Praxiswertermittlung

Praxisbewertung: Und was ist Ihre Praxis noch wert?

Der durchschnittliche Praxiswert einer hausärztlichen Einzelpraxis betrug 2004/2005 bei der Übernahme 79.522 Euro. Wer bei der Praxiswertermittlung und damit beim Preis mehr erzielen möchte, sollte besser auf kooperative Praxisformen setzen. Wie eine aktuelle Analyse zeigt, sind diese werthaltiger.

Die APO-Bank hat zusammen mit dem Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung die Daten zur Finanzierung von Praxisgründungen im Zeitraum der Jahre 2004 und 2005 ausgewertet. Die Ergebnisse der Analyse lassen leider keinen Zweifel daran, dass die Attraktivität der Arztpraxen, gemessen am ideellen Praxiswert, in den letzten Jahren gesunken ist.Auch Ärzte haben offensichtlich immer weniger Lust, ein eigenes „Unternehmen“ zu leiten. Der Trend geht zum angestellten Arbeitsverhältnis und zu Teilzeit.

Typische Ergebnisse der Praxiswertermittlung

Im Berichtszeitraum betrug der ideelle Praxiswert einer hausärztlichen Praxis bei der Übernahme einer Einzelpraxis 54.537 Euro (neue Länder: 35.918 Euro) und der Substanzwert der Praxis für übernommene Geräte und die Ausstattung der Praxis 24.985 Euro (neue Länder: 18.688 Euro).

Praxisabgabe vor Neugründung bevorzugt

Mehr als die Hälfte der Existenzgründungen bezieht sich auf die Neugründung oder die Übernahme einer Einzelpraxis. Bei 80 Prozent der Finanzierung von Einzelpraxen wurden bereits bestehende Arztpraxen übernommen. Nur knapp ein Fünftel der Praxisgründungen erfolgte an einem neuen Standort.

Das Verhältnis von Übernahmen zu Neugründungen ist nicht zuletzt auf die Zulassungsbeschränkungen in der Bedarfsplanung zurückzuführen. Im Hinblick auf die Zulassungsbeschränkungen des Gesundheitsstrukturgesetzes sind Praxisneugründungen nur noch in Planungsbereichen möglich, die für die Niederlassung noch offen sind. Die Übernahme einer bereits bestehenden Arztpraxis vermittelt aber auch Transparenz über die wirtschaftlichen Möglichkeiten und vermindert das Investitionsrisiko.

Berechnung des Finanzierungsbedarfs

Das Gesamtfinanzierungsvolumen bei der Gründung einer Einzelpraxis ist in der gegenwärtigen wirtschaftlichen Phase starken Schwankungen unterworfen. Nach der vorliegenden Untersuchung sind die Aufwendungen für die Gesamtfinanzierung im Zeitraum 2002/2003 gegenüber 2000/2001 noch um 12,2 Prozent gestiegen. Die Jahre 2004/2005 verzeichnen dagegen einen deutlichen Rückgang gegenüber 2002/2003 von 21,0 Prozent.

Praxisinhaber setzen auf Kooperationen

Der wirtschaftliche Druck in den Arztpraxen fördert den Einstieg in kooperative Praxisformen. 42,8 Prozent der ausgewerteten Finanzierungen beziehen sich auf die Gründung von Gemeinschaftspraxen und Praxisgemeinschaften, auf Praxisüberführungen, Praxisübernahmen und Praxisbeitritte. Die Zahl der Gemeinschaftspraxisbeitritte lag mit 14,8 Prozent über der Zahl der Neugründungen von Einzelpraxen. Die Zahl der Übernahmen einer Gemeinschaftspraxis hat einen Anteil von 8,9 Prozent an den Praxisfinanzierungen erreicht. Die Überführung von Einzelpraxen in eine Gemeinschaftspraxis nimmt mit einem Anteil von 8,5 Prozent an den Praxisfinanzierungen ebenfalls zu.

Goodwill richtig ermitteln

Geht es um eine Praxisgründung, muss zwischen dem „ideellen Wert“ und dem „Substanzwert“ der Praxis unterschieden werden:

  • Bei der Praxisübernahme ist zunächst ein Ausgleich für den „ideellen Wert“ der Praxis zu zahlen, der zwischen den Partnern frei ausgehandelt wird. Dennoch gibt es natürlich Methoden zur Ermittlung des „Goodwill“. Die Höhe dieses ideellen Praxiswertes bei einer Neugründung beziehungsweise einer Praxisübernahme dokumentiert den Wert der Praxis und die Ertragserwartungen des Käufers. In den „Goodwill“ gehen aber auch strukturelle Faktoren wie die Anzahl und die Struktur der Patienten ein. Die Entwicklung des „Goodwill“ gibt also weniger den Umsatz und mehr das Verhältnis von Angebot und Nachfrage am Markt wieder.
  • Der „Substanzwert“ bezieht sich auf den Kauf der übernommenen oder neu angeschafften medizinisch-technischen Geräte und die Ausstattung der Praxis. Er ist quasi die Basis der Praxisbewertung und zwar egal nach welcher Methode der Preis berechnet wird.

Die Zahlen für den Bereich der hausärztlichen Praxen zeigen, dass im Vergleich zur Übernahme einer Einzelpraxis bei kooperativen Formen der Praxisgründung höhere Übernahmeentgelte zu zahlen sind, und zwar sowohl beim ideellen Praxiswert als auch beim Substanzwert (siehe A&W-Tabellen). Die Praxisbewertung sollte beide Werte dem Markt entsprechend berücksichtigen.

Der Wert hausärztlicher Praxen liegt mit Ausnahme der Anästhesisten, Psychotherapeuten und Nervenärzte deutlich unter dem ideellen Praxiswert beziehungsweise Substanzwert bei fachärztlichen Praxen. Der Gesamtwert einer hausärztlichen Praxis beträgt nach den Ergebnissen dieser Untersuchung insgesamt 79.522 gegenüber 116.085 Euro im Durchschnitt aller Fachgruppen.

Nachrichtlich: In den neuen Bundesländern liegt der ideelle Praxiswert im Berichtszeitraum bei 35.918 Euro; der Substanzwert bei 18.688 Euro

 

 

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