Versorgungswerke

Versorgungswerke: Streit im Leistungsfall

Die Bedingungen der Versorgungswerke bei der Berufsunfähigkeit (BU) sind zwar streng, aber im Leistungsfall sind Lebensversicherer und Rentenversicherung viel restriktiver.

Bei Berufsunfähigkeit (BU) bieten die Ärzteversorgungen bekanntlich uneingeschränkten Berufsschutz. Gemeint: Im BU-Falle wird eine Verweisungstätigkeit außerhalb des ärztlichen Berufsbildes den Mitgliedern nicht zugemutet. Indes: Dass die Abdeckung des Berufsunfähigkeitsrisikos durch die Versorgungswerke nicht ausreicht, ist unumstritten. Die Ärzteversorgung zahlt bei Berufsunfähigkeit erst, wenn eine hundertprozentige Berufsunfähigkeit als Arzt vorliegt. Wenn er in der Lage ist, „irgendeine ärztliche Tätigkeit“ auszuüben, gibt es nichts. Ein Hausarzt erhält also keine BU-Bezüge, wenn er aus gesundheitlichen Gründen seine Praxis aufgeben muss, aber als angestellter Arzt und Gutachter weiter tätig sein könnte.

Zwar gibt es einzelne Härtefall-Regelungen und bei dem Versorgungswerk Trier dürfen sogar noch geringfügige Einkünfte trotz voller BU erzielt werden. Aber per Saldo sind die Regelungen sehr hart. Es kursiert das böse Bonmot „Man muss schon mit dem Kopf unterm Arm rumlaufen …“. Hintergrund: Altersrente hat Priorität. Zudem will man den internen Rechnungszins von derzeit vier Prozent unbedingt halten. Was in der derzeitigen Kapitallage schwer ist. „Um dieses Ziel zu erreichen, muss man an vielen Stellschrauben drehen“, sagt Geschäftsführer Peter Hartmann von der Arbeitsgemeinschaft berufständischer Versorgungswerke (ABV). Eine dieser Stellschrauben könnte die rigide BU-Regelung sein.

Die Lebensversicherer springen gerne in die Bresche. Weil sie die totale Praxisaufgabe nicht verlangen und nur bestimmte BU-Grade versichern. Aber: Wenn es um die Leistungen geht, wird bei ihnen jetzt noch genauer geprüft als noch vor fünf oder zehn Jahren. Die Kunden müssen eine Berufsunfähigkeit heute akribischer nachweisen denn je. Vier von zehn Anträgen scheitern. Zunächst fahnden die Versicherer pingelig nach Falschangaben im Antrag. Der zweite Prüfstein ist die BU-Begründung im Leistungsfall. Und da ist die Grauzone groß. Vor allem im psychischen und orthopädischen Bereich. Die eindeutig medizinischen Sachverhalte sind in der Minderzahl. Das Hickhack ist vorprogrammiert. „Der Leistungsfall ist strittig wie nirgends sonst“, sagen Verbraucherschützer.

Fakten, die zählen

■ In der Rentenversicherung werden rund 50 Prozent der BU-Anträge abgelehnt.

■ Die Lebensversicherer regulieren zusehends kleinlicher (Ablehnungsquote rund 40 Prozent).

■ Bei den Versorgungswerken beträgt die Ablehnungsquote nur ca. 20 Prozent.

■ Bei den Medizinern treten die meisten BU-Fälle nach dem 60. Lebensjahr auf.

■ Wer BU-Rente beantragt, soll wirklich aussagekräftige ärztliche Unterlagen einreichen, aus denen Art, Umfang und Auswirkungen der Erkrankung auf die ärztliche Tätigkeit ersichtlich sind.

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