Gastbeitrag von Uwe Zimmer

Warum die V-förmige Erholung an der Börse neue Gefahr bedeutet

Rauf, runter, U, V, W, genauso verhält es sich an der Börse, aber was erwartet uns nach der Corona-Pandemie?  Experte Uwe Zimmer* gibt Aufschluss darüber, wie der Aktienmarkt sich verhalten könnte.  

Die Börse hat eine beispiellose Aufholjagd hingelegt. Allerdings waren die Umsätze im DAX eher schwächer, nur wenige Investoren waren voll investiert. Wer sich jetzt ärgert, kann vielleicht schon bald aufatmen. Die v-förmige Erholung an der Börse wird nicht durch eine gleichlaufende Bewegung der Wirtschaft begleitet. Das bedeutet Gefahr für den Börsenaufschwung.

Das V als priorisierter Buchstabe der Pandemie

In der Buchstabensuppe war das V der große Favorit der Konjunkturexperten. Schneller Absturz, schneller Wiederaufstieg. Gemeint war allerdings nicht die Börse, sondern die Realwirtschaft. Während die Märkte in Superlativen schwelgen und die Kurse jede Folge der Pandemie bereits verarbeitet haben, hinkt die reale Wirtschaft deutlich hinterher. Hier ist nach dem steilen Absturz eher von einem langsamen Wiederaufstieg auszugehen.

Dass die Märkte trotzdem boomen, liegt an der Zufuhr gewaltiger Summen frischen Geldes. Das von Regierungen und Notenbanken bereitwillig in den Markt gepumpte Geld schafft es, dass die Börsen boomen. Das ist durchaus gewollt, denn eine gut laufende Börse hebt die Stimmung und hält von dunklen Gedanken über die Zukunft ab.

Viele haben den Einstieg verpasst

Viele Anleger haben die Jubelfeier verpasst. Zumindest deutsche Investoren sind nicht direkt nach dem Turbocrash wieder eingestiegen. Manch einer musste im Abschwung aussteigen, weil seine Anlagerichtlinien das vorgaben oder weil er gegenüber seinen Kunden stets Risikoparameter nachweisen musste. In einem Crash wie diesem aber spielten die Kennzahlen verrückt. Die Risikobewertung war kaum noch möglich, ein Ausstieg aus dem Markt fast unumgänglich. Nun haben diese Anleger Verluste in den Büchern stehen.

Freuen können sich diejenigen, die zu langsam waren oder die – bewusst oder unbewusst – die Regeln ignorierten. Sie blieben im Markt und wurden belohnt. Das muss nicht so bleiben. Vollzieht der Markt die Entwicklung der wirklichen Wirtschaft nur einigermaßen nach und bleibt die Stimmung im echten Leben so gedrückt, dann wird sich die Börse nicht davon frei machen können.

Das bedeutet: Ein neuer Crash bahnt sich an. Dann wächst in der Buchstabensuppe die Hoffnung auf das W. Aber das ist eine andere Geschichte.

*Der Autor: Uwe Zimmer ist Geschäftsführer der Fundamental Capital GmbH in Hennef. 

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