Umfrage

Corona-Stress für Praxismitarbeiter: Bei Tierärzten schlimmer als bei Hausärzten?

Der Verband medizinischer Fachberufe e.V. hat seine Mitglieder zum Alltag in Corona-Zeiten befragt. Ergebnis: Die aktuelle Arbeitssituation wird als besonders stressig empfunden. An der Spitze stehen hier allerdings nicht die MFA, sondern die Tiermedizinischen Fachangestellten.

Seit Beginn der Corona-Pandemie ist der Stress bei Praxismitarbeitern stark angestiegen. Das lässt sich aus einer Online-Umfrage des Verbandes medizinischer Fachberufe e.V. entnehmen. Die Umfrage wurde im Juni unter Angehörigen der vier vom Verband vertretenen Berufe durchgeführt. Dazu gehören die Medizinischen Fachangestellten (MFA), die Zahnmedizinischen Fachangestellten (ZFA), die Tiermedizinischen Fachangstellten (TFA) und die angestellten Zahntechniker und Zahntechnikerinnen.

Mehraufwand belastet Mitarbeiter/innen

Befragt danach, ob sie im Vergleich zu Vor-Corona-Zeiten eine höhere Stressbelastung empfunden haben, antworteten 83 Prozent der TFA mit „ja“. Bei den MFA waren es mit 68 Prozent deutlich weniger. Gefolgt von  ZFA mit 69 Prozent und den Zahntechniker*innen mit 46 Prozent.

Dass der Stress in Tierarztpraxen höher sein soll als in einer Hausarztpraxis überrascht auf den ersten Blick durchaus. Die TFA führten ihn mehrheitlich (55 Prozent) auf ein vermehrtes Patienten- bzw. Arbeitsaufkommen zurück, 19 Prozent sagten, dass besonders der Mehraufwand wegen der Corona-Schutzmaßnahmen Grund für den erhöhten Stress war und knapp 15 Prozent machten dafür ein verändertes Verhalten der Tierbesitzer verantwortlich.

Silke Agus, Referatsleiterin TFA im Verband medizinischer Fachberufe e.V., erklärt die Situation so: „(…) Jeder Zweite an der Umfrage beteiligte TFA gab an, sich Sorgen um eine Infektion mit SARS CoV2 am Arbeitsplatz zu machen. Gleichzeitig schienen viele Menschen ihre Kurzarbeit bzw. den Lockdown zu nutzen, um sich um die Gesundheit ihrer Heim- und Haustiere zu kümmern, was für die Patienten natürlich gut ist. Nur sollten dabei auch von Seiten der Tierhalter*innen die allgemeinen Kontakt-, Hygiene- und Abstandsregeln beachtet werden. Das gilt natürlich auch für die Praxisinhaber. In unserer Umfrage sagten zum Beispiel nur 48 Prozent der TFA, dass die Gefährdungsbeurteilung in der Praxis bzw. Klinik an das aktuelle Infektionsgeschehen angepasst wurde. Nur zwei Drittel können auf medizinischen Mund-Nasen-Schutz zurückgreifen. Nicht einmal die Hälfte hat am Arbeitsplatz ausreichend Schutzkleidung zur Verfügung. Hier liegt in Sachen Arbeitsschutz also noch einiges im Argen.“

Umsatzrückgang hält sich in Grenzen

Während viele Haus- und Fachärzte unter Patientenrückgang zu leiden hatten, war das bei Tierärzten tatsächlich nicht der Fall. Tierarztpraxen scheinen in der Corona-Pandemie nur einen überschaubaren Umsatzrückgang zu verzeichnen. Das zeigte jedenfalls die Umfrage des Bundesverbandes praktizierender Tierärzte (bpt). Anfang Mai hatte der bpt gemeldet, dass rund zwei Drittel der deutschen Tierarztpraxen und –kliniken trotz Corona-Krise in den Monaten März und April 2020 im Vergleich zum Vorjahr stabile Umsätze bzw. Behandlungszahlen vermelden konnten.

Dazu passen auch die Angaben, die TFA bei der Umfrage des Verbandes medizinischer Fachberufe e.V. zur Kurzarbeit machten: 67 Prozent gaben an, wie immer in Vollzeit zu arbeiten, 24 Prozent arbeiten weiterhin in Teilzeit. Nur 8 Prozent waren zu diesem Zeitpunkt in Kurzarbeit.

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