögliche Schmerzensgeld und Schadenersatzklagen unzufriedener Patienten abgesichert. Allerdings ist das nicht das einzige Thema, das juristische Fallstricke bietet. Im Gegenteil: Die Wahrscheinlichkeit, in einen arbeitsrechtlichen Prozess verwickelt zu werden, ist meistens um einiges höher. Auch wenn das Betriebsklima gut ist, sollte man sich also keinesfalls darauf verlassen, dass das auch so bleibt. Das zeigt auch das nachfolgende Beispiel.

Kündigungsschutz auch in kleinen Praxen möglich

Nachdem Dr. Herbert D. und seine MFA drei Jahrzehnte lang gemeinsam die Praxis „geschmissen“ hatten, plante der Arzt seinen Ausstieg aus dem Berufsleben. Als er damit begann, einen Käufer für die Praxis zu suchen, kam es allerdings zum Bruch zwischen ihm und einer seiner langjährigen Mitarbeiterinnen. Während sich ihre Kolleginnen bereits erfolgreich nach anderen Stellen umgesehen hatten, war bei ihr kein neuer Job in Sicht. Leider war auch keiner der potenziellen Nachfolger bereit, die sehr gut bezahlte Helferin mit ihren Konditionen zu übernehmen. Somit blieb dem Mediziner nur noch die Kündigung seiner Mitarbeiterin.

Diese zog vor Gericht, klagte gegen die Kündigung und erhob alternativ hohe Abfindungsforderungen. Der Arzt nahm sich einen Anwalt. Da die MFA aufgrund einer Behinderung besonderen Kündigungsschutz genoss, zog sich der Rechtsstreit über zwei Instanzen. Am Ende musste der Arzt nicht nur eine Abfindung, sondern auch die Gerichtskosten aus eigener Tasche bezahlen. Denn eine Rechtsschutzversicherung für Arbeitgeber besaß der Niedergelassene leider nicht.

Für Niedergelassene mit mehr als zehn Mitarbeitern ist eine solche Police aber quasi Pflicht. Bei Betrieben dieser Größenordnung greift nämlich automatisch das Kündigungsschutzgesetz. Doch auch in Praxen mit weniger Mitarbeitern sollte man sich gegen arbeitsrechtliche Prozesse wappnen. So gilt in manchen Fällen ein besonderer Kündigungsschutz der Mitarbeiter: Beispielsweise bei Arbeitnehmern mit Schwerbehinderten-Status, Schwangeren oder Auszubildenden. Aber auch Formfehler in der Kündigung oder der Streit um Formulierungen im Arbeitszeugnis können für Arbeitgeber zur juristischen Falle werden. Oft landen solche Streitigkeiten dann vor Gericht.

Frühzeitig Versicherungsschutz abschließen

Bei der Wahl der passenden Versicherung gilt es allerdings genau hinzuschauen, denn nicht jede Police hält, was die Werbung des Versicherers verspricht. Gerade Ärzte brauchen einen auf ihre Tätigkeit abgestimmten Rechtschutz. Bei einem angestellten Mediziner tun sich schließlich ganz andere arbeitsrechtliche Fragen auf als bei einem Niedergelassenen.

Wichtig ist es außerdem, den Vertrag frühzeitig abzuschließen. Tritt der Schadensfall ein, ist es zu spät, dann bleibt der Arzt auf den Kosten sitzen. Denn direkt nach Vertragsschluss zum Anwalt, das geht nicht. Wer Leistungen seiner Rechtsschutzversicherung in Anspruch nehmen möchte, muss in der Regel drei bis sechs Monate warten. Meistens sind Fälle, bei denen der juristisch relevante Schaden vor Vertragsabschluss eingetreten ist, von der Versicherung ausgeschlossen.

Bei den meisten Versicherern muss man sich außerdem sehr genau überlegen, ob sich der juristische Streit lohnt. Viele Policen beinhalten ein außerordentliches Kündigungsrecht nach einem Schadensfall. Vor allem, wer schon wenige Monate nach Vertragsabschluss vor Gericht zieht, muss damit rechnen, dass der Versicherer ihm nach dem ersten Rechtsstreit kündigt. Ist der Arzt aus einem Vertrag geflogen, muss er für eine neue Police oft deutlich mehr bezahlen. Oder bekommt gar keine mehr.

Werfen Sie bei der Wahl des Versicherers auch einen prüfenden Blick auf die Deckungssumme. Sie markiert die Höchstgrenze, bis zu der der Versicherer zahlt. Sie sollte bei mindestens 250.000 Euro liegen.

Für Niedergelassene bietet sich oft eine Kombi-Versicherung an. Diese umfasst dann nicht nur den arbeitsrechtlichen Schutz, sondern deckt auch andere Rechtstreitigkeiten ab, die im Zusammenhang mit der Praxis entstehen können (Verkehrsrecht, Vertragsrecht, Steuerrecht u.ä.) Ein entsprechender Praxis-Rechtschutz kommt den Arzt häufig günstiger als einzelne Verträge für jeden Bereich. Bei angestellten Ärzten ist es häufig genau andersrum: Sie bezahlen bei „Rundum-Sorglos-Paketen“ oft Versicherungen mit, die sie nicht brauchen. Lassen Sie im Zweifelsfall von einem unabhängigen Fachmann beraten und holen Sie unbedingt auch mehrere Angebote ein.

Wichtig zu wissen: Bevor Sie einem Anwalt das Mandat erteilen, sollte dieser sich von der Versicherung bestätigen lassen, dass die Kosten übernommen werden. Klagen, die von Anfang an keine Aussicht auf Erfolg haben, muss nämlich keine Versicherung bezahlen. Achten Sie darauf, dass Ihr Vertrag einen so genannten Stichentscheid enthält. Bei unklarer Rechtslage entscheidet dann der Anwalt, wie gut die Erfolgsaussichten sind.

So sparen Sie bei der Versicherung

Für Niedergelassene können Arbeitsrechtsschutzversicherungen ganz schön teuer werden. Sie haben aber durchaus Möglichkeiten, die Prämien ein wenig zu senken:

Eigenleistung: Viele Versicherer bieten die Möglichkeit an, einen Selbstbehalt zu vereinbaren. Je höher der ausfällt, desto größer die Ersparnis bei der monatlichen Prämie.

Schadenfreiheitsrabatt: Ähnlich wie bei der Kfz-Versicherung bieten auch manche Rechtsschutzversicherer Schadenfreiheitsrabatte, wenn der Kunde eine gewisse Zeit lang keinen juristischen Beistand braucht.

Sofort zahlen: Wer seine Beiträge monatlich oder quartalsweise überweist, muss meistens Gebühren beziehungsweise Zinsen zahlen. Billiger wird es mit einer jährlichen Einmalzahlung.

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Author's imageSteven OhleProduktmarketing bei HDI Vertriebs AG

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