Probleme erkennen und abwenden

Finanzielle Krise in der Arztpraxis: Therapiekonzept statt Pflaster

Aus heiterem Himmel kommt sie in aller Regel nie. Im Gegenteil: Die finanzielle Krise schleicht sich oftmals Schritt für Schritt in den beruflichen Alltag ein. Betroffene Ärzte lassen die Situation aber oft viel zu lang gären. Ignorieren ist bei einer finanziellen Krise jedoch das falsche Rezept.

Die Bonität von Ärzten und anderen Freiberuflern gilt generell als gut. Trotzdem können bei der Finanzierung der Arztpraxis Probleme auftreten. Das allein sorgt meist noch nicht für existenzielle Probleme. Viel häufiger sind praxisferne Faktoren Auslöser für ein belastendes finanzielles Risiko. Eine längere Krankheit oder die Ehescheidung sind typische Krisenfaktoren. Auch zu hohe Privatentnahmen oder gar übersteigertes Konsumverhalten können zu Problemen führen.

Ärzte verdrängen finanzielle Probleme

Tauchen wirtschaftliche Probleme in einer Arztpraxis auf, lassen sich oft die gleichen Reflexe ausmachen: Verdrängen, Verschweigen, Verweigern. Ignorieren ist bei einer finanziellen Krise jedoch das falsche Rezept; hier und da ein Pflästerchen zu verteilen, hilft nicht nachhaltig auf dem Weg zurück in die Rentabilität. Allerdings ist es schwierig zu unterscheiden, wann es sich nur um eine kurze Durststrecke handelt und wann ein existenzielles Risiko die Praxis bedroht.

Erste Alarmzeichen sind beispielsweise eine große Konkurrenz vor Ort, fast ausschließlich gesetzlich versicherte Patienten, eine knapp gerechnete Fremdfinanzierung der Arztpraxis oder zu niedrige Rücklagen. Kommen mehrere Faktoren zusammen, sollte bereits ein betriebswirtschaftlicher Gegenentwurf skizziert werden.

Rechnungen können nicht mehr bezahlt werden

Denn wenn es schwierig wird, Rechnungen zu bezahlen, das Geschäftskonto überzogen wird oder Privatkredite zu hohen Zinsen aufgenommen werden müssen, ist bereits die nächste Warnstufe erreicht. In dieser Phase ist jeder einzelne Faktor der nächste Schritt auf dem Weg zur tiefgreifenden Krise. Am Ende ist gar kein Spielraum mehr für Entnahmen vorhanden, die Bank stellt sich quer und den Angestellten kann das Gehalt nicht mehr gezahlt werden. Wenn Sie nur kurzfristig eine Flaute verzeichnen, lässt sich dies betriebswirtschaftlich eher abfedern, als wenn die Praxis längerfristig unwirtschaftlich arbeitet.

Das „Prinzip Hoffnung“ sollte allerdings kein Ratgeber in solchen Situationen sein: Je früher Sie das Problem angehen, umso eher können Sie etwas retten. Schauen Sie sich den Status Quo Ihrer Praxis genau an und analysieren Sie:

  • Wie sehen die Arbeitsverträge der Praxis aus, sind die Vergütungen angemessen?
  • Sind Liefer- und Wartungsverträge zu kostenintensiv?
  • Können Kooperationen mit anderen Heilberuflern die Praxis optimieren?
  • Können die Einnahmen erhöht werden – durch mehr Privatpatienten oder durch Gutachtertätigkeiten?
  • Ist ein Umzug an einen anderen Standort sinnvoll?
  • Sollten Forderungen an Verrechnungsstellen abgetreten werden?

Mit einem Experten- beispielsweise einem spezialisierten Steuer- oder Unternehmensberater – kann der Arzt seine Kosten- und Erlösstruktur interpretieren, seine Organisation steuern und seine betriebswirtschaftlichen Daten analysieren. Das Ziel ist, einen längerfristigen Überblick über die Praxisentwicklung zu erhalten und Probleme gar nicht erst aufkommen zu lassen.

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Elter Constanze

Elter Constanze

Journalistin. Autorin. Moderatorin. bei Constanze Elter Steuern – leicht gemacht!

Expertin darin, Steuern in Worte zu fassen. In Hörfunk, Video und Print. Im Internet und in Büchern. Für Fach- und Schulbuchverlage und öffentliche Auftraggeber. Für Steuerkanzleien und Unternehmen.

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