Streit mit dem Dienstleister

Versicherung als Problemkiller?

Weg vom klassischen Versicherungsgeschäft und hin zur Hilfe im Alltag: Weil nur versichern nicht mehr reicht, erobert die Assekuranz das Dienstleistungssegment – und kommt da auch Ärzten quer.

Stagnierender Markt. Die konservative Versicherung alleine bringt’s nicht mehr. „Der Markt für klassische Produkte stagniert“, heißt es beim Beratungsunternehmen Mummert. „Deshalb sollen Assistance-Leistungen einen Ausgleich darstellen!“ Der Autoschutzbrief für Kraftfahrer oder der Rückholservice der privaten Krankenversicherungen sind Vorbilder für ähnliche Produkte auf anderen Sektoren. Beispiel: So bieten etwa Hausratversicherungen zusätzlich die Organisation eines Rohrreinigungsservice oder Schlüsselservice an.

Senioren im Visier. Auch die Senioren werden als Zielgruppe neu entdeckt, und zwar nicht nur als Beitragszahler, sondern auch als Empfänger von zusätzlichen Serviceleistungen, etwa durch das Rote Kreuz oder die Johanniter bis hin zur Begleitung eines Arztbesuches oder zur Bestattungsvorsorge. Viele große Traditionsversicherer haben nunmehr eine Senioren-Unfallpolice mit speziellen Konditionen im Köcher. Und die neue Allianz-Pflegepolice, die im Sommer startet, hilft nicht nur nach einem Unfall, sondern auch, wenn sich der Gesundheitszustand durch Alter oder Krankheit allmählich verschlechtert. Vorausgegangen war die Unfallpolice, die „putzt, wäscht und einkauft“.

Hilfe nach der Klinik. Im März 2007 startete zudem der Schutzbrief der Allianz Pensionskasse (APK), der mit umfassenden Hilfeleistungen Menschen nach einem Krankenhausaufenthalt zur Seite steht. Zum Leistungsspektrum gehören ein Hausnotrufsystem, Menü-Service, Erledigung von Einkäufen, Wäsche-Service oder die Begleitung zu Arzt und Behörden. Darüber hinaus organisieren Spezialisten Hilfe bei der täglichen Körperpflege, beim Essen, Lagern oder Betten. „Kunden erwarten heute von ihrer Versicherung mehr als nur die pauschale Erstattung von Kosten“, erklärt Dr. Michael Albert, Vertriebsvorstand der APK. „Sie erwarten tatkräftige Unterstützung in schwierigen Situationen, sie erwarten Problemlösungen.“ Versicherer als Problemkiller? Weg vom klassischen Versicherungsgeschäft und hin zur Hilfe im Alltag: Weil nur versichern nicht mehr reicht, erobert die Assekuranz das Dienstleistungssegment – und kommt da auch Ärzten quer, meint A&W-Autor Claus Cory.

Kollisionen mit dem Arzt? Aufmerken sollten Ärzte, wenn Privatversicherer mehr Versorgungs- und Gesundheitsdienstleistungen offerieren, etwa konkrete Hilfe-Offerten für Blutdruck- oder Diabetespatienten. Zwar wird stets versichert: „Wir wollen in die Therapiefreiheit des Arztes nicht eingreifen!“ O-Ton DKV: „Das Ziel ist, den Kunden in seinem Gesundheitsmanagement zu unterstützen und ihm die bestmögliche medizinische Qualität bei optimaler Betreuung zukommen zu lassen!“ Aber die Grenzen rücken näher, auf die Kommunikation zwischen Arzt und Patient wird immer mehr Einfluss genommen. So heißt es in einem Versichertenschreiben: „Zahlen Sie größere Rechnungen nicht sofort, sondern warten Sie, was wir Ihnen erstatten!“ Und weiter: „Wenn Sie wünschen, sprechen wir bei strittigen Rechnungen direkt mit dem Arzt …“

A&W-KOMMENTAR

Tempora mutantur

Früher verwies die Assekuranz vornehm zurückhaltend auf den Direktvertrag zwischen Arzt und Patient, wenn zwischen beiden Parteien etwas unklar war und das Versicherungsunternehmen in den Ärger hineingezogen werden sollte. Heute drängen sich die Versicherer förmlich zwischen Arzt und Patient und wollen aktiv eingreifen, um Rechtshilfe zu leisten und um Kosten zu drücken. Primärer Streitpunkt ist dabei die Notwendigkeit der medizinischen Behandlung.

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