Commerzbank Mittelstandsstudie

Unternehmen erwarten „Next Generation Banking“ von ihren Finanzinstituten

Im Top-Management des deutschen Mittelstandes tut sich was: 39% der Unternehmen rechnen in den nächsten fünf Jahren mit einem Wechsel an der Führungsspitze, in Bayern sind es sogar 40%. Wie eine aktuelle Studie der Commerzbank zeigt, geht das mit einem hohen strategischen Beratungsbedarf durch Bankpartner einher. Fürs Alltagsgeschäft mit dem Finanzinstitut werden allerdings digitale Angebote immer wichtiger.

Bewegung im Top-Management der Mittelständler: Einer Umfrage im Auftrag der Commerzbank zufolge haben 35 Prozent der Unternehmen in den vergangenen fünf Jahren einen Wechsel an der Führungsspitze vollzogen. 39 Prozent sehen in den nächsten fünf Jahren einen solchen Wechsel auf sich zukommen. Das sind die zentralen Ergebnisse der Befragung der Mittelstandsinitiative Unternehmerperspektiven. Für die Studie „Next Generation: Neues Denken für die Wirtschaft“ hat das Marktforschungsinstitut Kantar TNS im Auftrag der Commerzbank über 2.000 mittelständische Unternehmer in ganz Deutschland befragt.

Mittelstand steht vor großen Herausforderungen

Der Generationenwechsel ist allerdings nicht die einzige Herausforderung, der sich die Unternehmen stellen müssen. 47 Prozent der bundesweit Befragten stellen sich auf mehr Konkurrenz durch starke neue Wettbewerber ein, in Bayern sind es sogar 51 Prozent. Für mehr als 30 Prozent stellt der Umbruch von Schlüsseltechnologien überdurchschnittlich häufig eine Herausforderung dar. Die Entwicklung neuer Geschäftsfelder steht sogar bei 62 Prozent der Unternehmen auf der Agenda.

„Mittelständische Unternehmen haben die besten Voraussetzungen, die Potenziale zu nutzen und den Wandel hin zum Unternehmen der Zukunft zu vollziehen. Zum einen ermöglichen ihnen flache Hierarchien und flexible Strukturen große Handlungsfähigkeit. Zum anderen können sie Investitionen in die Zukunftsfähigkeit finanziell besser realisieren als zum Beispiel Start-ups“, kommentiert Michael Stark, Niederlassungsleiter der Commerzbank in München und verantwortlich für das Firmenkundengeschäft/Großkunden Süd, die Ergebnisse der Studie.

Das Umfeld der gesättigten Märkte

Die meisten Unternehmen bewegen sich in ausgereiften und gesättigten Märkten mit ebensolchen Produkten und Dienstleistungen. So bestätigen bundesweit 15 Prozent der Befragten, dass sie mit überalterten Produkten und Dienstleistunge zu kämpfen haben (in Bayern sind es 16 Prozent). Dennoch sieht die Mehrheit der Befragten den Modernisierungsbedarf nicht hauptsächlich bei der Angebotspalette (43 Prozent bundesweit), sondern setzen auf eine bessere Mitarbeiterqualifikation (66 Prozent), die Optimierung der Produktionsabläufe (54 Prozent), eine Intensivierung der Marketingaktivitäten (53 Prozent) und den Ausbau der IT-Infrastruktur (50 Prozent).

Hohe Erwartungen an Bankpartner

Wie die Ergebnisse der Befragung außerdem zeigen, spielen die Bankpartner bei der Entwicklung des jeweiligen Unternehmens eine große Rolle. So erwarten 48 Prozent der Mittelständler in diesem Zusammenhang eine Beratung bei der Optimierung der Finanzierungsstruktur, 40 Prozent Unterstützung bei der Finanzierung von Modernisierungsprozessen. 38 Prozenz möchten von ihrem Bankberater beim Verkauf oder der Übertragung des Unternehmens begleitet werden. Genausoviele nutzen die Expertise zur Gestaltung des Nachfolgeprozesses. 37 Prozent lassen von ihrer Bank vor dem Führungswechsel eine Unternehmensbewertung erstellen. Immerhin ein Drittel der Befragten traut dem Bankpartner auch Fachwissen im Bereich des Unternehmens zu und bittet um Beratung zur Anpassung des künftigen Geschäftsmodells. 29 Prozent lassen sich von der Bank bei der Auszahlung von scheidenden Gesellschaftern begleiten. Nur 12 Prozent möchten von der Bank eine Beratung hinsichtlich der Nachlassverwaltung oder Testamentsvollstreckung. Hier wird offenbar weiterhin der Rechtsanwalt bevorzugt. Fünf Prozent der Unternehmen lassen sich bei der Gründung einer Stiftung von ihrer Bank begleiten.

