Entscheidungskritische Informationen fehlen

Niedrig-Zins-Phase: Anleger fühlen sich von Banken im Stich gelassen

Anleger fühlen sich von ihren Hausbanken in der aktuellen Situation nicht gut beraten. Im Gegenteil: Fehlende Optionen und mangelnder Rat nagen am Vertrauensverhältnis. Der Mehrheit der Bundesbürger bereitet die Niedrig- bzw. Null-Zins-Phase an den Finanzmärkten enorme Sorgen, wie eine aktuelle Umfrage zeigt, und sie vermissen eine kompetente und ehrliche Beratung ihrer Hausbank.

Fast zwei Drittel der Bundesbürger fühlen sich derzeit von ihren Banken mit ihrem „Anlage-Notstand“ allein gelassen.  82 Prozent misstrauen in der aktuellen Niedrig-Zins-Phase zudem grundsätzlich den Empfehlungen der Banken und Vermögensberater. Das Vertrauen scheint erschüttert und die Anlegen haben das das Gefühl, dass die Experten grundsätzlich eher ihre eigenen Interessen verfolgen, als die der Kunden. Zu diesen Ergebnissen kommt eine Online-Umfrage der Markenberatung Prophet zum Thema „Null Zinsen – Wohin mit meinem Geld?“, bei der 1.000 Erwachsene in Deutschland repräsentativ befragt wurden.

Wie sich das Problem lösen lässt, wissen die Befragten auch: Banken müssten sich in ihrer Geschäftspolitik dringend ändern und die Bedürfnisse der Kunden endlich ernst nehmen, das fordern 89 Prozent der Befragten. Die Mehrheit erwartet hierbei auch neue Produkte und Lösungen für die Null-Zins-Phase.

Wie die Umfrage zeigt, suchen Bankkunden einfache und transparente Anlagelösungen ohne hohe Provisionen und Kosten, wie sie zunehmend von neuen Wettbewerbern (FinTechs) angeboten werden. Allerdings greifen Kunden bei weniger bekannten Produkten und Anbietern gar nicht so gerne zu, denn Sicherheit hat für sie bei der Anlage der Gelder weiterhin Priorität. Ein höheres Anlagerisiko einzugehen, um überhaupt noch eine Rendite zu erwirtschaften, wollen demnach nur 35 Prozent der Befragten.

„Die Null-Zins-Phase selbst, können die Banken natürlich nicht lösen, haben sie aber zu weiten Teilen verursacht. Und jetzt werden sie von Ihren Versäumnissen in der Vergangenheit eingeholt“, bewertet Prophet-Partner Felix Stöckle die Ergebnisse der Umfrage. Die klassischen Hausbanken haben viel Vertrauen verspielt und müssen ihre Kunden endlich ernst nehmen. In diese Glaubwürdigkeitskrise haben sich die Banken allerdings selber gebracht. „Sie haben sich in der Vergangenheit mehr an den eigenen Provisionen als an den Bedürfnissen der Kunden orientiert. Etliche Bankberater sind zu reinen Vertriebsmanagern mutiert, die versuchen, ihren Kunden das Produkt der Woche zu verkaufen,“ so Stöckle. Eine smarte Analyse von Kundendaten und -bedürfnissen, und eine entsprechende Vertriebssteuerung, ist für viele Banken immer noch Neuland.

Darüber hinaus erwarten Kunden von ihrer Hausbank zunehmend, dass sie intelligente Informationen und Dienste digital und mobil bereitstellen. „Die Banken müssen in ihren digitalen Angeboten viel innovativer und kundenorientierter werden“, fordert Stöckle. Nur mit guten, transparenten und entscheidungskritischen Informationen könnten die Banken Vertrauen zurück gewinnen. „Der direkte Kontakt zum Berater bleibt für viele Menschen wichtig, aber ein Großteil der Beratung findet in Zukunft über digitale Kanäle statt.“

Ein Problem können die Banken für den Kunden aber wohl nicht lösen: „Natürlich spiegelt die Studie auf Kundenseite auch ein gewisses „Dusch mich, aber mach mich nicht naß“ wieder,“ stellt Stöckle fest. Rendite ohne Risiko ist in der momentanen Situation einfach nicht möglich. „Aber zumindest auf der Seite der Kosten und der Qualität der Anlageempfehlungen können die Kunden sparen. Das ist ein riesiges Einfallstor für die Fintechs, wenn es die Banken nicht selber schließen.“

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