Griechische Staatsanleihen

Umtauschverluste steuerlich absetzbar

Rund 100 Milliarden Euro setzten die Anleger beim Schuldenschnitt Anfang 2012 mit Hellas-Bonds in den Sand. Die sind steuerlich verrechenbar – aber nur unter bestimmten Voraussetzungen.

Viele Anleger kauften in der Vergangenheit wegen der hohen Rendite griechische Staatsanleihen zu 80, 50 oder gar nur 30 Prozent des Nennwertes und hofften auf 100-prozentige Rückzahlung. Das versprach astronomische Renditen, doch dann kam der Schuldenschnitt! Die Anleger mussten mehr als 100 Milliarden Euro abschreiben. Für jeweils 1.000 Euro Nennwert bekamen die Hellas-Anleger im März 2012 24 (!) neue Anleihen im Wert von nur 465 Euro. Rein buchmäßig verloren die Anleger so 53,5 Prozent ihres Geldes. Tatsächlich sind die Verluste je nach Einstiegszeitpunkt aber viel höher: Wer seine Anleihen verkaufte, realisierte – bezogen auf den Nennwert – bis zu 80 Prozent Veräußerungsverlust. Schließlich ist der Zins der eingetauschten Bonds niedriger und die Laufzeit mit elf bis 30 Jahren länger als bei den alten Emissionen. Daneben gibt es einen „Besserungsschein“, dessen Verzinsung von der künftigen wirtschaftlichen Entwicklung Griechenlands abhängt.

Die geschröpften Anleger hoffen nun, ihre Verluste wenigstens bei der Einkommensteuererklärung für 2012 geltend machen zu können. Das Bundesfinanzministerium hat dazu bereits Stellung bezogen (BMF-Schreiben vom 9.3.2012, Az.: IV C 1-S 2252/0016): Der Umtausch gilt steuerlich als Veräußerungsgeschäft, sodass die Umtauschverluste in der Steuererklärung 2012 grundsätzlich absetzbar sind. Allerdings nur, wenn die Altanleihen nach 2008 gekauft wurden. Nur dann sind die Umtauschverluste mit Zinsen, Dividenden und Gewinnen aus dem Verkauf anderer Wertpapiere verrechenbar.

Der in der Einkommensteuererklärung verrechenbare Umtauschverlust ergibt sich in diesem Fall als Differenz zwischen den seinerzeitigen Anschaffungskosten der Altanleihen und dem Börsenkurs der neuen Griechenland- und EFSF-Anleihen am Tag der vollzogenen Depoteinbuchung. Sofern zu diesem Zeitpunkt noch kein Börsenkurs bestand, ist der niedrigste Kurs am ersten Handelstag anzusetzen. Ausgenommen davon sind allerdings der Besserungsschein sowie die nur sechs Monate laufende Nullkuponanleihe des EFSF zur Entschädigung für die ausgefallenen Stückzinsen. Diesen Anleihen misst das Bundesfinanzministerium offensichtlich keinen Wert bei und hat daher den Kaufpreis mit 0,00 Euro angesetzt. Die steuerliche Folge ist, dass beim Verkauf dieser Anleihen vom Verkaufspreis keine Anschaffungskosten abgezogen werden können. Damit wird Abgeltungsteuer auf den ungekürzten Veräußerungserlös fällig.

A&W-TIPP

Bis auf den Besserungsschein …
… sind die zwangsweise erworbenen Papiere schon jetzt verkäuflich. Durch den Umtausch in 24 neue Anleihen verfügen viele Anleger aber nur noch über geringe Nominalwerte bei den einzelnen Emissionen. Hier ist deshalb in vielen Fällen mit der Berechnung von Mindestgebühren durch die verkaufende Bank zu rechnen, die den Veräußerungserlös weitgehend aufzehren. Betroffene Anleger sollten deshalb vor dem Verkauf mit ihrer Hausbank sprechen und um einen Erlass der Gebühren nachfragen. Die Aussichten sind nicht schlecht, denn gerade bei den Hellas-Bonds haben viele Banken ein schlechtes Gewissen.

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