Banken tricksen ihre Kunden aus

Versteckspiel bei den Dispozinsen

Viele Ärzte zahlen in Deutschland zu hohe Zinsen für ihre Dispositionskredite. Stiftung Warentest kritisiert, dass die Zinsen häufig bewusst versteckt werden.

Unsere EC-Karten nutzen wir jeden Tag. Auch dann, wenn das Konto nicht ausgeglichen ist. Was wir gern verdrängen: Jeder Kontostand im Minus freut die Bank – und kostet den Kontoinhaber saftige Zinsen.

„Zu viele Banken nutzen den Dispozins, um ihre Kunden zu schröpfen“, sagte der Vorstand der Stiftung Warentest, Hubertus Primus, unlängst in Berlin. Der Spitzenzins für die Überziehung eines Girokontos lag bei satten 16 Prozent. Im Durchschnitt ermittelten die Tester bei den 1.472 untersuchten Geldhäusern einen Zinssatz von 10,25 Prozent.

Doch wie bewerten die Tester das Niveau der Dispozinsen? Den durchschnittlichen Dispozins von 10,25 Prozent hält die Stiftung Warentest noch immer für zu hoch. Der Grund: Geldhäuser könnten sich bei der Europäischen Zentralbank Geld derzeit fast umsonst leihen – und das Ausfallrisiko ist gering. Ein weiterer Punkt, der besonders wurmt, ist die mangelnde Transparenz von Banken und Sparkassen. Bei 56 Kreditinstituten sei es schwer gewesen, die genaue Höhe der Dispozinsen herauszufinden. Ein Teil gab einen Referenzzinssatz mit einem Aufschlag von x Prozent an. Andere Banken verlangten unterschiedliche Zinssätze je nach Kontomodell. Wieder andere machten die Höhe des Dispozinses von der Bonität des Kunden abhängig.

Sollten Kunden also die Finger von Girokonten mit hohen Dispo-Gebühren lassen? Die Höhe des Dispozinses sollte niemals das einzige Kriterium für die Auswahl eines Girokontos sein. Verbraucherschützer sagen, dass Bankkunden auch auf andere Kosten achten sollten. Gibt es einen niedrigen Dispozins steigen häufig die Kontoführungsgebühren. Das erschwere einen Vergleich. Immerhin verkünden Sprecher der Kreditwirtschaft, das eine große Zahl der deutschen Bankkunden den Dispokredit überhaupt nicht in Anspruch nimmt – und nur wenige Kunden nutzten ihn dauerhaft.

Der Bundesverband der Verbraucherzentralen (VZBV) verlangt sogar eine Deckelung des Dispozinses. „Transparente Angaben für Kosten bei einer Kontoüberziehung sind wichtig, aber nicht ausreichend“, sagte VZBV-Finanzexperte Frank-Christian Pauli. Auch die Bundesregierung hat sich mittlerweile des aktuellen Themas angenommen.

So sollen Kreditinstitute gesetzlich verpflichtet werden, die aktuellen Zinssätze gut sichtbar auf ihre Internetseite zu stellen. Zusätzlich müssen Banken und Sparkassen jenen Kontoinhabern künftig ein Beratungsgespräch anbieten, die ihren Dispokredit ein halbes Jahr lang zu durchschnittlich mehr als 75 Prozent ausgeschöpft oder ihr Konto über das eingeräumte Limit hinaus überzogen haben. Einen entsprechenden Entwurf hat das Bundeskabinett am 15. Juli dieses Jahres beschlossen. Das Justizministerium ist jedenfalls durch die Ergebnisse der Warentester alarmiert.

Es muss dringend Regelungen für mehr Transparenz geben, stellte das Justizministerium fest. Deshalb werde ein weiterer Gesetzentwurf zur Vergleichbarkeit von Girokonto-Konditionen vorbereitet. Zum Wohl der Verbraucher.

Autor: Thomas Soltau

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