Vorsicht geboten

Videobotschaften an die Erben können problematisch werden

Immer mehr Erblasser überlegen, nicht nur ein Testament zu errichten, sondern zugleich eine Videobotschaft für ihre Liebsten zu hinterlassen, in der sie auch ihre Beweggründe für das Testament erläutern. Das kann juristisch zu einem heillosen Durcheinander führen.

Der Gedanke ist gut gemeint. Man setzt nicht nur ein Testament auf, sondern hinterlässt seiner Familie auch eine persönliche Videobotschaft. Doch daraus können Probleme entstehen. Denn Testamente können wegen eines sogenannten Motivirrtums beim Erblasser angefochten werden.

Hierzu formuliert das Gesetz in § 2078 Abs. 2 BGB, dass eine Anfechtung möglich ist, wenn der Erblasser zu einer letztwilligen Verfügung „durch die irrige Annahme oder Erwartung des Eintritts oder Nichteintritts eines Umstands“ bestimmt worden ist. Wenn der Erblasser nun in einer Videobotschaft erklärt, warum er jemanden bedacht hat, so stellt sich nach seinem Ableben die Frage, ob dieses Motiv so wichtig war, dass die letztwillige Verfügung auch dann noch Bestand haben soll, wenn sich herausstellt, dass der Erblasser mit seinen Erwartungen falsch lag.

Beispiel aus der Praxis

Im Testament hat der Erblasser das Ferienhaus in Südtirol seiner Tochter vermacht. In der Videobotschaft erwähnt er, dass er dies getan habe, weil er davon ausgeht, dass sie auch künftig mit ihrer Familie dorthin fährt. Stattdessen verkauft die Tochter das Ferienhaus. Ihr Bruder erklärt aufgrund dessen die Anfechtung des Vermächtnisses, die Tochter verteidigt sich damit, dass der Vater ihr das Haus so und so vermacht hätte. Hierzu müssen Zeugen vernommen werden, der Ausgang des Prozesses ist ungewiss.

Daher gilt es festzuhalten:

Eine Videobotschaft kann ein klares und fachmännisch formuliertes Testament nicht ersetzen, darin geäußerte Wünsche sind rechtlich unverbindlich.
Im schlimmsten Fall kann sie aber ein Testament anfechtbar machen. Deshalb sollten in einer Videobotschaft testamentarische Verfügungen am besten nicht erwähnt und schon gar nicht kommentiert werden. Im Zweifelsfall sollte die Videobotschaft ebenso wie das Testament mit einem Fachanwalt für Erbrecht abgestimmt werden.
Diese Grundsätze gelten im Übrigen nicht nur für Videobotschaften, sondern auch für Briefe, mit denen der Erblasser seine Motive für die Testamentsgestaltung erklären möchte.

Dr. Anton Steiner, Fachanwalt für Erbrecht und
Präsident des Deutschen Forums für Erbrecht

 

Anzeige

Datenschutz in der Arztpraxis Teil 2: Auch Ärzte müssen sich gegen Cyber-Attacken absichern

Recherchen im Internet und die Kommunikation per E-Mail gehören in vielen Arztpraxen zum Arbeitsalltag. Gleichzeitig sind im Praxisnetzwerk die Gesundheitsdaten der Patienten und somit hochsensible P... Mehr
Author's imageJürgen VeitLeiter Kommunikation D-A-CH bei CompuGroup Medical Deutschland AG

Weitere Artikel zum Thema:


ERBRECHT

Mündliches Testament kann steuerlich wirksam sein


Absicherung für den Ernstfall

Risikolebensversicherung: Absicherung für die Familie


Über pflichtversicherte Ehepartner

Wie niedergelassene Ärzte von der Riester-Rente profitieren können


Erbschaft

Behördengänge und Schriftwechsel: Was Erben wissen müssen


Anzeige