Altersvorsorge

Versorgungswerke: Müssen Ärzte in die gesetzliche Rente einzahlen?

Das Bundessozialgericht rüttelt an den Festen der berufsständischen Versorgungswerke und zwingt viele Rechtsanwälte in die Staatsrente. Könnte auch Ärzte dieses Schicksal ereilen?

Die meisten Freiberufler stehen, was ihre Al­tersvorsorge angeht, auf der Sonnenseite des Lebens. Während für gesetzlich Versicherte der Weg in die Altersarmut oft vorgezeichnet ist, zahlen die berufsständischen Versorgungswerke auch in schwierigen Zeiten meist ansprechende Renten aus.

Doch seit einigen Wochen wackelt das System. Grund: Mit drei Grundsatzurteilen hat das Bundessozialgericht (BSG) festangestellte Unternehmensjuristen  in die gesetzliche Rente gezwungen – und zwar auch dann, wenn sie eine Zulassung als Rechtsanwalt besitzen. Die Branche reagierte betroffen. „Das Urteil geht von völlig falschen Vorstellungen aus“, moniert etwa Hartmut Kilger, Vorsitzender des Vorstandes der Arbeitsgemeinschaft berufsständischer Versorgungseinrichtungen e. V. und kündigte an, den Richterspruch in Karlsruhe überprüfen zu lassen. Ein nachvollziehbarer Schritt. Denn etliche Beobachter befürchten, dass das Urteil für andere freie Berufe ebenfalls bedeutsam werden könnte – und damit auch für die Ärzteschaft.

Gleiches Recht für alle

Tatsächlich wäre es nur schwer nachvollziehbar, wenn  approbierte Ärzte, die bei Pharma-Firmen angestellt sind, zugunsten der berufsständischen Versorgung befreit werden könnten, während angestellte Juristen in Unternehmen Pflichtmitglieder der gesetzlichen Rentenversicherung sind – ohne Befreiungsmöglichkeit zur berufsständischen Versorgung.

Niedergelassene Ärzte in eigener Praxis müssen sich nach einhelliger Meinung der Fachwelt aber wohl keine Sorgen machen. Und auch die Betreiber von MVZ brauchen in Zukunft für festangestellte Kollegen kein Geld an die gesetzliche Rentenversicherung überweisen. Grund: Den Richtern kam es bei ihrer Entscheidung offenbar darauf an, ob ein Berufsträger eine Tätig­keit ausübt, die im Kern dem klassischen Berufsbild seines Standes entspricht. Anwälte müssen also Mandanten beraten, Ärzte sich um kranke Menschen kümmern.

Umgekehrt gilt: Auf eine Zulassung beziehungsweise auf eine Approbation kommt es nicht an, wenn es um die Versicherungspflicht im Versorgungswerk oder der gesetzlichen Rentenversicherung geht. Ein approbierter Arzt, der in einem Pharmakonzern für die Grundlagenforschung zuständig ist, muss daher wohl in die gesetzliche Rentenkasse einzahlen, während der Betriebsarzt desselben Konzerns auch weiterhin im Versorgungswerk versichert bleiben darf.

Vorteil Versorgungswerk

Berufsständische Versorgungswerke arbeiten nicht nach dem Umlage-, sondern nach dem Versicherungssystem. Beiträge werden also nicht, wie im staatlichen System, direkt für die Renten anderer Mitglieder verwandt, sondern gespart, verzinst und erst dann ausgezahlt, wenn der Versicherte Anspruch auf seine Rente hat. Ein Sozialausgleich findet nicht statt. Steuerzuschüsse fehlen. Es gilt der einfache Grundsatz: Wer viel einzahlt, bekommt viel, wer wenig einzahlt, wenig Rente. Alles in allem stehen die Mitglieder der Versorgungswerke im Alter dennoch meist deutlich besser da als gesetzlich Versicherte.

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