Einführung steht bevor

Unbekanntes Wesen Abgeltungssteuer

„Es ist gewinnbringender, eine Stunde über Geld nachzudenken, als einen Monat dafür zu arbeiten“, riet Milliardär John D. Rockefeller. Sein Rat ist kurz vor Einführung der Abgeltungssteuer besonders aktuell.

Wie wollen Sie auf die Abgeltungssteuer reagieren?

Zuerst müssen Sie die Auswirkungen dieser neuen Steuer kennen. Die ab 1. Januar 2009 geltende Abgeltungssteuer erfasst nicht nur Zins- und Dividendeneinnahmen, sondern auch Kursgewinne, und zwar nicht nur die realen Wertzuwächse, sondern auch die inflationsbedingten Scheingewinne. Bisher war das nur innerhalb der einjährigen so genannten Spekulationsfrist der Fall.

Die Dividendenerträge von Aktien wurden bisher nur zur Hälfte besteuert (Halbwertverfahren), die langfristigen Kursgewinne blieben verschont. Die Erfahrungen mit Aktien in den letzten 50 Jahren zeigen, dass die Dividenden im Schnitt etwa drei Prozent, die Kursgewinne sechs Prozent jährlich betragen. Die Zinsen von Anleihen betragen im langfristigen Durchschnitt fünf Prozent. Zinsen von Anleihen oder Festgeld unterliegen in vollem Umfang (sofern sie den Freibetrag überschreiten) der Einkommensteuer, künftig der Abgeltungssteuer.

Der Grenzsteuersatz – das ist die Steuerbelastung für zusätzliches Einkommenbeträgt einschließlich fünf Prozent Soli und neun Prozent Kirchensteuer derzeit für eine Arztfamilie etwa 44 Prozent. Die Abgeltungssteuer wird 25 Prozent plus fünf Prozent Soli plus neun Prozent Kirchensteuer betragen.

Die Depotgebühren sowie Kosten von Finanzzeitungen und Börsendiensten werden nicht mehr als Werbekosten anerkannt, obwohl sie für eine ordentliche Vermögensplanung unverzichtbar sind. Das erhöht die Steuerbelastung um weitere rund 0,5 Prozent. Die Gesamtbelastung durch die Abgeltungssteuer beträgt also insgesamt 29 Prozent und nicht 25 Prozent. Benutzt man diese Zahlen, dann ändert sich die steuerliche Belastung von Aktien und Anleihen wie in der A&W-Tabelle 1 dargestellt.

Der Vergleich zeigt: Die Abgeltungssteuer mindert den realen Ertrag von Aktien um fast zwei Prozent, verbessert aber die Rendite von festverzinslichen Anleihen und Festgeld um 0,75 Prozent. Aktien bleiben trotzdem eine bessere langfristige Kapitalanlage als festverzinsliche Wertpapiere oder Termingelder.

Was für die Altersvorsorge zählt

Für die Altersvorsorge sind nur die reale Kaufkraft Ihres Vermögens und dessen Nettoerträge von Bedeutung, nicht die durch die Inflation aufgeblähten Nominalwerte. Denn in 20 Jahren wird ein Brot nicht wie heute zwei Euro, sondern vier Euro, das Benzin nicht 1,50 Euro sondern drei Euro kosten, die Putzfrau nicht sieben, sondern 14 Euro Stundenlohn fordern et cetera. Milchmädchen, Versicherungsvertreter, Juristen, Banker und Politiker rechnen Ihnen nominale Werte vor. Lassen Sie sich trotzdem kein X für ein U vormachen sondern arbeiten Sie nur mit realen Werten, wenn es um Ihre Altersversorgung geht.

Die folgenden Beispiele zeigen die Auswirkungen der Abgeltungssteuer auf eine langfristige Aktienanlage. Erfahrungsgemäß wächst ein in Aktien angelegtes Kapital von 10.000 Euro in etwa 23 Jahren auf 40.000 Euro an. Bei drei Prozent Geldentwertung halbiert sich in dieser Zeit die Kaufkraft und damit der reale Wert der Aktien, er beträgt also real 20.000 Euro, der reale Wertzuwachs nur 10.000 Euro. Die Abgeltungssteuer wird jedoch auf den nominalen Wertzuwachs von 30.000 Euro erhoben und beträgt 8.700 Euro (real 4.350 Euro). (siehe A&W-Tabelle 2).

