Durchschnittliche Kündigungsfristen

Versicherungen: Vorsicht beim Ausstieg!

Jeder Bundesbürger hat im Schnitt sechs Policen. Viele sind damit über-, unter- oder falsch versichert und wollen deshalb stornieren oder wechseln. Doch Vorsicht: Der Policen-Ausstieg birgt viele Gefahren.

Vorschnelle Unterschriften: Grundsätzlich können Sie innerhalb bestimmter Fristen vorschnelle Unterschriften stornieren. Das richtet sich danach, wann Sie die entsprechende Produktinformation erhalten haben. Übergibt sie der Vermittler bei der Antragstellung, können Sie binnen zwei Wochen nach Antrag widerrufen. Werden die vorgeschriebenen Informationen (gemeint sind vor allem die Versicherungsbedingungen und Verbraucherinformation) erst mit Versendung der Police mitgegeben, darf innerhalb von zwei Wochen nach Erhalt der Police widersprochen werden.

Kündigungsbedingungen: Je nach Versicherungssparten gelten unterschiedliche Voraussetzungen für eine Stornierung. So etwa können Sie Lebensversicherungen von heute auf morgen kündigen. Aber: Sie verlieren dabei sehr viel. Deshalb besser beitragsfrei stellen oder verkaufen. Vorsicht auch bei PKV-Kündigungen. Ein Wechsel lohnt sich ohnehin nur, wenn Sie nicht älter als 40 Jahre sind. Das neue PKV-Unternehmen erkundigt sich über Ihre Erkrankungen der letzten drei bis fünf Jahre – oder fragt Sie nach Ihren Krankenhausaufenthalten der letzten fünf bis zehn Jahre. Wenn da was vorliegt, sollten Sie besser erstmal einen Probeantrag stellen. Sollte er abgelehnt werden, können Sie es danach immer noch anderweitig versuchen, ohne dass die vorherige Ablehnung im neuen Antrag erwähnt werden muss. Bei den Sachversicherungen gibt es bei älteren Verträgen komplizierte Voraussetzungen. Aber auch hier Vorsicht: Wenn Sie wechseln wollen, wird auch in diesen Fällen nach Vorschäden gefragt. Entweder der neue Vertrag wird mit Aufschlägen angenommen oder komplett abgewiesen.

Verträge werden saniert. Generell: Es ist zwar schnell gekündigt, aber nicht schnell wieder neu versichert. Selbst in der Arzthaftpflichtversicherung ist es gefährlich, vorschnell zu kündigen und zu wechseln. Die neue Gesellschaft erkundigt sich natürlich bei dem alten Unternehmen nach dem Schadenverlauf. Schon bei einem Schadenfall tut man sich schwer, woanders unterzukommen. Und wer gar beim alten Unternehmen als „schadenträchtig“ eingestuft wird, kann rausfliegen. Stichwort Bestandssanierung. Angefangen hat die Sanierungswelle bei den Rechtsschutzversicherern. Diese führen bevorzugt gestiegene Anwaltskosten und Gerichtsgebühren als Grund an. Zwar kann man verstehen, dass Versicherer manche „Prozesshansel“ loswerden wollen, aber Massenkündigungen wie geschehen sind unglaubwürdig.

Neuerdings sind immer mehr Kunden von Hausrat- und Wohngebäudeversicherungen betroffen, auch Arztpraxen. Und für Elementarschäden lehnen die meisten Versicherungen eine Deckung ab, wenn in den letzten zehn Jahren solche Schadenereignisse aufgetreten sind.

Fazit: Bevor Sie einen Versicherungsvertrag vorschnell kündigen und die Gesellschaft wechseln, sollten Sie wissen, ob ein anderer Anbieter Sie auch ohne weiteres wieder aufnimmt.

