Vergessene Testamente

So geht kein letzter Wille mehr unter

Das Zentrale Testamentsregister ist beschlossen. Die Folge: die umfassendste Reform des „Benachrichtigungswesens in Nachlasssachen“ und die Stärkung der Testierfreiheit des Einzelnen.

Damit im Sterbefall das Nachlassgericht schnell und vor allem richtig entscheiden kann, muss es wissen, welche Urkunden den letzten Willen des Erblassers enthalten. Bislang gab es dafür „gelbe Karteikarten“, die bei den mehr als 5.000 Geburtsstandesämtern in Deutschland verwaltet werden. Solche Karteikarten wurden immer dann ausgefüllt und versandt, wenn bei einem Notar ein Testament errichtet oder ein Erbvertrag geschlossen wurde beziehungsweise ein handschriftliches Testament in die besondere amtliche Verwahrung des Amtsgerichts gelangte.

Ein neues Testamentsregister beendet diese Zettelwirtschaft nun. Ab 2012 registriert die Bundesnotarkammer zentral alle erbfolgerelevanten Urkunden digital. Im Sterbefall werden sowohl das zuständige Nachlassgericht als auch die Stelle, in dessen Verwahrung sich der letzte Wille befindet, sofort elektronisch informiert. Zudem können Notare bei der Testamentsgestaltung und -errichtung dann noch besser beraten, weil ihnen mehr Informationen zur Verfügung stehen: Notare können das Zentrale Testamentsregister wie Gerichte abfragen, um etwaige Vorurkunden zu ermitteln, die etwa die Testierfreiheit einschränken.

Registriert werden nur solche erbfolgerelevanten Urkunden, die von einem Notar errichtet worden sind oder sich in gerichtlicher Verwahrung befinden. Für privatschriftliche Testamente, die daheim liegen, besteht keine Registrierungspflicht oder -möglichkeit. Rein private Urkunden kommen daher zur Regelung eines Erbfalls nur in Betracht, wenn auch deren Aufbewahrung und Ablieferung im Sterbefall zuverlässig privat organisiert werden können. Notargebühren werden ohnehin vielfach überschätzt: Ein notarielles Testament kostet bei 50.000 Euro Nachlasswert gerade mal 132 Euro plus Umsatzsteuer. Die Gebühr umfasst sämtliche Beratungsleistungen des Notars, die Entwurfserstellung und die Beurkundung.

A&W-KOMPAKT

 

Die 15 bis 20 Millionen …
… schon vorhandenen gelben Karteikarten werden nach und nach digitalisiert. Damit soll ein Vollbetrieb des Registers binnen sechs Jahren erreicht werden. Ab 2012 werden neue erbfolgerelevante Urkunden ausschließlich bei der Bundesnotarkammer registriert. Bis zur vollständigen Überführung der bestehenden Karteikarten wird ein Sterbefall sowohl vom Testamentsregister als auch vom zuständigen Standesamt, das die gelben Karteikarten des Erblassers führt, überprüft. Die Registrierung wird voraussichtlich einmalig 15 Euro pro Erblasser kosten.

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