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Schmerzpatienten: Verschobene Arzttermine sorgen für Stress und Sorgen


Patientin mit Schmerzen in der Schulter beim Arzt

Eine Umfrage unter 2000 Patienten mit chronischen Schmerzen zeigt, welche negativen Auswirkungen die COVID-19-Pandemie auf die Psyche der Schmerzpatienten in Europa hatte.

An chronischen Schmerzen leidende Patienten mussten während der Pandemie Arzttermine verschieben. Dies verursachte bei ihnen Stress und Zukunftsängste. Das zeigt eine Umfrage unter 2000 Schmerzpatienten in Deutschland, Italien, Spanien und Großbritannien. Obwohl die Mehrheit der Befragten glaubt, dass persönliche Termine für die Behandlung unumgänglich sind, haben nur 16,5 Prozent während der COVID-19-Pandemie alle Arzttermine wie geplant wahrgenommen.

Stress und Zukunftsängste bei deutschen Schmerzpatienten

Die Befragten in Deutschland brachten ihre Ängste und Sorgen über die Zukunft zum Ausdruck. Ein Drittel der Frauen (34,6 %) und mehr als ein Viertel der Männer (26,6 %) gaben an, dass ein Verschieben ihrer Arzttermine ihr Stresslevel erhöhte. Die Pandemie hat zudem einen Einfluss darauf, wie wohl sich Patienten dabei fühlen, wegen ihrer Schmerzen persönlich zu Terminen in der Praxis zu erscheinen. Unter den Befragten in Europa scheinen sich besonders die deutschen Schmerzpatienten Sorgen zu machen. Fast ein Viertel der Frauen und Männer (23,9 % und 23,8 %) bestätigten, dass sie nicht sicher waren, wann sie sich bei einem persönlichen Termin wieder wohlfühlen würden. Eine deutlich höhere Zahl als in jedem anderen Land der Umfrage.

Gute Noten für deutsche Ärzte

An den behandelnden Ärzten liegt es allerdings nicht. Die deutschen Schmerzpatienten bemängelten am seltensten, dass sie sich von ihrem Arzt mit ihren Schmerzen nicht ernst genommen fühlen. Etwa die Hälfte der Frauen und Männer (53,6 % und 44,7 %) widersprachen dieser Aussage. Also deutlich mehr als in allen anderen Ländern. Hier fühlten sich nur 30 bis 40 Prozent beim Arzt ihrer Wahl gut aufgehoben.

Frauen sagten Termine häufiger ab

Länderübergreifend zögerten Frauen bei der Inanspruchnahme von medizinischer Hilfe etwas häufiger. Während 26 Prozent der Männer angaben, in den letzten zwei bis drei Monaten einen persönlichen Behandlungstermin wahrgenommen zu haben, traf dies nur auf ein Fünftel der Frauen (19,7 %) zu. Stress- oder Angstgefühle waren mit 33,8 Prozent bei Frauen auch häufiger der Grund, einen Arzttermin zu verschieben. Nur 25,4 Prozent der Männer nannten dies als Grund. Frauen machten sich auch wegen der erlittenen Schmerzen eher Sorgen um die Zukunft als Männer (27,7 % im Vergleich zu 22,6 %). Zudem waren Männer eher bereit für virtuelle bzw. Videotermine. So stimmten 29,2 Prozent der Aussage zu oder voll und ganz zu, dass diese Termine genauso effektiv sind wie persönliche Termine. Diese Ansicht teilten nur 23,2 Prozent der Frauen.

Ältere Schmerzpatienten nehmen Termine konsequenter wahr

Ältere Schmerzpatienten neigten weniger dazu, medizinische Termine zu verschieben: 35,2 Prozent der Altersgruppe ab 55 Jahren vermieden oder verschoben die Inanspruchnahme medizinischer Hilfe nicht. Im Vergleich dazu waren es 28,5 Prozent in der Altersgruppe bis zu 34 Jahren und 28,9 Prozent in der Altersgruppe von 35 bis 54 Jahren. Während persönliche Termine in allen Altersgruppen zur bevorzugten Terminart gehören, gaben die jüngeren Befragten eher an, dass virtuelle bzw. Videotermine genauso effektiv sind (<34: 24,9 %; 35–54: 28,4 %; ab 55: 23,2 %).

Chronische Schmerzen – eine weit verbreitete Bürde

Chronische Schmerzen, definiert als anhaltende und langfristige Schmerzen, die länger als 12 Wochen dauern, betreffen ca. 100 Mio. Menschen in Europa. Die Ursachen für langfristige Schmerzen sind nicht immer offensichtlich und können stark variieren. Sie haben aber schwerwiegende negative Auswirkungen auf die Lebensqualität der Patienten. In einem Bericht der GAfPA (Global Alliance for Patient Access) von 2017 gab eine von drei Personen mit chronischen Schmerzen an, dass die besagten Schmerzen einen nicht mehr tolerierbaren Grad erreicht hätten. Beunruhigend ist, dass sich europaweit mehr als ein Drittel aller Befragten  (36,4 %) in der aktuellen Umfrage mit ihren Schmerzen vom Arzt nicht erst genommen fühlen.

In der von Boston Scientific in Auftrag gegebenen Umfrage wurden mehr als 2000 Patienten aus  Deutschland, Italien, Spanien und Großbritannien, die unter chronischen Schmerzen leiden, befragt. Die Befragung wurde im Mai und Juni 2021 von iVOX durchgeführt.

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