Internationale „Cope Corona“-Studie im Klinikum Nürnberg

Stress- und Burnout-Prophylaxe in der Pandemie: den Gefährdungspotenzialen auf der Spur

Beschäftigte in Krankenhäusern sind von der Corona-Pandemie besonders betroffen. Wie stark ist die Belastung? Wie gehen sie damit um? Was tun sie, um die Krise zu bewältigen? Das Klinikum Nürnberg erforscht die Stress- und Burnout-Prophylaxe.

62 Fragen, 15 Minuten, alles anonym. Um herauszufinden, wie Pflegende und Ärzte, aber auch die Kolleginnen und Kollegen aus Service, Technik und Verwaltung in Krankenhäusern die Corona-Pandemie erleben, hat die Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie die umfassende „Cope-Corona“-Studie aufgesetzt. Die Studie unter Leitung von Prof. Dr. Christiane Waller ist nicht nur in Nürnberg, sondern parallel auch bei kooperierenden Kliniken in der ganzen Welt angelaufen. Mit dabei: Krankenhäuser in Spanien, Andorra, Irland, Italien, Rumänien, Polen, Iran und China.

Verlässliche Grundlage für Stress- und Burnout-Prophylaxe

„Wir möchten mit der Studie nicht nur den Grad der Belastung sowie die Stressfaktoren und Gefahrenpotenziale ermitteln, sondern vielmehr schauen, welche Faktoren als Abwehrkräfte fungieren“, erklärt Prof. Waller. „Unser Ziel ist es zu erfahren, wo wir unsere Kolleginnen und Kollegen stärken und unterstützen können. Damit sie so gut wie möglich durch die Krise kommen.“ Die Cope Corona-Studie wurde als Längsschnittstudie mit drei Erhebungszeitpunkten aufgesetzt. Der Erste hat im Sommer 2020 stattgefunden, der Zweite im Frühjahr dieses Jahres. Der Dritte folgt im Winter.

Verdoppelte Teilnehmerzahl in Runde zwei

Bei der ersten Befragung haben knapp 2.100 Teilnehmer den Fragenkatalog ausgefüllt. In Runde zwei hat sich die Teilnehmerzahl auf insgesamt 4.240 Beschäftigte mehr als verdoppelt. Schon die Ergebnisse für das Klinikum Nürnberg zeigen: Die Stressbelastung hat sich im Vergleich zum Frühjahr moderat erhöht.Die Belastung stieg dabei für Befragte mit häufigem Kontakt zu COVID-19-Patienten und denen mit geringem Kontakt zu Risikopatienten gleichsam an. Das zeitweise Gefühl des Ausgebranntseins zeigte sich dagegen verstärkt bei Befragten mit häufigem Kontakt zu COVID-19 Patienten.

84 Prozent der Befragten gaben an, mit ausreichend Schutz-Equipment ausgestattet zu sein. Auch die Impfung wird eher positiv wahrgenommen: Zum Zeitpunkt der zweiten Erhebung waren 69 Prozent der Befragten bereits geimpft. Von den nicht Geimpften waren etwas mehr als die Hälfte deutlich positiv gegenüber der Impfung eingestellt. Außerdem stimmten 81 Prozent der Aussage zu, ausreichende Informationen zur sicheren Ausführung der Arbeit zu erhalten. Die Qualität der Teamarbeit fand mit 85 Prozent Zuspruch. Und auch in Sachen Vertrauen in die Vorgesetzten (66 Prozent Zuspruch) konnte die Studie mehrheitlich erfreuliche Ergebnisse erzielen. Dies gilt auch für teamübergreifende Kommunikation (65 Prozent Zuspruch).

Anti-Stress-Faktoren gezielt trainieren

Des Weiteren hat die Studie wichtige Schutzfaktoren gegen Stressbelastung und Burnout ermittelt. Eine wesentliche Rolle für die seelische Gesundheit spielen für die Beschäftigten in Krankenhäusern die Fähigkeit zum Selbstmitgefühl, Resilienz (Widerstandskraft gegenüber Krisen) und das Kohärenzerleben – das Gefühl von Bedeutsamkeit und Sinnhaftigkeit in der Tätigkeit. Neben diesen individuellen Faktoren, die gezielt trainiert werden können, tragen am Arbeitsplatz Wertschätzung und Unterstützung durch Vorgesetzte und Kollegen sowie Verantwortungsübernahme ganz besonders dazu bei, auch in Krisenzeiten gesund zu bleiben.

„Unser Ziel ist es, aus der Krise persönliches Wachstumspotenzial zu generieren und zu stärken, fasst Prof. Waller zusammen. „Die Pandemie ist ein einschneidendes Erlebnis. Sie hat offengelegt, an welchen Stellschrauben wir arbeiten müssen, aber auch, welche Stärken wir aufbringen können. Jetzt müssen wir die Chance nutzen, diese gemeinsam erlebten Erfahrungen in eine Kultur des Miteinanderteilens einfließen zu lassen.“

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