Praxisbewertungen

Das Erschaftssteuerrecht und die Besteuerung des Praxisvermögens

Wie wirkt sich das neue Erbschaftssteuerrecht auf Bewertung und Besteuerung des Praxisvermögens aus? Wir erklären, warum Praxiswertgutachten neuerdings so viel schwieriger sind.

Fachleute sind sich einig: Das seit 1. Januar 2009 geltende „vereinfachte Ertragswertverfahren“ des Bewertungsgesetzes für Zwecke der Erbschaft- und Schenkungssteuer wird zu Überbewertungen von Praxen führen. Andererseits wirken sich die erheblichen Änderungen in der Gebührenordnung negativ auf die Praxiswerte aus.

Ging es um die Ermittlung eines Praxiswerts, bedienten sich die Gutachter bislang vereinfachter branchentypischer Preisfindungsmethoden. Die Bundesärztekammer provozierte mit neuen Hinweisen zur Praxiswertermittlung jedoch viel Unruhe. Das vom Gesetzgeber vorgesehene vereinfachte Ertragswertverfahren ist nicht anwendbar, wenn für den zu bewertenden Unternehmenstyp ein anderes anerkanntes, auch im gewöhnlichen Geschäftsverkehr für nichtsteuerliche Zwecke übliches Verfahren einschlägig ist. Etwa ein Multiplikatorenverfahren oder Kammerhinweise.

Neue Multiplikatoren nach dem 31. Dezember 2008 gibt es aber nicht, da der EBM je nach KV ländermäßig und unterschieden in die rund 50 verschiedenen Arztgruppen sehr stark voneinander abweicht. Theoretisch müssten sich am Markt seit dem 1. Januar 2009 rund 850 Multiplikatoren für die verschiedenen Arztrichtungen je nach Berufssitz bilden, die, wenn sie repräsentativ sein sollen, mindestens 30 Praxen umfassen müssten. Also wären erst mal mindestens 25.500 Bewertungsfälle zu erfassen, um überhaupt neue Multiplikatoren ermitteln zu können.

Aber auch das vom Gesetzgeber geschaffene „vereinfachte Ertragswertverfahren“ (§§ 199 ff. BewG) führt praktisch zu falschen Ergebnissen, da der zu ermittelnde Ertrag der Vergangenheit bei Arztpraxen keine brauchbare Beurteilungsgrundlage mehr bietet. Es wird nicht berücksichtigt, dass die sinnhafte Grundlage für die Bewertung einer Praxis ja der zukünftig nachhaltig zu erzielende Gewinn sein muss.

Der Gesetzgeber erlaubt auch die Verwendung von anderen Methoden, wenn der so ermittelte Wert
innerhalb des Wertkorridors „gemeiner Wert“ liegt, den das gesetzliche Bewertungsgebot vorgibt. Die Feststellungslast, ob eine solche alternative Methode anwendbar ist, trägt in der Regel der Steuerpflichtige. Durch die fehlenden Multiplikatoren und falschen Vergangenheitswerte ist deshalb anzuraten, bei Bedarf stets individuelle Gutachten erstellen zu lassen.

Nun hat der BGH mit seinem Urteil vom 6. Februar 2008 sehr konkret Stellung bezogen, was das
kalkulatorische Arztgehalt einerseits, und die angewandte Gutachtermethode zur Bewertung andererseits anbelangt. Auch das Bewertungsgesetz sieht einen „angemessenen Unternehmerlohn“ vor. Der Gesetzgeber gibt aber keinen Hinweis, wie der zu berechnen ist. Für Ärzte ist laut BGH-Urteil von einem individuellen, nach den jeweiligen Orts- und persönlichen Verhältnissen ermittelten Ansatz auszugehen.

Die Ermittlung des richtigen kalkulatorischen Arztlohns wird jedoch nach Einführung des Regelleistungsvolumens seit dem 1. Januar 2009 besonders schwierig. Gefühlt nachvollziehbar: Einem Mediziner in Nordrhein-Westfalen ist gegenüber seinem Kollegen in München sicherlich ein niedriger „Arztlohn“ zuzusprechen, da er ja auch gebührenmäßig niedriger vergütet wird.

auw.de-KOMPAKT

Prospektive BW-Analyse

Praxisbewertungen sind sehr schwer zu typisieren. Medizinische Praxen sind individuell zu bewerten, da ist den BGH-Richtern zu folgen. Die Anforderungen an individuelle Praxisbewertungen sind also für die
Zukunft noch höher geworden. War es bislang häufig eine Frage der wertmäßigen Ermittlung materieller und immaterieller Werte, so ist es nun eine Aufgabe der prospektiven betriebswirtschaftlichen Analyse.

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