Haftungsfälle häufen sich

Risiko Berufshaftpflicht: Vorsicht, Ihnen droht Unterversicherung!

Die Zahl der Haftungsfälle für Ärzte steigt seit Jahren, auch die Entschädigungssummen bei einem Schaden gehen nach oben. Zwar sind Mediziner verpflichtet, eine Berufshaftpflichtversicherung abzuschließen, doch nicht alle bieten ausreichenden Schutz. Mit der aktuellen Entwicklung wächst für viele Ärztinnen und Ärzte auch die Gefahr in die Unterversicherung zu geraten. Vor allem, wer seine Versicherung vor vielen Jahren abgeschlossen hat, sollte prüfen, ob der Versicherungsschutz noch „up to date“ ist.

Mit dem Beruf des Arztes geht die Verpflichtung einher, eine Berufshaftpflichtversicherung abzuschließen. Dieser Schutz ist nicht nur für Freiberufler ausgesprochen sinnvoll. Bald jeder zweite Mediziner befürchtet künftig gerichtliche Klagen von Patienten wegen Komplikationen nach einer Behandlung. Jeder Dritte sieht für sich in den kommenden drei Jahren das Risiko grober Behandlungsfehler. Das geht aus einer Studie des F.A.Z.-Instituts hervor. „Die Patienten sind mündiger geworden“, sagt Fachanwalt Karl-Otto Bergmann. Zudem stärken die Gerichte die Patientenrechte und bestätigen bei einem Schaden häufiger Schadenersatzansprüche.

Die Höhe der Ersatzleistungen habe sich „dramatisch verändert“. Die Schmerzensgelder und die Heilbehandlungskosten, die die Kassen regressieren, seien unverhältnismäßig angestiegen. Auffällig sei zudem auch, dass aufgrund rechtlicher Gegebenheiten bei einem Schaden immer öfter von einer Haftung des Mediziners auszugehen ist. So führt ein Befunderhebungsfehler laut Rechtsprechung immer öfter zur Beweislastumkehr. Das hat auch Auswirkungen auf den Versicherungsschutz der Kunden.

Vorsicht vor Unterversicherung

Wenn Sie nicht Gefahr laufen wollen unterversichert zu sein, dann sollten Sie eine Deckungssumme von mindestens drei bis fünf Millionen Euro für Personen-und Sachschäden sowie 100 000 bis 250 000 Euro für Vermögensschäden haben. Des Weiteren sollten Sie dabei die individuellen Fachbereiche, der Leistungen und der Anzahl der angestellten Ärzte sowie MFA berücksichtigen.

Besonders gefährdet sind Freiberufler, die an der falschen Stelle sparen. Wer unterversichert ist, muss die Kosten eines Schadens nämlich selber tragen. Die Versuchung, sich trotzdem die billigste Haftpflichtversicherung zu nehmen, ist gerade zu Beginn der Berufslaufbahn sehr groß, denn geprüft wird der Versicherungsschutz nur selten. „Es gibt sogar Ärzte, die sind überhaupt nicht versichert“, sagt der Lübecker Rechtsanwalt Joachim Heising, „die wissen nicht, welch gigantische Forderungen sie treffen können. Allein 2.000 Euro Schmerzensgeld-Rente im Monat sind bei 30 Jahren über 700.000 Euro!“

So können sich lebenslange Heilbehandlungs- und Pflegekosten, Schmerzensgeld und Familienunterhalt zu riesigen Summen türmen. Wer nicht ausreichend versichert ist, den kann ein Fehler im Beruf seine Existenz kosten, „Gerade die Fachrichtungen Orthopädie, Chirurgie, Neurochirurgie, Mund-, Kiefer-, Gesichtschirurgie, Radiologie und Nuklearmedizin sind von zunehmenden Patientenklagen betroffen“, meint Thomas Moll von der Gothaer. Weshalb seine Versicherung bei Fachrichtungen mit hohem Risiko, wie z.B. Chirurgie, Gynäkologie oder Orthopädie, keine Berufshaftpflichtversicherung unter fünf Millionen Euro mehr anbietet.

Nicht verwechseln: Berufs- Betriebshaftpflicht

Im Gegensatz zur Betriebshaftpflicht ist die Berufshaftpflicht gesetzlich vorgeschrieben. Die Berufshaftpflicht ist speziell für bestimmte Berufsgruppen, deshalb gewährt sie einen Versicherungsschutz für einzelne Personen. Wohingegen die Betriebshaftpflicht den ganzen Betrieb versichert. Allerdings lassen sich Berufs- und Betriebshaftpflicht nicht immer so eindeutig unterscheiden, denn die Versicherungsgesellschaften bieten mittlerweile zum Teil auch Tarife an, die beide miteinander verbinden.

arzt-wirtschaft.de FINANZEN-KOMPAKT

Nicht unter 3 Millionen Euro

– Durch das neue Vertragsgesetz haben Versicherer und Vermittler hohe Beratungspflichten, die in der Berufshaftpflicht besonders bedeutsam sind.

– Ihre Deckungssumme sollte nicht unter drei Millionen Euro betragen.

– Wichtig ist auch, dass Ihr Versicherer Angebote zur Aktualisierung macht.

– Noch wichtiger, dass er auf sein Sonderkündigungsrecht nach einem Schadensfall verzichtet.

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