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Weil Kassen Aufwand nicht honorieren: Magen-Darm-Ärzte nehmen Patienten mit ins Boot


Magen-Darm

Weil sich die Krankenkassen nicht ausreichend an den Hygienekosten beteiligen, will der Berufsverband der niedergelassenen Magen-Darm-Ärzte den Druck erhöhen. Dafür werden jetzt die Patienten mit ins Boot geholt. Außerdem will man unwirtschaftliche Untersuchungen künftig meiden.

„Jeder Patient erwartet zurecht, dass bei einer Magen- oder Darmspiegelung ein hygienisch einwandfreies Endoskop verwendet wird“, sagt Priv.-Doz. Dr. Katja Klugewitz. Sie ist Sprecherin des Berufsverbands der niedergelassenen Magen-Darm-Ärzte (BNG). „Dafür treiben wir in unseren Praxen einen sehr hohen Aufwand. Aber der hat seinen Preis. Die Krankenkassen weigern sich seit Jahren, diese Kosten zu übernehmen. Darüber werden wir unsere Patienten jetzt informieren und sie auffordern, ihrer Kasse mitzuteilen, was sie davon halten!“

Honorare werden weiter gedrückt

Im Gesundheitswesen gilt ein Wirtschaftlichkeitsgebot. Die Krankenkassen nutzen dies in der Regel als Argument, um die Honorare von Ärzten zu drücken. Dabei verkennen sie, dass das Wirtschaftlichkeitsgebot in beide Richtungen gilt. Wenn der Kostenaufwand für eine medizinische Untersuchung nicht gedeckt wird, kann niemand von einem Arzt erwarten, dass er dauerhaft aus eigener Tasche drauflegt, um die Versorgung der Patienten sicher zu stellen. „Die Krankenkassen sind hier ihren Versicherten gegenüber in der Pflicht“, betont Dr. Klugewitz.

Besonders krass sei die Finanzierungslücke beispielsweise bei Magenspiegelungen, teilt der Berufsverband mit. Für die Reinigung der Geräte werden spezielle, sehr hochwertige Waschmaschinen benötigt. Diese müssen von extra dafür ausgebildetem Praxispersonal bedient werden. Die Reinigungsprozedur unterliegt strengen behördlichen Kontrollen. Die Auflagen sind hoch, aufwändig und teuer. „Und das zurecht im Sinne des Infektionsschutzes“, sagt Dr. Klugewitz. „Aber der Aufwand muss auch bezahlt werden.“

Keine unwirtschaftlichen Untersuchungen mehr anbieten

Bis dies endlich der Fall ist, werden sich niedergelassene Magen-Darm-Ärzte sehr genau überlegen, welche Untersuchungen aus medizinischen Gründen zwingend zeitnah erforderlich sind, so der Aufruf des Berufsverbands. Diese sollen Ärzte natürlich weiterhin anbieten. „Aber unwirtschaftliche Untersuchungen, die keine Dringlichkeit haben, können unter den derzeitigen Bedingungen nicht mehr in dem Maße erbracht werden, wie die Patienten das eigentlich erwarten können und sollten“, so das deutliche Statement.

„Im Schulterschluss mit anderen Fachärzten beteiligen sich die niedergelassenen Magen-Darm-Ärzte an der Kampagne ihres Dachverbandes SpiFa und werden ihre Patienten in den kommenden Wochen im Gespräch über die prekäre Lage informieren, die neben den Magenspiegelungen genauso auch bei Darmspiegelungen besteht“, kündigt die Verbandssprecherin an.

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