Steuern

Steuerflucht lohnt nicht (mehr)

Genug Gründe, Geld im Ausland anzulegen. Und dort Steuern zu sparen. Seriöse und unseriöse. Das ist teuer und wenig ertragreich. Dazu verschärft der deutsche Fiskus stetig die Fahndung.

Das wirkliche Businessmodell ist der Handel mit Informationen zu Schwarzgeld. 104 Millionen Dollar zahlte die US-Steuerbehörde dem ehemaligen UBS-Banker Bradley Birkenfeld, der dafür entscheidende Hinweise über die Steuerpraktiken gab, mit denen die Großbank US-Bürgern half, ihr Vermögen vor dem Fiskus zu verbergen.

Nicht nur die USA üben massiven Druck auf die Schweiz und andere Steueroasen aus. Auch die deutsche Regierung lässt in ihren Bemühungen bei der Verfolgung von Steuerhinterziehern nicht nach. Denen raten erfahrene Steuerberater deshalb zur Selbstanzeige. Geständigen Steuerzahlern gegenüber zeigen sich die Finanzämter relativ gnädig. Steuerberater wissen aus Erfahrung, wie erstaunt manche Mandanten sind, wenn sie feststellen, dass die Steuern, die sie hätten berappen müssen, häufig niedriger sind als die Gebühren, die sie an ausländische Geldinstitute gezahlt haben.

Eklatant der Fall von Gebührenschinderei, den ein Leser Arzt & Wirtschaft jüngst mitteilte. Er führt zusammen mit seiner Frau ein Konto bei einer Schwei- zer Bank, auf dem sich über Jahrzehnte inzwischen sieben Millionen Franken angesammelt haben. Mit Argumentationshilfe aus der A&W-Redaktion gerüstet, konnte er den eidgenössischen Bankberater in einem langen Telefonat überzeugen, dass die Gebühren zu hoch waren. Das brachte ihm immerhin 120.000 Franken Ersparnis. Auch beim Kauf und Verkauf von Aktien nahm seine Bank zwei Prozent Gebühren. Direktbanken hierzulande begnügen sich mit fünf Euro.

Zusätzlich zu den hohen Gebühren fallen 35 Prozent Quellensteuer auf die Dividende von Schweizer Aktien an. In Deutschland sind es 25 Prozent Abgeltungssteuer. Wer sein Depot in der Schweiz offiziell führt, kann sich die Abgaben aber zum Teil zurückholen. In Deutschland werden von den 35 Prozent maximal 15 angerechnet, bleiben also die 25 Prozent Abgeltungssteuer plus 20 Prozent Schweizer Quellensteuer. Diese 20 Prozent gibt die Schweiz auf Antrag zurück. Auch andere Länder (siehe Tabelle) erstatten einen Teil der Quellensteuer.

Die Einsparmöglichkeiten bei Steuern sind in den vergangenen Jahren weiter geschrumpft. Früher boten geschlossene Auslandsimmobilienfonds interessante Möglichkeiten, wenn sie in Ländern aufgelegt waren, mit denen Deutschland ein Doppelbesteuerungsabkommen abgeschlossen hat. Vor allem Holland und Großbritannien lockten mit hohen Freibeträgen, die die Abgaben minderten. Sie fielen allerdings den dortigen Sparmaßnahmen zum Opfer. Auch offene Immobilienfonds, die steuersparend im Ausland investieren, sind keine Alternative mehr.

Wer mit seinem Geld dagegen im Land bleibt, findet beim Denkmalschutz attraktive Abschreibungsmöglichkeiten. So dürfen Investoren, die die Immobilie vermieten wollen, zwölf Jahre lang den gesamten Sanierungsanteil am Baudenkmal abschreiben. Eigennutzern gesteht das Gesetz eine Frist von zehn Jahren zu. Allerdings gibt es dabei einige Punkte zu beachten. Dazu gehört die enorme Preissteigerung bei Immobilien, durch die ein Projekt schnell unrentabel wird, weil realistisch veranschlagte Mieten zu hoch werden.

Investoren, die sich an einem Projekt beteiligen, sollten das Angebot auf Herz und Nieren prüfen: Wer sind Initiator und Bauträger? Wie sieht die Erfolgsbilanz aus? Wie gut ist die Bausubstanz? Wie sieht der Mietspiegel aus? Sind die Provisionen bekannt und ist die persönliche Situation gewürdigt, hat der Fachanwalt seine Zustimmung gegeben, steht dem legitimen Steuersparmodell nichts mehr im Weg.

So manchen Anleger schmerzen noch die Verluste aus der Krisenvergangenheit. Hat er diese beim Finanzamt deklariert, kann er sie bis Ende 2013 gegen inzwischen hoffentlich eingenommene Gewinne gegenrechnen lassen. Auch Steuerzahlern, die ihre Verluste noch nicht haben feststellen lassen, erlaubt der Bundesfinanzhof eine nachträgliche Deklaration. Dann können sie ihre Verluste bis Ende 2013 geltend machen. Allerdings dürfen Spekulationsverluste nicht mit Zins- oder Dividendenerträgen verrechnet werden, auch nicht mit anderen Einkünften, sondern nur mit Spekulationsgewinnen. Diese Regelung gilt aber ausschließlich für solche Verluste, die bis Ende des Jahres 2008 entstanden sind. Bleibt etwa in diesem Jahr aus allen Kapitalanlagen ein Verlust übrig, darf er zeitlich unbeschränkt in die Zukunft vorgetragen und später mit Gewinnen aus Kapitalerträgen verrechnet werden. Die Ausnahme von der Regel: Aktienkäufer dürfen ihre Verluste nur mit Gewinnen aus Aktienverkäufen ausgleichen.

Clevere Steuerberater haben noch einen weiteren Tipp für Anleger, die Depotkonten bei verschiedenen Banken führen. Weist eins von beiden rote Zahlen auf und hat sich auf dem anderen ein Gewinn angesammelt, rechnet der Fiskus beide gegeneinander auf. Voraussetzung ist, der Inhaber des Verlustkontos hat sich bei seiner Bank eine Verlustbescheinigung geholt, die er dem Finanzamt vorlegen kann. Führt ein Bankkunde mehrere Depots bei einer Bank, nimmt die Bank die depotübergreifende Verlustverrechnung ohne Antrag vor. Diese Regelung gilt auch für Ehepaare, die bei ihrer Bank einen gemeinsamen Freistellungsauftrag einreichen.

 

A&W-TIPP

Kapitalanleger, …
… die im Ausland Depots unterhalten, führen bei den dortigen Banken Quellensteuer auf Kapitalerträge ab. Zusätzlich fällt für sie und ihre Kapitaleinkünfte in Deutschland aber die Abgeltungssteuer an. Damit die Steuerlast in solchen Fällen erträglicher wird, erstatten viele Länder einen Teil der Abgaben auf Antrag wieder zurück. In Deutschland werden maximal 15 Prozent angerechnet.

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