EBM-REFORM

Unterdurchschnittlicher Honorarzuwachs

Die Hausärzte gehören zu den Verlierern der Honorarreform. Die Erfolgsmeldungen treffen nicht die Vergütungsrealität. Wir haben die neuesten Zahlen des Bewertungsausschusses analysiert.

Der erste Bericht des Bewertungsausschusses für die ärztlichen Leistungen bezieht sich auf die Auswirkungen der letzten Honorarreform im Jahre 2009. Die Bundesregierung hat diese Daten dem Deutschen Bundestag mit einer ausführlichen Stellungnahme zugeleitet (BT-Drucksache17/4000). Das 224 Seiten starke Zahlenkonvolut des Bewertungsausschusses und die Stellungnahme der Bundesregierung dazu geben einen anschaulichen Überblick über die Honorarsituation die Hausärzte.

Unterdurchschnittlicher Honorarzuwachs: Das gesamte Honorar aller Vertragsärzte und Vertragspsychotherapeuten stieg im Jahr 2009 gegenüber 2007 nach Bereinigung um selektivvertragliche Leistungen um rund 2,85 Milliarden auf 28,74 Milliarden Euro (einschließlich ermächtigte Ärzte auf 29,5 Milliarden Euro). Dies bedeutet im Bundesdurchschnitt und über alle Fachgruppen hinweg eine Steigerung um 10,97 Prozent gegenüber 2007. Die Hausärzte haben mit plus 4,80 Prozent schlechter abgeschnitten als die Fachärzte mit einer sehr attraktiven Zuwachsrate von plus 9,41 Prozent. Die Psychologischen Psychotherapeuten verzeichnen einen Honoraranstieg von plus 20,87 Prozent.

Keine Verteilungsgerechtigkeit. Zu den entscheidenden Webfehlern der Honorarreform gehört die Tatsache, dass es nicht gelungen ist, den Honorarzuwachs den Vertragsärzten in allen KVen nach einem transparenten und gerechten Verteilungsschlüssel zukommen zu lassen. Bei der regionalen Honorarverteilung gibt es gravierende Unterschiede. Die Bandbreite reicht bei der Honorarentwicklung je Arzt im Gesamtzeitraum der Honorarreform 2009 gegenüber 2007 (siehe Tabelle 1) von 20,64 Prozent Honorarplus bei der KV Thüringen bis hinab zu minus 1,34 Prozent bei der KV Schleswig-Holstein (Die KVen in Bayern haben mit minus 6,04 Prozent beziehungsweise minus 3,74 Prozent in Baden-Württemberg überdurchschnittlich verloren, allerdings wurde hier eine Bereinigung um selektivvertragliche Leistungen ohne Berücksichtigung der Mehrhonorare aus den Hausarztverträgen vorgenommen).

Die Ost-West-Angleichung der Vergütung der ärztlichen Leistungen gehörte zu den zentralen Reformzielen. Diese Operation kann als gelungen bezeichnet werden. Im Bundesdurchschnitt stiegen die Honorare je Arzt im Zeitraum der Jahre 2007/2009 um 5,44 Prozent an. Die Zuwachsrate ist in den alten Bundesländern mit plus 4,32 Prozent deutlich niedriger als in den neuen Bundesländern (plus 11,37 Prozent). Grundsätzlich gilt: In den neuen Bundesländern ist die Fallzahl der Ärzte deutlich höher als in den alten Bundesländern. In den alten Bundesländern ist dafür der Fallwert höher als in den ostdeutschen Bundesländern.

Leichte Zunahme des Honorars je Arzt. Die Umsatzentwicklung je Hausarzt im Rahmen der Honorarreform ist absolut enttäuschend. Das Honorar je Arzt (ohne ermächtigte Ärzte) stieg im Zeitraum 2007/2009 bundesweit durchschnittlich um rund 5,44 Prozent (siehe Tabelle 2). Bei den Allgemeinärzten liegt der Honorarzuwachs mit plus 2,37 Prozent deutlich unter dem Durchschnitt. Die Fachärzte insgesamt haben im Bundesdurchschnitt mit plus 4,40 Prozent deutlich besser abgeschnitten. Als Reformgewinner gelten die Chirurgen, Kardiologen und Nervenärzte. Auch das Honorar je Hausarzt bleibt deutlich hinter den Erwartungen zurück. Im Kollektivvertragssystem (nach Bereinigung der Selektivverträge) liegt das Honorar je Hausarzt bei durchschnittlich 188.439 (2009) gegenüber einem Honorar je Facharzt von 202.129 Euro.

Anstieg der Arztzahl, Fallzahl und des Fallwertes. Die Hausärzte rechnen im Bundesdurchschnitt 771 Behandlungsfälle pro Quartal (2009) ab. Die Fallzahl war mit plus 3,26 Prozent deutlich höher als im Jahr 2007. Die Vertragsärzte insgesamt rechnen in den neuen Bundesländern mit durchschnittlich 1.074 Behandlungsfällen (2009) eine höhere Fallzahl ab als die Kollegen in den alten Bundesländern (851 Behandlungsfälle). Das Honorar je Behandlungsfall lag bei den Hausärzten im Jahr 2009 bei durchschnittlich 55,44 Euro und damit um 5,02 Prozent über dem Fallwert im Jahr 2007 (48,69 Euro). Die Entwicklung des Umsatzes je Arzt wird maßgeblich von der Veränderung der Arztzahl beeinflusst. Im Zeitraum der Honorarreform (2009 gegenüber 2007) ist die Zahl der Hausärzte mit plus 1,38 Prozent deutlich unterdurchschnittlich angestiegen. Die Zahl der Fachärzte insgesamt wuchs um 5,56 Prozent.

A&W-KOMMENTAR

Philipp Rösler …
… steht bei der Gestaltung des bevorstehenden „Versorgungsgesetzes“ bei den Hausärzten im Wort. Er versprach den Ärzten ein leistungsgerechtes, transparentes und effizientes Vergütungssystem. Seine Kritik am geltenden System trifft den Nagel auf dem Kopf: „Nicht der Arzt verdient das meiste, der die besten Leistungen erbringt, sondern der Arzt, der das Honorarsystem am besten nutzt.“

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