Strategische Ruhestandsplanung für Ärzte, Teil 1

Warum frühzeitige Planung so wichtig ist

Viele Ärzte gehen trotz steigendem Bedarf das Thema Altersvorsorge nicht an. Dabei ist eine umfassende und individuelle Planung essenziell, um den gewohnten Lebensstandard auch im Alter zu halten. Die Serie „Strategische Ruhestandsplanung für Ärzte“ zeigt, was zur Absicherung wichtig ist.

Immer mehr Mediziner sorgen sich um ihr finanzielles Auskommen im Alter – trotz Versorgungswerken. Nicht unbegründet: Eine kürzlich veröffentlichte Studie von Bertelsmann zeigt, dass auch Akademiker nicht immer ausreichend abgesichert sind. Trotzdem handeln die meisten nicht und viel zu viel Geld liegt unverzinst auf Konten und Sparbüchern. Darum lohnt es sich, die Finanzen frühzeitig in den Blick zu nehmen.

Denn für jeden Mediziner – angestellt oder niedergelassen – kommt früher oder später der Tag, an dem er sich vollständig aus dem Berufsleben in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet. Ruhestand – das ist der Zeitpunkt, an dem die Ausgaben nicht mehr aus den bisherigen Einnahmen aus einer beruflichen Tätigkeit gedeckt werden. Die meisten Mediziner wissen übrigens sehr konkret, wann sie ihre Tätigkeit als Arzt an den Nagel hängen möchten.

Ruhestand muss durchdacht sein

Um für den Tag X gut vorbereitet zu sein, sollten sie sich im Vorfeld einige Gedanken zu finanziellen Aspekten machen: Welche Konsequenzen bringt die Ruhestandsentscheidung mit sich? Welche Wünsche und Ziele habe ich für den Ruhestand? Und welche Gestaltungsmöglichkeiten stehen mir bis dahin noch zur Verfügung?

In einem ersten Schritt muss Klarheit über die eigenen Vorstellungen für die Zeit bis zum Eintritt in den Ruhestand und danach herrschen. Das klingt einfach – kann aber für einiges Kopfzerbrechen sorgen, gerade wenn der Ruhestand mit einem Partner verbracht werden soll. Denn auch dessen Vorstellungen und Einstellungen sollen bei der Ruhestandsplanung berücksichtig werden, genauso wie das familiäre Umfeld. Hilfreich ist deshalb der Abgleich der Vorstellungen zum Ruhestand mit dieser Checkliste.

Zeitpunktbetrachtung vs. Zeitraumbetrachtung

Während des Berufslebens findet meistens eine Zeitpunktbetrachtung statt: Wann möchte ich mich beruflich verändern, wann eine Familie gründen? Wann ist der richtige Zeitpunkt für eine Immobilie? Die Ausgaben werden maßgeblich durch die Höhe der Nettoeinkünfte bestimmt. Der Lebensstandard baut sich analog zum Einkommen auf, das Vermögen wächst und die Familie entwickelt sich entsprechend weiter. Dieser Planungshorizont erstreckt sich bis zum Ruhestand. Die finanziellen Entscheidungen erfolgen gemäß dem Grundsatz „Lebenslange Ausgaben müssen durch lebenslange Einnahmen gedeckt sein. Das gilt in jeder Lebenssituation.“

Im Gegensatz zu der Zeitpunktbetrachtung liegt im Ruhestand eine Zeitraumbetrachtung vor. Der Lebensstandard wird nicht mehr aufgebaut, sondern soll bis zum Lebensende erhalten werden. Es geht auch nicht mehr um den Aufbau von Immobilienwerten oder der eigenen Praxis, sondern um deren Verwendung in den kommenden Jahren. Gerade bei der Zeitraumbetrachtung spielen individuelle Überlegungen eine große Rolle, zum Beispiel die Weitergabe der Vermögenswerte an die Kinder, die Abgabe der Praxis oder die Konsequenzen eines Pflegefalls.