Der Bedarf an Finanz-Beratung ist also weiterhin sehr groß, die Zeit der alten und neuen Führungskräfte wird aber immer knapper. Deshalb steigt auch das Interesse an neuen digitalen Bankdienstleistungen, die eine regelmäßige Präsenz vor Ort überflüssig machen. So erwarten 59 Prozent der Befragten von ihrer Bank die Entwicklung neuer Software-Pakete für Banking und Buchhaltung. 53 Prozent wünschen sich intelligente Lösungen, um die Bank-Services in die eigenen IT-Systeme zu integrieren. Die persönliche Beratung bleibt dabei hoch im Kurs: Bundesweit können sich 50 Prozent der Unternehmer oder Manager vorstellen, den Kontakt zur Bank über Video-Chats herzustellen. In Bayern sind es sogar 53 Prozent.

Ältere Manager sind besonders innovativ

Wer dauerhaft erfolgreich sein will, sollte übrigens auch auf eine gemischte Altersstruktur im Management achten. Das lässt sich aus den Ergebnissen der Befragung jedenfalls herauslesen. So tragen junge Nachfolger und Führungskräfte unter 40 Jahren häufig Gründermentalität in das Unternehmen und treiben unternehmerische Zukunftsprojekte voran. Am effektivsten sind junge Manager in jungen Unternehmen. In älteren Unternehmen sorgen etablierte Manager überdurchschnittlich häufig für regelmäßige Produktinnovationen. Neueinsteiger, also Führungskräfte, die weniger als fünf Jahre im Unternehmen tätig sind, treiben mit neuen Serviceleistungen, strategischen Kooperationen und der Entwicklung neuer Geschäftsfelder grundlegende Veränderungen voran.

Die Ergebnisse der Studie im Überblick

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Die Ergebnisse im Überblick

Praxistipp des Experten

Fünf goldene Regeln für den Führungswechsel

Michael Stark, Niederlassungsleiter der Commerzbank in München, erklärt, worauf Firmeninhaber achten müssen, um einen Führungs- bzw. Generationenwechsel erfolgreich einzuleiten. Hier seine 5 „goldenen Regeln“:

  1. Die ersten Schritte für die Übergabe müssen rechtzeitig erfolgen. Rechtzeitig bedeutet: Mindestens fünf Jahre vor dem tatsächlichen Führungswechsel muss mit der entsprechenden Weichenstellung begonnen werden.
  2. Die Nachfolge sollte auch Externen grundsätzlich offen sein. Auch wenn man die Firma sehr gerne an die eigenen Kinder weitergeben will: Manchmal sind externe Experten eben doch besser dazu geeignet, die Geschäfte zu führen. Deshalb sollte man die Möglichkeit nicht von vornherein ablehnen.
  3. Der Senior-Chef muss loslassen lernen. Eine lange Vorbereitungszeit für den Führungswechsel kann da durchaus hilfreich sein.
  4. Klare schriftliche Regelungen und Kommunikation sind ein Muss. Das gilt nicht nur für Absprachen im Management, sondern für das gesamte Unternehmen. Auch darf man nicht vergessen, wichtige Geschäftspartner über die bevorstehende Änderung zu informieren.
  5. Externe Hilfe holen: Das beginnt beim Steuerberater und kann bis hin zur psychologischen Unterstützung für den Führungswechsel gehen. Die Erfahrung und der neutrale Blick eines externen Experten sind jetzt wichtiger denn je.

Die Initiative Unternehmerperspektiven und ihre Studien

Seit 2006 bildet die Mittelstandsinitiative Unternehmerperspektiven mit ihren Studien und Veranstaltungen ein Forum für Themen, die mittelständische Unternehmen in Deutschland bewegen und artikuliert Positionen des Mittelstands in der Öffentlichkeit. Regelmäßig fragt die Initiative dazu Einschätzungen von Eigentümern und Managern aus Unternehmen aller Größenordnungen und Branchen zu aktuellen Themen ab. Die Datenbasis bilden repräsentative Umfragen mit 2.000 Führungskräften der ersten Ebene. Die Studienergebnisse diskutieren Vertreter aus Wirtschaft, Verbänden, Politik, Wissenschaft und Bank im Rahmen öffentlicher Podien. Sie schaffen gegenseitiges Verständnis und zeigen tragfähige Lösungsansätze für die Herausforderungen des Mittelstands auf. Die kompletten Ergebnisse der aktuellen Studie „Next Generation: Neues Denken für die Wirtschaft“ finden Sie unter www.unternehmerperspektiven.de.

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