Gewinne statt Schlagzeilen

Warum Mittelstands-Aktien mehr Potenzial haben

Die Deutsche Börse hat mit Wirkung zum 24. September ihre maßgeblichen Indizes neu geordnet: MDAX und SDAX, die Indizes für größere und kleinere Mittelstandswerte, wurden um die Aktien von 10 bzw. 20 Unternehmen erweitert. Zudem sind, wie in den USA auch, nun Mitgliedschaften in mehreren Indizes möglich. Damit rückt die Deutsche Börse den Blick der Öffentlichkeit auf ein Segment, das oft zu wenig Beachtung findet – zum Schaden der Anleger, denn: Der MDAX wie auch der SDAX haben den DAX seit der Finanzkrise vor zehn Jahren alt aussehen lassen.

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Der MDAX – abgeleitet von „Mid-Cap-DAX“ für die 50 Unternehmen, die nach Umsatz und Marktkapitalisierung auf den DAX folgen – hat den großen Bruder in der Wertentwicklung klar und deutlich geschlagen. Seit dem Tiefpunkt im Frühjahr 2009 hat der Mid-Cap-Index inklusive Dividenden über 530 Prozent zugelegt – und sich so im Wert mehr als versechsfacht. Der SDAX, der als „Small-Cap-DAX“ die 50 nächstkleineren Aktiengesellschaften umfasst, schaffte einen Zuwachs von 470 Prozent. Damit schlugen die Indizes den großen Bruder, der seit 2009 „nur“ 240 Prozent hinzugewann, um (mehr als) das Doppelte.

Doppelt so hohe Rendite wie der DAX

Wie kommt es zu dem gravierenden Unterschied? Für Thilo Stadler von der bankenunabhängigen Vermögensverwaltung Independent Capital Management in Neuss ist ein maßgeblicher Grund, dass sich viele mittelgroße Unternehmen in Deutschland zu Weltmarktführern in ihrer jeweiligen Nische emporgearbeitet haben – ein Vorteil, den die meisten DAX-Unternehmen so nicht hätten. „Ob Roboterhersteller, Maschinenbauer oder Großküchen-Produzent – viele der Unternehmen im MDAX und SDAX profitieren stärker als DAX-Konzerne, wenn die globale Konjunktur anzieht oder Regionen wie Asien einen Boom erleben“, so der Vermögensverwalter (s. Interview).

Weltmarktführer in der Nische

Dass M- und SDAX in den vergangenen Jahren gut „liefen“, habe aber auch an spürbaren Kostensenkungen der Unternehmen seit der Finanzkrise gelegen: „Geringere Kosten bei gleichem bzw. mehr Umsatz führen zu mehr Gewinn und rechtfertigen tendenziell höhere Aktienkurse“, erklärt Stadler.

Noch ein weiterer Aspekt könnte für die Outperformance verantwortlich sein, wie Fachleute das bessere Abschneiden nennen. „Die Unternehmen in der zweiten und dritten Reihe werden von Analysten weniger intensiv beobachtet. Auch in dieser Hinsicht sind sie in einer Nische“, sagt Marc Bosserhoff von der Vermögensverwaltung ficon Börsebius Invest in Düsseldorf. Dadurch stünden diese Unternehmen weniger im Fokus (ausländischer) Anleger, weshalb sich vor allem im SDAX Chancen bieten könnten – als überzeugter Stockpicker, der nach Aktienperlen fischt, hat Bosserhoff das Segment „intensiv im Blick“. Trotz der begrifflichen Nähe: Mit den sogenannten Mittelstands-Anleihen sollten Anleger diese Aktien keinesfalls in einen Topf werfen (s. Interview).

Wachstumsfantasie für MDAX & Co?

Werden die neuen Indexregeln die Aussichten für M- und SDAX nun verbessern oder verschlechtern? Beides könnte möglich sein, glauben die Experten. Einerseits werden beide Indizes durch die Erweiterung auf 60 (MDAX) und 70 Aktien (SDAX) repräsentativer für die Wirtschaftswelt zwischen Flensburg und Füssen. „Zudem werden sich darin auch mehr Wachstumswerte finden – das kann die Kurse beflügeln, sie aber auch noch stärker schwanken lassen“, schätzt Thilo Stadler. Andererseits: „Der Abstieg der Commerzbank-Aktie vom DAX in den MDAX zeigt, dass der Index auch mit dem Zuzug von Unternehmen mit wenig Wachstumsfantasie zurechtkommen muss“, so Bosserhoff. Bei den Indizes DAX und TecDAX, der nun nicht mehr die exklusive Heimat für Technologie-Unternehmen ist, ändert sich an der Zahl von jeweils 30 Mitgliedern nichts. (Jürgen Lutz)

 

Interview mit Thilo Stadler, International Capital Management in Neuss

Mid-Cap-Aktien: Starke Trends nach oben – und nach unten

Herr Stadler, was sind die Stärken und Schwächen der mittelständischen Unternehmen in Deutschland aus Sicht eines Vermögensverwalters?