Der bereits erwähnte Grundsatz gewinnt nochmals an Bedeutung. Denn die Weichen für die Einnahmen im Ruhestand sind bereits gestellt und die Handlungsspielräume – also die Einkommensmöglichkeiten – nicht mehr dieselben wie in der Erwerbsphase.

Ruhestandsplanung: Wo anfangen?

Um einen sorgenfreien Ruhestand genießen zu können, sollten Mediziner im Rahmen einer strategischen Ruhestandsplanung sowohl ihre individuellen Vorstellungen als auch die wirtschaftliche Faktenlage in Einklang bringen. Im Vordergrund stehen die Pflichtausgaben wie Krankenversicherung, Wohnkosten oder Lebenshaltung, die durch laufende, lebenslange Einnahmen abgedeckt werden müssen. Die Basis hierfür bildet die Rente durch das Versorgungswerk, gegebenenfalls ergänzt durch eine betriebliche Altersvorsorge oder Mieteinnahmen.

Allerdings: Nicht immer ist diese Basis ausreichend, um alle Wünsche im aktiven Ruhestand wie Hobbies und Reisen oder Risiken mit dauerhaft zusätzlichen Ausgaben, z. B. durch einen Pflegefall, auch abzudecken. Deshalb sollten sich Mediziner mit der Frage auseinandersetzen, wie sie ihr vorhandenes Kapital verwenden möchten und welche Aufbauarbeit bis zum Ruhestandszeitpunkt noch geleistet werden kann.

Eine valide und individuelle Ruhestandsplanung besteht aus verschiedenen Bausteinen, die wir im Rahmen der Serie „Strategische Ruhestandsplanung für Ärzte“ näher erläutern. Denn nur, wenn alle Möglichkeiten für die optimale Altersvorsorge bekannt sind und ausgeschöpft werden, lassen sich eine unliebsame wirtschaftliche Überraschung im Ruhestand und ein reuevolles „Ach, hätte ich das nur früher gewusst…“ vermeiden.

Möchten Sie mehr zum Thema Ruhestandsplanung lesen?
Der zweite Teil der Serie erscheint am 15. April und wirft einen Blick auf die Grundlagen und notwendigen Annahmen in der Ruhestandsplanung – also beispielsweise wie sich die Inflation und Steuern auf das Vermögen auswirken, mit welcher Lebenserwartung momentan geplant werden sollte und welche Rolle der Renteneintrittspunkt spielt bzw. wie dieser überhaupt zu definieren ist.

Teil 3: Alles rund ums Betongold
Teil 4: Erben und Schenken: Was passiert mit Ihrem Geld?
Teil 5: Entspannt im Ruhestand: Störfaktoren gezielt absichern
Teil 6: Vermögen: Was Sie haben, was Sie brauchen
Teil 7: So machen Sie Ihre Praxis zu Geld

 

The following two tabs change content below.

Martin Doppler

Martin Doppler

Finanzberater bei MLP Finanzberatung SE

Martin Doppler ist Berater beim Finanzdienstleister MLP in der Geschäftsstelle Kaiserslautern. Nach seiner Bankausbildung und dem Jurastudium kam er 1997 zu MLP und berät seitdem im Schwerpunkt Mediziner in allen für sie relevanten Finanzfragen. Er ist zertifizierter Ruhestandsplaner (FH) und Lehrbeauftragter an der Hochschule Kaiserslautern.

Anzeige

Honorararzttätigkeit und ihre Tücken

Die Tätigkeit als Honorararzt ist ein Trend, von dessen Flexibilität Auftraggeber und Arbeitnehmer profitieren. Allerdings gibt es bei der Vereinbarung einige kritische Punkte, die man genau prüfen... Mehr
Author's imageAxel SchirpProduktmarketing bei HDI Vertriebs AG

Weitere Artikel zum Thema:


Buchführung

Warum exakte Buchführung so wichtig ist




STEUERMONITOR

Das sollten Sie bei der Planung von Betriebsveranstaltungen beachten


Anzeige