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BKK Provita: Unterschlagen Ärzte Meldungen zu Impfnebenwirkungen, um sich Arbeit zu sparen?

von A&W Online

Mann mit Impfnebenwirkung am Oberarm
Foto: littlewolf1989 - adobe.stock.com

Deutlich mehr Menschen als bisher bekannt, nämlich 2,5 bis 3 Millionen, sollen sich aufgrund von Impfnebenwirkungen in ärztliche Behandlung begeben haben. Das behauptet jedenfalls die Krankenkasse BKK Provita. Die offiziellen Zahlen seien falsch, da Ärzte Impfnebenwirkungen aufgrund des Aufwands und mangels Honorierung nicht melden würden.

Das Paul-Ehrlich-Institut hat für das Kalenderjahr 2021 insgesamt 244.576 Verdachtsfälle für Nebenwirkungen nach einer Corona-Schutzimpfung bekannt gegeben. Die Krankenkasse BKK Provita widerspricht in einem Schreiben  an das Institut. Sie mahnt eine „erhebliche Untererfassung der Impfnebenwirkungen“ an.

Man habe ärztliche Abrechnungsdaten für das erste Halbjahr 2021 und Q3/2021 für insgesamt 10.937.716 Versicherte analysiert. Abgefragt wurden die ICD-Codes für Impfnebenwirkungen. Die Stichprobe habe 216.695 behandelte Fälle ergeben.

Lassen Ärzte Meldungen absichtlich weg?

Rechne man diese Zahl auf das gesamte Jahr und auf die Bevölkerung Deutschlands hoch, seien vermutlich schon 2,5-3 Millionen Menschen wegen Impfnebenwirkungen in ärztlicher Behandlung gewesen. „Das sehen wir als erhebliches Alarmsignal an, das unbedingt beim weiteren Einsatz der Impfstoffe berücksichtigt werden muss“, so die BKK Provita.

Die Ursache für die angeblich falschen Zahlen des Paul-Ehrlich-Instituts sieht die Krankenkasse in der Ärzteschaft: „Unsere erste Vermutung ist, dass, da keine Vergütung für die Meldung von Impfnebenwirkungen bezahlt wird, eine Meldung an das Paul-Ehrlich-Institut wegen des großen Aufwands vielfach unterbleibt. Ärzte haben uns berichtet, dass die Meldung eines Impfschadenverdachtsfalls circa eine halbe Stunde Zeit in Anspruch nimmt. Das bedeutet, dass 3 Millionen Verdachtsfälle auf Impfnebenwirkungen circa 1,5 Millionen Arbeitsstunden von Ärztinnen und Ärzten erfordern. Das wäre nahezu die jährliche Arbeitsleistung von 1000 Ärztinnen und Ärzten.“

Schreiben sorgt für Irritationen

Das Schreiben schlägt hohe Wellen. Der BKK Dachverband wies in einer Stellungnahme vorsorglich darauf hin, dass die genannten Daten nicht aus seinem Hause stammen. Zum Schreiben selbst wollte man sich aber nicht äußern. Das Paul-Ehrlich-Institut bestätigte den Eingang des Schreibens, äußerte sich auf Anfrage des Ärzteblatts aber zurückhaltend: Man könne die Daten nicht beurteilen, da man keinen Zugang zu den Originaldaten und zur Auswertungsmethode habe.

Deutlichere Worte findet Dr. Dirk Heinrich, der Bundesvorsitzende des Verbandes der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte (Virchowbund): „Peinliches Unwissen oder hinterlistige Täuschungsabsicht – was davon den Vorstand der BKK ProVita bewogen hat, vor angeblichen Alarmzahlen bei Impfkomplikationen zu warnen, weiß ich nicht. Die Schlussfolgerungen aus der Datenlage sind jedenfalls kompletter Unfug“.

Die BKK ProVita vermische zwei völlig unterschiedliche Bereiche: die ärztliche Diagnose-Codierung mit ICD-Codes und die Meldung an das PEI, so Heinrich.

So wird der ICD-Code U12.9 bei „unerwünschten Nebenwirkungen bei der Anwendung von COVID-19-Impfstoffen, nicht näher bezeichnet“ zur Abrechnung genutzt. Gemeint ist damit allerdings die gesamte Bandbreite der erwartbaren, milden und vorübergehenden Folgen einer Impfung, z. B. eine leichte Schwellung an der Einstichstelle oder erhöhte Temperatur durch die Immunantwort. Von einer „Gefahr für das Leben von Menschen“, wie die Kasse sich ausdrückt, kann bei diesem ICD-Code also keine Rede sein. Bei der Analyse der BKK Provita wurden laut Heinrich aber mehrere ICD-Codes in einen Topf geworfen.

Bei einem Verdacht auf „über das übliche Maß hinausgehende“ Nebenwirkungen, seien Ärzte verpflichtet, diese an das PEI zu melden. „Das ist ein eklatanter Unterschied, den die Kasse hier unter den Tisch fallen lässt. Genauso wie man die Zahl der Verdachtsfälle nicht einfach mit der Zahl der bestätigten Nebenwirkungen gleichsetzen kann“, erklärt Dr. Heinrich. Die „undifferenzierte Schwurbelei” passe aber ganz offensichtlich in das Markenimage der Kasse.

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Author's imageIlias TsimpoulisManaging Director bei Doctolib
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