Reise- und Fortbildungskosten

So macht der Fiskus mit

Reisekosten sorgen immer wieder für Streit mit dem Fiskus, der mit Argwohn reagiert. Und bei der nächsten Betriebsprüfung dann das Dilemma. Oder – gewusst wie – eben nicht.

Damit ein Niedergelassener Fortbildungs- und Reisekosten steuerlich geltend machen kann, muss der Anlass mehr beinhalten als eine Fortbildung des allgemeinen Wissens. Dann unterstellt der Fiskus sofort private Interessen und der Betreffende bleibt auf den vollen Kosten sitzen. Entscheidend ist das Veranstaltungsprogramm. Ermöglicht es, einen erheblichen Teil der Reisezeit frei zu gestalten, wird die steuerliche Anerkennung schnell versagt. Betriebsprüfer prüfen deshalb auch die Abrechnung der privaten Kreditkarte und versuchen so, einen privaten Reiseanlass zu konstruieren.

Beispiel: Ein Arzt fährt mit seinem Praxiswagen zu einem zweitägigen Kongress. Eine Hotelübernachtung mit Frühstück wird deshalb notwendig. Der Kongressbesuch ist eindeutig betrieblich veranlasst. Also können Fahrtkosten, Verpflegungsmehraufwendungen, Übernachtungskosten und Reisenebenkosten angesetzt werden.

Da der Arzt mit seinem Praxis-PKW reist, sind die Fahrtkosten mit der Buchung der laufenden Kfz-Kosten, wie Abschreibung, Treibstoff, Reparaturen et cetera schon erfasst. Fährt er dagegen mit einem Privatwagen, kann er entweder die Aufwendungen mit den einzeln nachgewiesenen Kosten je Kilometer berücksichtigen, oder er setzt je gefahrenen Kilometer pauschal 0,30 Euro an.
Bei den Verpflegungsmehraufwendungen gelten Pauschalen. Deshalb ist es unserem Beispiel-Arzt auch nicht möglich, seine Mittag- und Abendessen dem Fiskus in Rechnung zu stellen. Freilich: Trotz alledem können auch Bewirtungskosten absetzbar sein: 70 Prozent des Rechnungsbetrages lässt der Fiskus als Betriebsausgabe zu, so der Arzt Personen aus geschäftlichem Anlass bewirtet.

Mit der Hotelrechnung lassen sich die Übernachtungskosten nachweisen. Das Frühstück ist aber bereits durch die Verpflegungspauschalen abgegolten. Schlüsselt die Hotelrechnung nicht zwischen Übernachtungs- und Frühstückskosten auf, müssen für das Frühstück pauschal 4,50 Euro abgezogen werden.

Als Reisenebenkosten können alle ­zusätzlichen Aufwendungen geltend ­gemacht werden, die durch die Geschäftsreise entstehen: Parkplatzgebühren, Telefon, Fax et cetera. Die Kosten für beruflich benötigte Literatur können unabhängig von der Teilnahme an einer Bildungsmaßnahme als Betriebsausgaben abgesetzt werden – sofern die Quittungen die Titel der Bücher enthalten.


A&W-Doku

Vorsicht, das macht die Fortbildung privat
Der Fiskus prüft neben dem Fortbildungsprogramm der Veranstaltung auch andere Kriterien. Sobald eines der folgenden Merkmale vorliegt, unterstellt er einen privaten Anlass:

– Es reisen Personen mit, bei denen es für die Reise keine berufliche Veranlassung gibt. Ehegatten, Lebensgefährten oder andere Familienangehörige müssen entweder in der Praxis beschäftigt sein oder in einer besonderen Funktion (etwa als Über
setzter) an der Fortbildung teilnehmen, damit die steuerliche Anerkennung gewährt wird.

– Der Veranstalter ist ein Reiseunternehmen.

– Der Teilnehmerkreis einer Gruppenreise oder Fortbildungsveranstaltung setzt sich nicht überwiegend aus Berufskollegen zusammen.

– Das Fortbildungsprogramm weist unüblich lange Mittagspausen auf. Der Abend hingegen kann vollständig touristischen Interessen gewidmet sein, ohne dass die steuerliche Abzugsmöglichkeit verloren geht.

– Einzelne Reisetage stehen zur freien Verfügung. Hierbei zählen auch Sonn- und Feiertage mit. Die Reise beinhaltet besonders viele Feiertage und Wochenenden, an denen touristische Ziele besucht werden. Werden diese allerdings als reine Ruhetage deklariert, lässt dies dagegen nicht unbedingt auf private Reisemotive schließen.

– Die Anreise zur Fortbildung erfolgt durch Beförderungsmittel, welche der Erholung dienen und zeitaufwändiger und kostspieliger sind als übliche – etwa per Schiff.

– Die Fortbildungsveranstaltung selbst findet auf einem kostspieligen Beförderungsmittel statt, das auch der Erholung dienen könnte, etwa bei einer Schiffsreise.

– Das Fortbildungsprogramm ist nicht auf die besonderen beruflichen Bedürfnisse eines Teilnehmerkreises beschränkt. Besonders Fortbildungsbereiche, welche eher der Bildung oder Allgemeinbildung zugeordnet werden könnten, beurteilt der Fiskus sehr kritisch.

– Im Rahmen der Fortbildung oder Studienreise findet ein häufiger Ortswechsel statt, der sachlich nicht geboten ist.

– Im Rahmen einer Studienreise werden überwiegend beliebte touristische Ziele besucht.

– Die Fortbildung wird mit einem Privataufenthalt verbunden.

– Vor oder nach der Fortbildung wird ein Urlaubsaufenthalt angefügt.

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