US-Aktien im Höhenrausch: Wie lange geht das gut?

Der US-Aktienmarkt hängt seit Jahren alle anderen Weltregionen ab. Nun kapitulieren auch Anleger, die die angeblich zu teuren US-Titel stets gemieden haben. Fragt sich: Geht die Party noch weiter oder sind US-Aktien inzwischen zu heiß? Wir haben für Sie bei renommierten Experten nachgefragt.

Seit Jahren weisen manche Experten darauf hin, dass Anleger von den angeblich teuren US-Aktien die Finger lassen sollten – so etwa „Finanz und Wirtschaft“, eine Fachzeitung aus der Schweiz, deren Autoren schon seit Jahren betonen, dass der Kursanstieg in den USA doch bald mit einem Absturz enden müsse. „Wer auf solche Ratschläge hörte und sich daher auf Europa und andere günstige Regionen konzentrierte, hat zwar kein Geld verloren, doch ihm sind satte Gewinne entgangen“, sagt Stephan Witt von der FINUM.Private Finance AG.

Fünf Mal so hohe Gewinne wie der Rest

Der Rückblick zeigt deutlich, was der Finanzprofi aus Berlin meint: Bereits 2013 gewannen US-Aktien inklusive Dividenden zwölf Prozentpunkte mehr hinzu als der Rest der Welt; 2014 betrug der Unterschied sogar 18 Prozent. Ein Jahr darauf gab es in beiden Regionen kaum Gewinne bzw. Verluste, doch 2016 schlossen die Amerikaner das Jahr erneut mit einem Vorsprung von elf Prozent ab. Fazit: Wer seit Anfang 2013 im US-Markt investierte, gewann 70 Prozent hinzu. Anleger, die auf den Rest der Welt setzten, kamen auf lediglich 14 Prozent und damit nur auf ein Fünftel dessen. Nun stellen sich selbst Anleger, die sonst nur günstig bewertete Aktien kaufen, die bange Frage: Wird der teurere US-Markt auch 2017 besser abschneiden als Europa & Co?

Konjunktur brummt weltweit

Aus Sicht von Uwe Wiesner, Vermögensverwalter bei der Hansen & Heinrich AG in Berlin, könnten die USA in diesem Jahr erneut das Rennen machen, zumindest in den ersten Monaten. Gründe gibt es genug: „Die Konjunktur brummt weltweit, und der Dollar ist stark. Beides dürfte die Ergebnisse von US-Unternehmen, die vorrangig für den Heimatmarkt tätig sind, kräftig steigern“, so Wiesner. Auch die renommierte Privatbank M.M.Warburg rechnet damit, dass die Unternehmensgewinne nun um rund zehn Prozent steigen könnten – das könnte die Kurse trotz des Rekordniveaus und der hohen Bewertung weiter nach oben treiben (siehe Interview auf der nächsten Seite).

Starker Dollar: Gut für Aktien

Entgegen einer weit verbreiteten Ansicht ist ein starker Dollar eher ein Motor für steigende Aktienkurse als eine Bremse. Von 1996 bis zur Jahrtausendwende etwa legte der Dollar fast 50 Prozent an Wert zu, während sich die Aktienkurse verdreifachten. Für Stephan Witt ist klar, warum: „Ein starker Dollar bedeutet für den Rest der Welt, dass dessen Produkte konkurrenzfähiger sind.“ Gleichzeitig müssen die Amerikaner weniger für Rohstoffe und Vorprodukte ausgeben. „Dadurch haben die Verbraucher dort mehr Geld übrig, das sie konsumieren oder anlegen können, die Unternehmen werden wohl mehr investieren“, so Witt.

Trump beflügelt Anlegerfantasie

Interessant ist, dass der Dollar-Index in der Woche, als Donald Trump zum neuen Präsidenten der USA gewählt wurde, mit 2,3 Prozent sehr stark anstieg. Das Barometer, das den Wert des Dollars gegenüber mehreren Währungen misst, überwand dabei kritische Marken, sodass der Weg nach oben prinzipiell frei ist. „Der Dollar könnte in den nächsten Monaten erneut Stärke zeigen, und den Euro damit weiter abwerten“, glaubt Uwe Wiesner. Offenbar gehen die Märkte davon aus, dass Trump die für die Wirtschaft positiven Dinge – geringere Einkommen- und Körperschaftssteuern, großes Infrastruktur-Programm – umsetzt und Vorhaben wie Strafzölle oder Protektionismus in der Schublade verschwinden oder vom Kongress ausgebremst werden.

Alter Kontinent muss noch warten

Aktuell gibt es jedenfalls noch keine Anzeichen, dass der US-Aktienmarkt bald von anderen Regionen überrundet wird (siehe „Zusatz-Info“ auf der nächsten Seite). Vor allem US-Aktien aus den Sektoren Energie, Finanzen, Technologie und Grundstoffe zeigen Stärke und dürften auch in den kommenden Monaten gut abschneiden. Aber, so Wiesner: „Wenn die Anleger realisieren, dass die globale Konjunktur auf festen Füßen steht, werden sie sich nach günstigen Aktien umschauen und zunehmend nach Europa blicken.“ Der Alte Kontinent muss also noch etwas warten – aber seine Zeit wird kommen.

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