Hausärztestreik

Warum? Wofür? Gegen was?

Hausärzte erwirtschaften, so die KBV, durchschnittlich 206.000 Euro Jahreshonorar. Trotzdem streikten sie zuletzt und ließen ihre Praxen zwei Tage lang bei einem Hausärztestreik geschlossen.

Es gehe ihnen, so die Hausärzte, zum einen darum, sich gegen „diffamierende Kampagnen“ zu wehren. Zum anderen protestierten sie gegen die Sparpläne von Gesundheitsminister Philipp Rösler. Konkret wollen sie, dass ihnen die Hausarztverträge, die ihnen Sondervergütungen bescheren, auch künftig erhalten bleiben. Deshalb der Hausärztestreik. Doch der stand unter ungünstigen Sternen. Mitten ins Streikgetümmel hinein veröffentlichte die KBV neue Statistiken, wonach die Hausärzte laut KBV-Berechnung inzwischen sogar mehr als die Fachärzte verdienen.

Den KBV-Zahlen zufolge erhielt ein Hausarzt 2009 durchschnittlich 206.368 Euro Honorar – ein Plus von sieben Prozent im Vergleich zu 2008. Dabei stehen Allgemeinmediziner etwas schlechter da als der Durchschnitt. Hausärztlich tätige Internisten und Kinderärzte hatten mehr. Für die Fachärzte ermittelte die KBV 2009 ein durchschnittliches Jahreshonorar von rund 203.000 Euro – sechs Prozent mehr als im Vorjahr. Allerdings gibt es bei den Fachärzten gewaltige Unterschiede. Am meisten verdienen fachärztlich tätige Internisten – sie kommen laut KBV auf über 450.000 Euro. Dagegen müssen sich Anästhesisten mit rund 173.400 Euro begnügen.

„Mit Phantasiezahlen über die Einkünfte der Hausärzte wollen einige Politiker und insbesondere FDP-Politiker den Protest der Hausärzte unglaubwürdig machen“, empört sich der Bayerische Hausärzteverband. Verbands-Chef Wolfgang Hoppenthaller meint gar, die jetzt veröffentlichten KBVZahlen seien teils „getürkt. Tatsächlich bleiben vielen Kolleginnen und Kollegen ohne unsere Sonderverträge mit den Kassen nicht einmal mehr 4.000 Euro im Monat vor Steuern.“ Macht gerade mal 48.000 Euro im Jahr.

„Warum wandern denn all die Ärzte ins Ausland ab, wenn hier bei uns angeblich alles so toll ist?“, fragt Verbands-Chef Hoppenthaller. Er und seine Kollegen stehen wegen ihrer Protestaktion inzwischen in der Kritik. Wer „hilfesuchende Patienten“ aussperrt, so Ralf Langejürgen vom Verband der Ersatzkassen in Bayern, der handelt „nicht nur fahrlässig, sondern zutiefst unsozial“. Damit würden gerade jene geschädigt, von denen die Honorargelder kommen.
Der Landesverband der Betriebskrankenkassen stößt ins selbe Horn: „Streikende Hausärzte zeigen ihren Patienten die kalte Schulter und vergessen dabei, dass es ihre Patienten sind, die für die ärztliche Vergütung in die Geldbörse greifen müssen.“

A&W-DOKU

5.946 Euro Netto-Verdienst: So kommt er zustande
Wie viel Honorar bekommt ein Arzt? Wie teuer kommt ihn seine Praxis zu stehen? Was bleibt unterm Strich übrig? Das Statistische Bundesamt rechnet vor: 2009 erhielt ein Hausarzt im Schnitt 200.068 Euro Kassenhonorare – inklusive der Vergütungen durch die Hausarztverträge. Das sind aber nur 71 Prozent des Umsatzes – die übrigen 29 Prozent sind im Wesentlichen Privat-Abrechnungen. So steigt der Umsatz auf 281.786 Euro. Davon muss der Arzt seine Praxis-Kosten bezahlen. Ein Viertel geht für Personalkosten drauf, 6,7 Prozent für Miete, 3,8 Prozent für Laborkosten. Nach Abzug aller Kosten bleiben im Schnitt 48,3 Prozent – 136.103 Euro Reinerlös. Den muss der Hausarzt versteuern und davon seine private Kranken- und Rentenversicherung bezahlen. Bleibt ein monatliches Netto-Einkommen von 5.946 Euro.

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