Die Modellrechnung zeigt: Wegen der Erfassung der inflationären Scheingewinne wird der reale Wertzuwachs bei drei Prozent Inflation mit 43 Prozent besteuert. Bei anderen Inflationsraten ergibt sich die folgende Besteuerung des realen Wertzuwachses nach 23 Jahren: 0 Prozent Inflation/29 Prozent Belastung, 1 Prozent/32 Prozent, 2 Prozent/ 36 Prozent, 3 Prozent/43 Prozent, 4 Prozent/55 Prozent, 5 Prozent/87 Prozent, 6 Prozent/448 Prozent.

Die Abgeltungssteuer führt bei langfristigen Aktienanlagen, wie sie für die Altersvorsorgeplanung ja unverzichtbar sind, bereits bei einer Inflationsrate von drei Prozent zu einer enteignungsähnlichen Belastung des realen Wertzuwachses. Bei einer Inflation von sechs Prozent werden nicht nur der geringe reale Wertzuwachs, sondern auch ein Teil der ursprünglichen Anlage enteignet. Über sechs Prozent Inflation erzielt die Anlage reale Verluste, das reale Vermögen wird schnell aufgezehrt. Der Vermögensaufbau ist unter diesen neuen Rahmenbedingungen sehr schwierig geworden. Durch eine Regierung, die ständig zur eigenverantwortlichen Altersvorsorge mahnt. Ironie der Geschichte: „Den Sozialismus in seinem Lauf hält weder Ochs noch Esel auf“, pflegte Erich Honecker, Ex-Staatschef der DDR, zu sagen. Im 20. Jahr der Wiedervereinigung muss man sich fragen: Hatte er am Ende etwa doch recht?

Vermögensplanung im Dezember 2008

Auf Kursgewinne der vor dem 1. Januar 2009 gekauften Wertpapiere wird keine Abgeltungssteuer erhoben: hierfür gilt „Bestandsschutz“. Sie können Ihre Kursgewinne nach einer Haltedauer von zwölf Monaten also steuerfrei kassieren, egal ob nach zwei, fünf oder zehn Jahren. Vor dem 1. Januar 2009 realisierte Verluste aus Wertpapiergeschäften können Sie danach noch mit Gewinnen aus Wertpapiergeschäften verrechnen. Um die Auswirkungen der Abgeltungssteuer zu mildern, sollten Sie vor dem 1. Januar 2009 Ihr Depot nach den folgenden Überlegungen überprüfen und gegebenenfalls neu strukturieren:

■ Überlegen Sie, welchen Anteil an Aktien beziehungsweise Aktienfonds sowie Festverzinslichen und Immobilien Sie künftig in Ihrem Depot haben wollen (Asset Allocation);

■ Verkaufen Sie Aktien beziehungsweise Fonds, mit denen Sie Verluste gemacht haben. Sie können diese Verluste künftig mit Kursgewinnen verrechnen und dadurch Steuern sparen.

Weitere Änderungen der Spielregeln durch die Abgeltungssteuer

Künftig wird bei jedem Verkauf eines Wertpapiers der Kursgewinn besteuert. Die innerhalb eines Aktienfonds oder ETF erfolgenden Umschichtungen sind davon jedoch ausgenommen. Das begünstigt die Anlage in Fonds statt in einzelnen Aktien. Denn die Steuer wird erst bei Verkauf des Fonds fällig, bis dahin kann Ihr Geld arbeiten. Von den beiden Anlagestrategien „Wachstumsorientiert“ und „Wertorientiert“ bot der Wachstumsansatz bisher Steuervorteile: Wachstumsaktien zahlen meist keine oder nur eine geringe Dividende, daher fielen kaum Steuern an. Wertorientierte Aktien zahlen dagegen meist eine gute Dividende, wachsen dafür aber langsamer. Die Steuerbelastung war also höher. Künftig entfällt dieser Steuervorteil der Wachstumsstrategie.

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