A&W-DOKU

So kommen Sie aus Versicherungspolicen üblicherweise wieder raus (bitte im jeweiligen Fall die genauen Vertragsklauseln prüfen!):

Sachversicherungen (Gebäude, Hausrat, Unfall, Privathaftpflicht)

Kündigungsmöglichkeiten:

  1. Zum Vertragsende, danach jährlich zum Ende des Versicherungsjahres.
  2. Nach jedem Schadenfall mit sofortiger Wirkung oder zum Ende des Versicherungsjahres.
  3. Kündigung wegen Beitragserhöhung: Verträge die nach dem 29.07.1994 abgeschlossen wurden: Kündigung zu dem Termin, an dem die Erhöhung wirksam wird. Verträge die zwischen 01.01.1991 und 29.07.1994 abgeschlossen wurden: wie oben, aber nur, wenn der Beitrag um mehr als fünf Prozent steigt. Verträge, die vor dem 01.01.1991 abgeschlossen wurden: Wenn der Beitrag um mehr als zehn Prozent angehoben wurde.

Frist:

  1. Drei Monate
  2. Innerhalb eines Monats ab Leistung oder Ablehnung
  3. Innerhalb eines Monats nach Erhalt der Beitrags

Rechtsschutz

Kündigungsmöglichkeiten:

Normale Kündigung wie bei Sachversicherungen. Im Schadenfall:

  1. Kündigung nach dem zweiten und jedem weiteren Rechtsschutzfall innerhalb von zwölf Monaten.
  2. Wenn der Versicherer trotz Leistungspflicht die Leistung ablehnt, Kündigung mit sofortiger Wirkung oder zum Ende des Versicherungsjahres. Bei Beitragserhöhung: Wenn die Prämie um mehr als 15 oder 30 Prozent in den letzten drei Jahren verteuert wird.

Frist:

  1. Innerhalb eines Monats ab der Deckungszusage mit Monatsfrist.
  2. Innerhalb eines Monats nach Ablehnung.

Auto

Kündigungsmöglichkeiten:

  1. Zum Ende des Versicherungsjahres (meist Ende Kalenderjahr).
  2. Nach jedem Schadenfall oder jeder Beitragserhöhung mit sofortiger Wirkung oder zum Ende des Versicherungsjahres beziehungsweise zu dem Termin, an dem die Erhöhung wirksam wird – jeweils innerhalb eines Monats.

Frist:

  1.  Ein Monat; bei älteren Kaskopolicen drei Monate.
  2. Binnen Monatsfrist nach Leistung oder Ablehnung

Berufsunfähigkeit

Kündigungsmöglichkeiten:

Zum Ende des Versicherungsjahres, bei Ratenzahlungen auch mit einer Frist von einem Monat zum Ende jedes Zahlungsabschnitts, aber frühestens zum Ende des ersten Versicherungsjahres.

Frist:

Ein Monat. Für Zusatzpolicen gilt die Frist der Hauptversicherung.

Leben

Kündigungsmöglichkeiten:

Zum Ende des Versicherungsjahres, bei Ratenzahlungen auch mit einer Frist von einem Monat zum Ende jedes Zahlungsabschnitts, aber frühestens zum Ende des ersten Versicherungsjahres.

Frist:

Ein Monat.

PKV

Kündigungsmöglichkeiten:

Zum Ende des Versicherungsjahres. Besonderheiten: Manche Anbieter sehen drei Jahre Mindestlaufzeit vor.

Frist:

Drei Monate.

Anzeige

Cyberattacke kann Arzt die Reputation kosten

Wenn Praxen zur Zielscheibe von Hacker-Angriffen werden, stehen Geld, Zeit und Patientendaten auf dem Spiel. Mehr
Author's imageAxel SchirpProduktmarketing bei HDI Vertriebs AG

Weitere Artikel zum Thema:

Berufsunfähigkeit

Spezielle Versicherung für Ärzte


Vorteile für Selbständige und Gewerbetreibende

Telefontarif für Selbständige


Marburger Bund

Sonderkonditionen für Mitglieder


Informationen für Ärzte und ihre Mitarbeiter

Betriebliche Altersversorgung (Teil 3): der Pensionsfonds


Urteil

Versicherung haftet für Kostenzusage


Anzeige