Leichenschau

So vermeiden Sie juristischen Ärger nach der Leichenschau

Jeden Tag sterben in Deutschland rund 2.600 Menschen. Bei jedem Einzelnen muss eine ärztliche Leichenschau durchgeführt werden. Dafür sind auch alle niedergelassenen Ärzte in der Pflicht. Was Praxisinhaber bei einer Leichenschau alles beachten müssen.

Wenn der Anruf kommt, sollte es schnell gehen. Denn die deutschen Bestattungsgesetze schreiben vor, dass eine ärztliche Leichenschau unverzüglich stattfinden muss. Diese Gesetze sind zwar Ländersache, so dass es je nach Bundesland Abweichungen geben kann. Doch für alle Ärzte gilt prinzipiell, folgende Punkte bei einer Leichenschau abzuklären:

  • Tod
  • Todeszeitpunkt
  • Todesursache
  • Todesart
  • Personalien

Die erste und wichtigste Aufgabe ist die Diagnosestellung tot oder reanimationsfähig. Um gegebenenfalls noch Reanimationsmaßnahmen einleiten zu können, sollten sich Ärzte am besten gleich auf den Weg machen. So heißt es in den Berliner Bestattungsgesetzen: „Jeder niedergelassene Arzt ist verpflichtet, die Leichenschau auf Verlangen vorzunehmen, sofern er nicht aus wichtigem Grund daran gehindert wird.“ Ein wichtiger Grund ist, wenn der Arzt einen anderen Notfall behandelt. Dann muss er aber sofort eine Vertretung für die Leichenschau organisieren.

Eine Leichenschau verweigern können Ärzte dann, wenn Todesfälle im Zusammenhang mit ärztlichen Maßnahmen stehen und die Leichenschau sie in die Gefahr bringen würde, wegen einer Straftat verfolgt zu werden.

In Baden-Württemberg, Bayern, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein und in manchen Teilen Sachsen-Anhalts sind auch Ärzte im Rettungsdiensteinsatz von der Leichenschau befreit. Ihre Pflicht beschränkt sich auf die Feststellung des Todes.

Wo findet eine Leichenschau statt?

Sie sollte am Auffindort der Leiche stattfinden. Allerdings muss der Platz für eine Leichenschau geeignet sein. Ist die Beleuchtung schlecht oder liegt die Leiche auf einem öffentlichen Platz mit vielen Menschen, kann der Arzt auch nur den Tod feststellen und die Leichenschau später an einem passenden Ort durchführen.

Muss eine Leiche immer entkleidet werden?

Laut den Bestattungsverordnungen muss eine Leichenschau an der vollständig entkleideten Leiche durchgeführt werden. Dabei müssen Ärzte persönlich alle Körperregionen einschließlich aller Körperöffnungen, des Rückens und der behaarten Kopfhaut untersuchen. Verbände und Pflaster sind abzumachen. Ärzte, die eine Leiche nicht entkleiden, begehen eine Ordnungswidrigkeit. Ausnahmen von der Entkleidungsvorschrift: Die Leiche liegt im Freien oder der Arzt sieht sofort, dass es sich nicht um einen natürlichen Tod handelt beziehungsweise stellt dies während des Entkleidens fest. Dann muss er sogar jede Veränderung der Leiche sofort unterlassen und die Polizei verständigen.

Sorgfältige Untersuchung

Wichtig ist eine gute Beleuchtung, am besten Tageslicht. Die Farbe der Totenflecke kann zum Beispiel bei Intoxikationen vom normalen Aussehen abweichen, was bei künstlicher Beleuchtung nur schwer erkennbar ist. Zur Feststellung des Todes muss dann mindestens eines der sicheren Todeszeichen vorhanden sein: Totenflecke, Totenstarre, Fäulnis, Körperverletzungen, die mit dem Leben unvereinbar sind. Falls kein sicheres Todeszeichen nachweisbar ist, müssen Ärzte die Leichenschau später wiederholen.

Eingrenzung der Todeszeit

Zur Schätzung eignen sich frühe Leichenerscheinungen wie Totenflecke, Totenstarre und Abkühlung, späte Zeichen wie Fäulnis und Verwesung oder die Prüfung supravitaler Reaktionen. Grundsätzlich sollten Leichenschauärzte bei der Eingrenzung der Todeszeit zurückhaltend sein. Es empfiehlt sich eine Zeitspanne anzugeben oder den Zusatz „ungefähr“ zu ergänzen.

Darstellung der Todesursache

Auf der Todesbescheinigung muss neben der Todesursache auch eine mindestens dreigliedrige Kausalkette angegeben werden wie Arteriosklerose, Koronararteriensklerose, Myokardinfarkt. Fällt ein Todesfall unter das Infektionsschutzgesetz, ist er meldepflichtig. Der Leichenschauarzt sollte unverzüglich, spätestens innerhalb von 24 Stunden, das Gesundheitsamt informieren.

Häufigster Irrtum: Klassifizierung der richtigen Todesart

Es gibt drei Arten: natürlicher Tod, nicht natürlicher Tod, ungeklärte Todesart. Wichtig: Die medizinische Todesursache ist nicht mit der juristischen Einordnung der Todesart gleichzusetzen.

Der natürliche Tod ist aufgrund einer lebensbedrohlichen Erkrankung oder altersbedingt eingetreten. Es dürfen keine Ereignisse vorliegen, die die natürliche medizinische Kausalkette beeinflusst haben könnten.

Beim nicht natürlichen Tod gibt es ein von außen einwirkendes Ereignis wie Tötung durch fremde Hand, Suizid, Unfall. Es zählt aber auch ein Sturz mit Oberschenkelfraktur mit stationärer Behandlung und Tod durch Pneumonie nach zehn Tagen dazu.

Todesfälle unter Injektionen, Infusionen und Transfusionen sollten stets als unklare Todesart bewertet werden. Bei unklarer oder nicht natürlicher Todesart muss der Arzt die Polizei verständigen. Die Polizei muss auch informiert werden, wenn es sich um einen unbekannten Toten handelt.

Zweiteilige Todesbescheinigung

Am Ende der Leichenschau steht die Todesbescheinigung. Sie ist in zwei Teile gegliedert. Den nicht vertraulichen Teil müssen Ärzte sofort ausfüllen, er bleibt bei den Hinterbliebenen oder dem Leichnam. Der vertrauliche Teil, der eine Beschreibung des klinischen Befundes enthält, kann auch später geschrieben werden.

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