Finanzämter dürfen Ausnahmen zulassen

Trotz Entfernungspauschale: Unfallkosten doch absetzbar

Kosten für Fahrten zwischen Wohnung und der täglichen Arbeitsstätte werden bei der Steuer mit der Entfernungspauschale abgegolten. Doch schließt die Pauschale auch mögliche Unfallkosten mit ein, wie ein Urteil vermuten ließ? Eine aktuelle Bundesdrucksache sorgt jetzt für Klarheit.

(dpa/tmn) Ein Urteil des Finanzgerichts Rheinland-Pflanz hat Anfang des Jahres für viel Frust bei Steuerzahlern gesorgt. Demnach hat ein angestellter Arzt oder ein Mitarbeiter der Arztpraxis, der mit seinem Fahrzeug auf dem Weg zur Arbeit einen Unfall erleidet, nicht nur den dazugehörigen Ärger, sondern auch steuerrechtlich das Nachsehen. Denn Aufwendungen, die einem Arbeitnehmer auf dem Weg zwischen Wohnung und Arbeitsstätte entstehen, sind laut dem Urteil bereits durch die Entfernungspauschale abgegolten und können nicht auch noch als Werbungskosten geltend gemacht werden (1 K 2078/15).

„Eigentlich sind sämtliche Kosten für Fahrten zwischen Wohnung und Betrieb mit der Entfernungspauschale abgegolten“, bestätigt Isabel Klocke vom Bund der Steuerzahler. „Bei Unfallkosten zeigt sich die Finanzverwaltung allerdings großzügig.“

Haben Berufstätige auf dem Arbeitsweg einen Unfall mit ihrem Auto, dürfen sie die entstandenen Kosten also doch als Werbungskosten von der Steuer absetzen. Das gilt auch, wenn sie bereits eine Entfernungspauschale beanspruchen. Dies geht aus der Bundestagsdrucksache 18/8523 vom 17. Mai 2016 hervor.

Vorangegangen war dem eine Anfrage von Dr. Axel Troost (Die Linke). Er wollte wissen, inwieweit nach Auffassung der Bundesregierung entsprechende Kosten tatsächlich mit der Entfernungspauschale abgegolten sind. Daraufhin wurde die Rechtsauffassung, der auch das Gericht in seinem Urteil gefolgt war, bestätigt. Allerdings dürfen die Finanzbehörden durchaus davon abweichen, wie der Parlamentarische Staatssekretär Dr. Michael Meister in seiner Antwort schreibt: „(…) Aus Billigkeitsgründen wird es von der Verwaltung ausnahmsweise jedoch nicht beanstandet, wenn Aufwendungen für die Beseitigung eines Unfallschadens bei einem Verkehrsunfall neben der Entfernungspauschale als Werbungskosten gemacht werden“

Entscheidend ist dabei, dass sich der Unfall auf dem Weg zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte ereignet hat, auf einem Umweg zum Betanken des Fahrzeugs oder zum Abholen von Mitfahrern einer Fahrgemeinschaft. Außerdem darf der Arbeitnehmer bei dem Unfall nicht unter Alkoholeinfluss gestanden haben. Dann verliert er nämlich nicht nur den Versicherungsschutz, sondern auch den Anspruch auf die Absetzbarkeit der Unfallosten.

Steuerzahler sollten die Unfallkosten in solchen Fällen immer zusätzlich in der Steuererklärung angeben. «Es empfiehlt sich zudem, möglichst viele Nachweise, wie beispielsweise das Protokoll der Polizei oder Zeugenaussagen von Mitfahrern zu sammeln, um zu belegen, dass sich der Unfall auf dem Arbeitsweg ereignet hat und keine Alkoholisierung vorlag“, so Klocke.

Andernfalls sind die Unfallkosten mit der Entfernungspauschale abgegolten. Das heißt, es werden steuerlich pauschal 0,30 Euro je Entfernungskilometer berücksichtigt.

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