Versicherungspolicen

Vorsicht, der Verkauf wird steuerpflichtig

Über 90 Millionen LV-Policen haben die Deutschen abgeschlossen. Jede zweite wird aber vorzeitig gekündigt und beschert Verlust. Alternative: Verkauf. Doch da will der Staat künftig mitverdienen.

Dr. Claudia S. hatte sich gerade für die Modernisierung ihrer Praxis verschuldet, als sie das Traumhaus fand, nach dem sie schon immer suchte. Mehrere Banken prophezeiten ihr Überschuldung, wenn sie den Kaufpreis voll über eine Hypothek finanziert. Einen Ausweg verhieß ihre hohe Lebensversicherung, für die sie schließlich knapp 300.000 Euro bekam. Doch Dr. S. hat den Vertrag nicht einfach storniert, sie hat ihn verkauft.

Ankäufer-Firmen zahlen im Schnitt sieben bis acht Prozent mehr, als der Rückkaufswert einer Police beträgt, bedienen sie bis Fälligkeit weiter und kassieren dann den Schlussgewinn. Ein lohnendes Geschäft für Käufer und Verkäufer, das inzwischen einen florierenden Zweitmarkt für Lebensversicherungen entstehen ließ. Marktführer ist Cash Life AG, gefolgt von Policendirekt und der CFI Fairpay AG.

Doch solche Ankäufer-Firmen kaufen nicht jeden Vertrag. Stefan Kleine-Depenbrock, Cash Life AG: „Wir kaufen klassische Lebensversicherungen und auch Rentenversicherungen mit maximale 15 Jahren Restlaufzeit und mindestens 5.000 Euro Mindestrückkaufswert. Grundsätzlich nicht kaufen wir Direktversicherungen, da sie nicht abtretbar sind. Und auch um Fondsgebundene machen wir einen Bogen, weil wir hier das Risiko scheuen.“

Der Vorteil für den Kunden: Er bekommt mehr Geld als beim Storno. Zudem bleibt in der Regel der Todesfallschutz für die Begünstigten bestehen, da der Vertrag ja fortgeführt wird. Bei einem Storno erlischt der Vertrag dagegen samt Todesfallschutz. Weiterer Vorteil, noch: Bislang ist der Verkauf einer Police steuerfrei. Die Bundesregierung schiebt nun aber einen Riegel vor. Stichwort Abgeltungssteuer. Ab 2009 müssen beim Verkauf einer Police 25 Prozent Abgeltungssteuer plus Solidaritätszuschlag abführen werden. Das gilt für alle vor 2005 abgeschlossenen Altverträge mit einer Laufzeit unter zwölf Jahren. Der Verkauf von Verträgen mit einer Laufzeit über zwölf Jahren bleibt dagegen auch weiter steuerfrei.

A&W-Rechenbeispiel: Erhält ein Versicherter einen Rückkaufswert inklusive Verkaufsaufschlag von 20.000 Euro und hat er im Laufe der Jahre 15.000 Euro Prämien einbezahlt, wird fortan auf den Gewinn von 5.000 Euro die Abgeltungssteuer fällig. Das sind 1.250 Euro plus Solidaritätszuschlag. Hat der Versicherer nun zum Beispiel einen Rückkaufswert von 10.000 Euro ermittelt, ist dieser niedriger als die einbezahlten Prämien von 15.000 Euro. So entsteht ein Verlust. Das ist häufig in den Anfangsjahren des Vertrages der Fall, wenn erst einmal Provisionen und Gebühren beglichen werden. Bei diesem Verlust fällt dann keine Abgeltungssteuer an.

 

A&W-TIPP

■ Wer seine LV-Police aufzulösen will, sollte dies noch vor 2009 machen. Man kann sie allerdings auch abtreten, sollte dies aber rechtzeitig tun, da es Monate dauern kann, bis alles vollzogen ist. Die Versicherer verzögern nämlich oft den Verkauf.

■ Bevor Sie Ihre Police verkaufen, sollten Sie sich immer erst von Ihrem Versicherer den Rückkaufswert und die einbezahlten Prämien ausrechnen lassen. Ergibt sich ein Verlust, sollten Sie auf jeden Fall Alternativen prüfen. Besser kann es sein, den Vertrag weiterlaufen zu lassen und beitragsfrei zu stellen. So geht der Schlussgewinn nicht verloren, auch wenn er geringer ausfällt. Unter Umständen kann man auch die Laufzeit verkürzen und so die Police retten. Finanziell lohnender ist es immer, den Vertrag zu Ende zu führen.

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