Fahrtzeit ist nicht alles

Weniger als eine Stunde Zeitersparnis: Umzugskosten trotzdem absetzbar

Ein Umzug ist teuer. Wer aus beruflichen Gründen den Wohnort wechselt, kann einen Teil der Umzugskosten in der Steuererklärung absetzen. Allerdings nur, wenn sich die Fahrtzeit zur Arbeitsstelle durch die neue Wohnung um mindestens eine Stunde verringert. Wer auf eine geringere Zeitersparnis kommt, kann unter bestimmten Voraussetzungen trotzdem steuerlich profitieren.

(dpa/tmn) „Pendeln“ gehört für die meisten Berufstätigen heute dazu. Wer zwischen Arbeitsstätte und Wohnung lange Strecken zurücklegen muss oder ständig im Stau steht, will sich das auf Dauer meist aber doch lieber ersparen. Zieht ein Arzt dann näher an seine Praxis oder an die Klinik, kann er unter Umständen die Umzugskosten als Werbungskosten absetzen. Die berufliche Tätigkeit muss dann aber der entscheidende Grund für den Umzug in die neue Wohnung sein, erläutert Isabel Klocke vom Bund der Steuerzahler. Außerdem muss man nachweisen können, dass der Umzug wirklich notwendig war. Hier kann für angestellte Ärzte eine Bestätigung vom Arbeitgeber hilfreich sein.

Verringert sich die tägliche Fahrzeit zwischen Wohnung und Arbeitsstätte um mindestens eine Stunde, erkennen die Finanzämter die berufliche Motivation des Umzugs in der Regel an. Hierbei wird allerdings nur die reine Fahrzeit berücksichtigt. Der tägliche Stau, in dem der Arzt nach Feierabend steht, ist sein persönliches Problem. Das bedeutet: Wer „nur“ 50 Kilometer zu fahren hat und dafür normalerweise dann auch weniger als eine Stunde braucht, zieht nach Ansicht des Finanzamts privat um und kann die Kosten nicht in der Steuererklärung geltend machen.

Dennoch haben auch Ärzte, die einen nicht ganz so langen Arbeitsweg haben, vielleicht eine Chance ihren Umzug bei der Steuer abzusetzen, wenn sie sich auf ein aktuelles Urteil berufen. In einer Entscheidung hat nämlich das Finanzgericht Köln (Az.: 3 K 3502/13) einer Arbeitnehmerin die steuerlichen Vorteile zugestanden, obwohl ihre Fahrzeitersparnis nach dem Umzug weniger als eine Stunde betrug.

Arbeitsplatz zu Fuß erreichbar

Im verhandelten Fall nutzte die Klägerin lange Zeit die Straßenbahn, um zur Arbeit zu gelangen. Nach dem Umzug konnte sie den Weg zum Arbeitgeber in wenigen Minuten zu Fuß zurücklegen. Die Umzugskosten machte sie in ihrer Einkommensteuererklärung als Werbungskosten geltend. Das Finanzamt lehnte dies jedoch ab. Der Arbeitsweg habe sich durch den Umzug nicht um mindestens eine Stunde verkürzt, deshalb könne sie die Aufwendungen bei der Steuer auch nicht geltend machen.

Die Richter gaben der Klägerin jedoch Recht. Ihr Argument: Da die Frau ihre Arbeitsstätte zu Fuß erreichen kann, verbessern sich ihre Arbeitsbedingungen durch den Umzug in die neue Wohnung massiv. Somit sei die Hauptmotivation offensichtlich beruflich und nicht privat veranlasst. Es gibt also offenbar durchaus einen gewissen Spielraum bei der Frage, ob die Aufwendungen steuerlich berücksichtigt werden dürfen oder nicht. 

Klocke rät Ärzten, die sich in einer ähnlichen Situation befinden: Legen Sie Einspruch gegen den Steuerbescheid ein, wenn der Fiskus die Umzugskosten nicht als Werbungskosten anerkennen will. Ein Verweis auf die Entscheidung des Finanzgerichts Köln sei bei der Begründung sinnvoll. 

Unser Tipp: Vergessen Sie bei einem beruflichen Umzug auch die haushaltsnahen Dienstleistungen nicht.          

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