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Ein Drittel der Niedergelassenen plant Praxisabgabe in den nächsten Jahren

von Marzena Sicking

Arzt, lachen, Praxis
Foto: Racle Fotodesign - stock.adobe.com

Zum dritten Mal hat die Deutsche Apotheker- und Ärztebank (apoBank) Heilberufler gefragt, wie sich ihr privater und beruflicher Alltag in den letzten Jahren verändert hat. Auffallend ist die zunehmende Bedeutung der finanziellen Sicherheit.

Für die Studie wurden im Auftrag der apoBank rund 500 Heilberufler, darunter Apotheker*innen, Ärzt*innen, Zahnärzt*innen sowie Medizin-, Zahnmedizin bzw. Pharmaziestudierenden durch das Institut DocCheck Insights befragt.

Familienleben hat den höchsten Stellenwert

Den höchsten Stellenwert hat für die befragten Heilberufler nach wie vor das Familienleben (92 %). Zunehmend wichtiger ist die finanzielle Sicherheit: Bei der ersten Befragung 2016 wurde sie von 85 % als wichtig erachtet, 2022 von 91 % . Materielle Aspekte wie hohes Einkommen und Lebensstandard (von 58 auf 65 %), Eigentum (von 56 auf 64 %) oder Vermögensbildung (von 55 auf 64 %) haben ebenfalls an Relevanz gewonnen.

Bei der Frage nach Auswirkungen der Pandemie zeigt sich, dass vor allem das Privatleben gelitten hat: Die Befragten sehen sich neben Reisen (80 %) vorwiegend in ihrer Freizeit (60 %), gesunder Lebensweise und Fitness (37 %) sowie beim Familienleben (31 %) und ihrem gesellschaftlichen Engagement (28 %) beeinträchtigt. Negative Auswirkungen auf ihre berufliche Karriere nennen 9 %.

Gut jede oder jeder fünfte Angestellte plant eine Niederlassung

Nach den Vorhaben für die nächsten drei Jahre gefragt, nennen 22 % der angestellten Heilberufler*innen die Niederlassung bzw. Selbstständigkeit, insgesamt planen 32 % einen Karrieresprung, für ein Drittel steht aber auch Kindererziehung auf der Agenda.

Die Pläne der im Schnitt älteren niedergelassenen Heilberufler*innen haben demzufolge einen anderen Fokus: Für 29 % steht die Vorbereitung auf den Ruhestand an und in der Regel die Abgabe der eigenen Praxis oder Apotheke. 27 % wollen sich aber auch ehrenamtlich engagieren.

Weniger Bürokratie steht ganz oben auf der Wunschliste

Ansonsten steht der Wunsch nach weniger Dokumentation und Verwaltungsarbeit weiterhin ganz oben auf der Liste, primär für selbstständige Heilberufler*innen (91 %), gefolgt von weniger staatlicher Regulierung und mehr Unabhängigkeit für die beruflichen Entscheidungen. Zwei Drittel der Befragten wünschen sich auch mehr Zeit für die Patient*innen und Kund*innen – besonders der Allgemeinärzt*innen (74 %) ist es ein wichtiges Anliegen.

Ruf nach mehr fachlichem Austausch und Fortbildung

Pandemiebedingt hat vor allem der Wunsch nach mehr Austausch mit Kolleg*innen (von 44 auf 56 %) sowie mehr Fort- und Weiterbildung (von 46 auf 48 %) zugenommen. Gerade bei Selbständigen ist offenbar der Bedarf nach Weiterbildung deutlich gestiegen (von 29 auf 48 %). Ein Blick auf die verschiedenen Heilberufsgruppen zeigt, dass am häufigsten die Apotheker*innen mit 62 % hier ein Defizit verspüren.

Digitalisierung findet immer mehr Akzeptanz

Im Vergleich zu 2019 ist der Anteil der Befragten, die sich mehr Digitalisierung wünschen, jeweils um 9 bzw. 8 Prozentpunkte gestiegen. Allerdings gibt es einen großen Unterschied, ob sie als Angestellte oder Selbständige arbeiten. Für die niedergelassenen Heilberufler*innen scheint die Digitalisierung der Praxis weiterhin ein ambivalentes Thema zu sein, hier wünschen sich 38 % weniger digitales Datenmanagement und 29 % hätten gern mehr davon.

Heilberuf bleibt empfehlenswert

Die fallenden Zufriedenheitswerte führen allerdings nicht zu einer sinkenden Empfehlungsbereitschaft der Heilberufler*innen, ihren Beruf zu ergreifen. Im Gegenteil, der Anteil an Ärzt*innen, die ihren Beruf weiterempfehlen würden, ist im Vergleich zu 2019 gestiegen. Auch Zahnärzt*innen blicken wieder optimistischer in die Zukunft, denn 60 % würden diesen Beruf weiterempfehlen – das sind 19 Prozentpunkte mehr als noch vor drei Jahren.

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Author's imageIlias TsimpoulisChief Medical Officer bei Doctolib
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