Thilo StadlerThilo Stadler: Mittelständische Unternehmen denken oft langfristig und investieren viel in Forschung und Entwicklung, vor allem, wenn sie familiengeführt sind. Kurzfristige Mega-Zukäufe, die hohe Kosten und Risiken bergen können, sind die absolute Ausnahme. Das sehen wir als sehr positiv an. Der Fokus aufs Kerngeschäft führt aber auch dazu, dass Chancen teils spät erkannt werden.

Heißt dies, dass es mit MDAX und SDAX stets steiler aufwärts geht als mit großen Indizes?

Dazu ein klares Nein. Die starke Fokussierung auf profitable Nischen führt in Zeiten des globalen Aufschwungs oft zu stark steigenden Gewinnen und bei Investoren gern zu Euphorie und Wachstumsfantasien. Wenn der Wirtschaftsmotor aber ins Stocken gerät, kommt es aus demselben Grund häufig zu stärkeren Einbrüchen bei den Gewinnen, zumindest aber beim Wachstum.

Was bedeutet das aktuell und längerfristig für Anleger?

Die derzeitige starke Hausse dauert schon lange. Und Indizes aus der zweiten oder dritten Reihe, die deutlich weniger liquide sind als etwa der DAX, sind stärkeren Trendbewegungen ausgesetzt – nach oben wie nach unten. Wer mit einem Zeithorizont von zehn Jahren und länger in Aktien bzw. Unternehmen investiert, sollte in nennenswertem Ausmaß geringer kapitalisierte Unternehmen oder Indizes beimischen. Aber jetzt ist wohl nicht der beste Zeitpunkt, um das umzusetzen.

 

Interview mit Marc Bosserhoff, ficon Börsebius Invest in Düsseldorf

Mit Mittelstands-Anleihen überhaupt nicht vergleichbar

Herr Bosserhoff, vor einiger Zeit waren Mittelstandsanleihen in aller Munde. Viele Anleger wurden jedoch bitter enttäuscht, manche haben einiges verloren. Wie sehen Sie diesen Bereich?

Marc Bosserhoff: Sehr kritisch, denn die Unternehmen stammen oft aus wirtschaftlich schwachen Branchen und bekamen von den Banken nach der Finanzkrise kaum noch Geld. Also versuchten sie, mit hohen Zinskupons Privatanleger anzulocken. Dabei half, dass die Anforderungen an die Transparenz der Finanzdaten geringer waren als bei Aktiengesellschaften (Reporting).

Sind deutsche Mittelstands-Aktien damit irgendwie vergleichbar?

Keinesfalls, denn die Unternehmen sind zum Teil Weltmarkt- und Technologieführer innerhalb ihrer Branche und wirtschaftlich oft sehr gesund. Auch gibt es etliche Familienunternehmern mit einem langfristigen Horizont und deutlich anspruchsvollere Standards beim Reporting.

Generell: Sind Sie lieber Aktionär oder Gläubiger?

Als Aktionär sind wir Eigentümer von Unternehmen. Damit fühlen wir uns wohler, denn als Gläubiger eines Schuldners bleibt nur die Zuschauerrolle. Zudem sind die Dividendenerträge in vielen Fällen höher als die Zinsen von soliden Anleihen, und es besteht die Chance auf Kurssteigerungen. Als Gläubiger haben wir nur den Zinsertrag und die Rückzahlung des Kapitals – und selbst Letzteres ist nicht sicher, wie die Pleiten von Mittelstandsanleihen zeigen.

 

Klein, aber fein: Aktive Fonds können sich lohnen

Aktien von mittelgroßen und kleineren Unternehmen bieten Anlegern oft besondere Chancen: Wer hier das richtige Händchen beweist, kann deutlich höhere Renditen erzielen als ein Indexfonds. Daher kann es sich lohnen, auf aktiv verwaltete Fonds zu setzen, die bewiesen haben, dass sie ihr Handwerk verstehen (Auswahl):

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