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Rassismus, Sexismus, Drogenmissbrauch: Was Ärztinnen und Ärzte mit Kollegen erleben


Ärztin streitet mit Patient

Mitarbeiter in Arztpraxen und Kliniken müssen ein dickes Fell haben. Ein Drittel der Beschäftigten im medizinischen Betrieb lebt mit Ausrastern, Beleidigungen und Anmache am Arbeitsplatz. Erschreckend oft kommen die Angriffe aus den eigenen Reihen.

Der Ton in Arztpraxen und Krankenhäusern wird immer rauer, die Berichte über aggressive Patienten und Begleiter häufen sich. Doch auch Ärzte und Ärztinnen überschreiten regelmäßig die Grenzen des guten Geschmacks. Das zeigt der aktuelle Medscape-Report „Ärztliches Fehlverhalten 2022″. An der Online-Umfrage nahmen 1.144 Ärztinnen und Ärzte teil.

Die häufigsten Fehltritte im Job

Demnach sind Mediziner alles andere als Vorbilder im Umgang mit Kollegen und Patienten. Vielmehr sind der Umfrage zufolge Mobbing, rassistische und sexistische Äußerungen auch bei ihnen an der Tagesordnung:

Männer benehmen sich besonders oft daneben

Bei all diesen Grenzüberschreitungen sind laut Umfrage die Männer mit einem Anteil von 75 % in der großen Mehrheit. Doch auch 21 % der Ärztinnen zeigen ein Verhalten, das zu wünschen übrig lässt.

Die Bösen sind allerdings immer die anderen: Nur ca. ein Fünftel der Befragten (20 %) gibt zu, sich schon einmal danebenbenommen zu haben. Die Mehrheit der Befragten (73 %) erwartet von sich und anderen Ärzten und Ärztinnen grundsätzlich auch ein besseres Benehmen als von der Normalbevölkerung. Bei der Frage, warum offenbar viele Mediziner dem Anspruch nicht gerecht werden, wurde von 60 % der Befragten „Arroganz“ als Grund vermutet. 52 % gehen (auch) von persönlichen Problemen aus.

Ärztinnen und Ärzte haben Social Media nicht im Griff

Der raue Umgangston setzt sich im Internet fort. 43 % der Befragten nutzen Social Media, 7 % der Ärztinnen und Ärzte pflegen ein ausschließlich berufliches Profil. In den Fällen, in denen Ärztinnen und Ärzte unangemessene Kommentare gepostet haben, ging es um sie selbst und Politik, aber auch um Freunde (69 %). Auch Bilder vom Alkoholtrinken auf Partys (15 %) oder Personen in der Badehose (25 %) würden Kollegen weitergegeben.

Knapp ein Viertel (22 %) der Ärztinnen und Ärzte scheint allerdings auf Social Media die Grenze des Akzeptablen zu überschreiten: Sie posteten Kommentare auch über Patienten. Einige – wenige – Ärztinnen und Ärzte haben sich sogar dazu verleiten lassen, Bilder während einer Konsultation, aus dem Operationssaal oder dem Leichenschauhaus aufzunehmen (6 % als Selfies, 9 % andere Fotografien). Entsprechend skeptisch wird die Wirkung der rechtlichen Leitplanken eingeschätzt: Nur einem Drittel von Ärztinnen und Ärzten wird zugetraut, dass es die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) versteht – 64 % tun dies nicht.

„Unsere Umfrage legt nahe, dass der Umgang mit Mitarbeitern im Medizinbetrieb burschikoser ist als in anderen Wirtschaftszweigen. In Industrieunternehmen würde einiges zur Abmahnung gebracht werden, was hier offensichtlich – noch – toleriert wird. Ausschlaggebend ist sicherlich der extreme Arbeitsdruck, die Nerven liegen einfach blank. Vielleicht spielt auch die stark hierarchisch geprägte Arbeitswelt im Medizinbetrieb eine Rolle. Gerade aber angesichts des Mangels an Ärzten und Pflegekräften sollte sehr sorgfältig darauf geachtet werden, dass die Mitarbeiter nicht noch zusätzlich demotiviert werden“, sagt Claudia Gottschling, Chefredakteurin von Medscape Deutschland.

Weitere Informationen finden Sie unter: www.deutsch.medscape.com/fehlverhaltenreport-2022

Quelle: medscape Deutschland

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