So rechnet sich’s auch steuerlich!

Welche steuerlichen Konsequenzen ergeben sich für die zukünftigen Gesellschafter eines MVZ?

Sollen etwa Arztpraxen in ein Medizinisches Versorgungszentrum eingebracht werden, stellt sich auf Seiten des einbringenden Arztes die Frage, ob durch diesen Vorgang eine Besteuerung der so genannten stillen Reserven ausgelöst wird. Solche liegen in der Regel im Praxiswert. Stille Reserven sind in der Regel die Differenz zwischen dem tatsächlichen Verkehrswert des Vermögens und seinem steuerrechtlichen Buchwert. Insoweit stellt sich die Frage, ob eine Einbringung zu steuerlichen Buchwerten steuerneutral durchgeführt werden kann. Zu beachten ist hierbei, dass eine Einbringung vor dem Hintergrund der Rechtsform des MVZ (zumeist GbR oder GmbH) zu betrachten ist. Auch wenn die Einbringung einer Arztpraxis in eine GmbH im Einzelfall an den Schranken des geltenden Berufs- und Zulassungsrechts scheitern könnte, sieht zumindest das Umwandlungssteuerrecht für beide Fälle Lösungen vor, die eine steuerneutrale Einbringung ermöglichen. Allerdings sollten diese Vorgänge fachlich sorgfältig vorbereitet und umgesetzt werden, damit sowohl die steuerrechtlichen als auch die berufs- und zulassungsrechtlichen Voraussetzungen erfüllt werden.

Praxis veräußern oder aktiv weiterrackern? Bei der Gründung eines MVZ stellt sich gerade älteren Ärzten häufig die Frage, ob es sich nicht vielmehr lohnt, die Praxis aufzugeben und zu veräußern, um entweder in den Ruhestand zu gehen oder gegebenenfalls noch einige Zeit als angestellter Arzt im MVZ weiterzuarbeiten. Eine solche Entscheidung kann steuerlich vorteilhaft sein: Jeder Freiberufler kann einmal in seinem Leben eine besondere Steuerbegünstigung in Anspruch nehmen. Veräußerungsgewinne können auf Antrag mit einem ermäßigten Steuersatz besteuert werden, wenn der Steuerpflichtige sein 55. Lebensjahr vollendet hat. Der ermäßigte Steuersatz beträgt grundsätzlich 56 Prozent seines durchschnittlichen Steuersatzes. Zudem mindert sich der steuerpflichtige Veräußerungsgewinn um einen Freibetrag von maximal 45.000 Euro. Dieser ermäßigt sich aber auch um den Betrag, der einen Veräußerungsgewinn von 136.000 Euro übersteigt. Der rechtzeitige Verkauf der Praxis an ein MVZ kann daher zwei Vorteile haben: Zum einen kann eine finanziell lohnende Praxisnachfolge auch dann noch realisiert werden, wenn kein junger Kollege die Praxis übernehmen will oder zumindest keiner der Interessierten bereit oder in der Lage ist, den geforderten Kaufpreis zu zahlen. Zum anderen können die Steuervorteile aus dem Praxisverkauf genutzt werden, wenn zum Zeitpunkt der Praxisveräußerung das 55. Lebensjahr vollendet ist.

Sonderfall, wenn eine Klinik beteiligt ist! Ist eine gemeinnützige Krankenhaus GmbH an der Gründung eines MVZ beteiligt, ist zu beachten, dass sie ihre Mittelverwendungsverpflichtung nach der Abgabenordnung nicht verletzt, da sie ansonsten ihren Status der Gemeinnützigkeit insgesamt gefährdet. Eine gemeinnützige Gesellschaft darf ihre erwirtschafteten Mittel ausschließlich für die in der Satzung festgelegten Zwecke verwenden. Bei der Beteiligung an einem MVZ hat eine gemeinnützige Krankenhaus GmbH daher darauf zu achten, dass bei der Übernahme des Stammkapitals, der Gewährung von Darlehen oder Bürgschaften oder anderer Sicherheiten et cetera ausschließlich finanzielle Mittel eingesetzt werden, die aus freien Rücklagen oder sonstigen nicht zeitnah zu verwendenden Mitteln stammen. Allerdings ist sicherzustellen, dass diese finanziellen Mittel nicht dauerhaft dem gemeinnützigen Bereich entzogen sind. Wird dem MVZ Vermögen (etwa Räumlichkeiten) zur Nutzung gegen angemessenes Entgelt überlassen, darf auch hier die Mittelverwendungsverpflichtung nach der Abgabenordnung nicht verletzt werden. Es sollte sichergestellt sein, dass dieses Vermögen nicht aus zeitnah zu verwendenden Mitteln, sondern aus freien Rücklagen oder nicht zeitnah zu verwendenden Mitteln finanziert worden ist. Wenn das überlassene Vermögen eine wesentliche Betriebsgrundlage einer MVZ-GmbH darstellt, ist zudem zu prüfen, ob nicht zwischen der MVZ-GmbH und der gemeinnützigen Krankenhaus-GmbH die Grundsätze einer steuerrechtlichen Betriebsaufspaltung erfüllt werden. Dies hätte die logische Konsequenz, dass das überlassene Vermögen und die Beteiligung an der MVZ-GmbH einem steuerpflichtigen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb der gemeinnützigen Krankenhaus- GmbH zuzuordnen wäre. Bei einer späteren Veräußerung dieser Vermögensteile würden die aufgedeckten stillen Reserven dann auch einer Besteuerung in diesem wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb zugeführt.

Wie ist der laufende Betrieb eines MVZ steuerrechtlich einzuordnen?

Wird das MVZ in der Rechtsform einer GmbH betrieben, erzielt es in vollem Umfang Einkünfte aus Gewerbebetrieb. Die GmbH als eigenes Steuersubjekt unterliegt mit ihrem Gewinn dabei einer Körperschaftsteuer von 25 Prozent, einem Solidaritätszuschlag von 5,5 Prozent auf die Körperschaftsteuer und je nach kommunalem Gewerbesteuer-Hebesatz einer Gewerbesteuer von etwa 16 bis 19 Prozent. Allerdings wird die Gewerbesteuerbelastung des MVZ bei der Bemessungsgrundlage der Körperschaftsteuer gekürzt, so dass es insoweit nicht zu einer vollen Doppelbesteuerung kommen wird.

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Author's imageJürgen VeitLeiter Kommunikation D-A-CH bei CompuGroup Medical Deutschland AG

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