Altersvorsorge für Mitarbeiter

Was Arbeitgeber und Arbeitnehmer über die Betriebliche Altersversorgung (bAV) wissen müssen

Eines ist bei der Altersvorsorge nicht mehr sicher: die gesetzliche Rente. Arbeitnehmer müssen deshalb selbst vorsorgen. Etwas aus dem privaten Geldbeutel auf die hohe Kante zu legen, ist aber nicht jedem möglich. Aus diesem Grund hat der Gesetzgeber dafür gesorgt, dass Arbeitgeber mit der Betrieblichen Altersversorgung in die private Rente eingebunden werden.

Arbeitnehmer haben einen Anspruch darauf, dass ein Teil ihres Gehalts umgewandelt und in eine betriebliche Altersvorsorge – kurz bAV genannt –  eingezahlt wird. Für Ärzte ist ein gut durchdachtes Angebot zudem eine hervorragende Möglichkeit, Angestellte stärker an die Praxis zu binden.

Der Rechtsanspruch auf die so genannte Entgeltumwandlung gilt übrigens für alle Arbeitnehmer. Also nicht nur für Vollzeitkräfte, sondern auch für Mitarbeiter in Teilzeit sowie Minijobber. Die Beschäftigten in Ihrer Praxis können verlangen, dass Teile ihres Gehalts oder der Einmalzahlungen in Pensionsfonds, betriebliche Pensionskassen oder in Direktversicherungen fließen. Der Staat fördert die betriebliche Altersversorgung (bAV), indem er die Beiträge für das Vorsorgekonto zum Teil steuer- und abgabenfrei stellt. So soll das künftig wesentlich niedrigere Niveau der gesetzlichen Rente mit der Auszahlung wieder aufgefüllt werden.

 Vorsorgebeiträge mit Steuervorteil

Die monatlichen Beiträge werden entweder von Ihren Mitarbeitern allein aufgebracht oder mit Ihnen gemeinsam. In die betriebliche Altersvorsorge zu investieren, kann sich für den Praxisinhaber durchaus lohnen: Die Aufwendungen sind steuerlich komplett als Betriebsausgaben abzugsfähig. Wie und wo das gesparte Geld angelegt werden kann, ergibt sich meist aus den Tarifverträgen. Die Bundesärztekammer hat beispielsweise einen Tarifvertrag zur betrieblichen Altersversorgung und Entgeltumwandlung abgeschlossen. Dieser ist allerdings nur dann verbindlich, wenn sowohl der Arbeitgeber Mitglied der AAA ist als auch die Arzthelferin oder der Medizinische Fachangestellte Mitglied im Verband medizinischer Fachberufe.

Die Direktversicherung

Ist man nicht an Tarifverträge gebunden, kann jedes Produkt gewählt werden. Insgesamt gibt es fünf verschiedene Wege. Welchen davon Sie einschlagen, hängt unter anderem von der Größe Ihrer Praxis ab. Die Direktversicherung ist die Form, die in Arztpraxen am weitesten verbreitet ist, da der Verwaltungsaufwand sich in Grenzen hält. Bei der Direktversicherung handelt es sich entweder um eine Kapitallebensversicherung, eine Rentenversicherung oder um eine fondsgebundene Lebensversicherung. Zum Laufzeitende gibt es – je nach Wahl – entweder eine lebenslange Rente oder einmalig das angesparte Kapital als Auszahlung.

 Rentenansprüche auch für andere Jobs

Der Arzt schließt die Direktversicherung für seinen Arbeitnehmer ab. Die Beiträge für die Police kommen per Entgeltumwandlung aus dem Gehalt des Beschäftigten. Eine Mindestverzinsung ist garantiert, diese liegt derzeit bei 1,25 Prozent. Die Anbieter von Direktversicherungen stehen – wie übrigens fast alle Anbieter von Betriebsrenten – unter der Aufsicht der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht. Die Rentenansprüche, die ein Arbeitnehmer aus einer solchen Police hat, bestehen außerdem direkt gegenüber dem Versicherer – und nicht gegenüber dem jeweiligen Praxisinhaber. So können die Verträge zur betrieblichen Altersvorsorge bei einem Jobwechsel mitgenommen werden.

Die Pensionskasse

Pensionskassen gibt es bereits seit dem 19. Jahrhundert. Waren sie früher nur in größeren Konzernen üblich, sind sie heute auch ein interessantes Altersvorsorge-Modell für die Arztpraxis. Diese Form der betrieblichen Altersvorsorge ist ein Modell mit Tradition. Früher konnten sich nur große Unternehmen eine Pensionskasse leisten – diese war in aller Regel firmengebunden. Heute spielt die Größe keine Rolle mehr,  jeder niedergelassene Arzt kann eine eigene Pensionskassenversorgung abschließen. Oder er tritt einem Gruppenvertrag bei, der sich auf Arztpraxen spezialisiert hat. Ein solcher Vertrag hat den zusätzlichen Vorteil, dass er meist bessere Konditionen für die Absicherung bietet.

Zahlungsfähigkeit unter Aufsicht

Rechtlich gesehen ist die Pensionskasse eine selbstständige Altersversorgungseinrichtung. Oft wird sie von einem oder mehreren Unternehmen gegründet. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht beaufsichtigt Pensionskassen und sichert deren Zahlungsfähigkeit.

Es gibt zwei Möglichkeiten, diese Form der Altersvorsorge zu finanzieren: das Prinzip der arbeitgeberfinanzierten und die Variante der arbeitnehmerfinanzierten Pensionskasse.

1.    Arbeitgeberfinanzierte Pensionskasse
Als Arbeitgeber schließen Sie die Pensionskassenversorgung ab und bezahlen die Beiträge. Der Arbeitnehmer ist bezugsberechtigt und hat später Anspruch auf eine lebenslange Rente. Scheidet der Mitarbeiter aus, müssen Sie keine weiteren Beiträge zahlen.

2.    Arbeitnehmerfinanzierte Pensionskasse
Hier zahlt der Arbeitnehmer ein. Die Beiträge werden direkt vom Bruttogehalt abzogen und an die Pensionskasse weitergeleitet.

Vorsorge-Sparen und die Steuer

Steuerfrei bleibt das Ganze für den Arbeitnehmer, solange die Beiträge 4 Prozent der Beitragsbemessungsgrenze nicht übersteigen. 2016 entspricht das einer Summe von 2.976 Euro – also 248 Euro im Monat. Bis zu dieser Höhe sind die Beiträge auch sozialversicherungsfrei.

Bei Auszahlung der Rente muss der Betreffende die Leistungen der Pensionskasse allerdings voll versteuern und auch Krankenversicherung dafür entrichten. Als Arbeitgeber können Sie Ihre Beiträge, die Sie für den Angestellten tragen, als Betriebsausgaben geltend machen. In der Leistungsphase haben Sie mit der Versteuerung nichts mehr zu tun.

Tipp: Ihre Angestellten können übrigens zusätzlich zu den monatlichen Beiträgen auch gesondert Einmalbeiträge in die Pensionskasse einzahlen.

Der Pensionsfonds

Pensionsfonds genießen große Investitionsfreiheiten: Sie dürfen das Geld, das die Mitarbeiter sparen wollen, uneingeschränkt in Aktien anlegen. Im besten Fall ergibt sich dadurch eine hohe Rendite und damit auch eine höhere Altersvorsorge. Der Preis für dieses Investment ist ein höheres Risiko. Die gute Nachricht lautet aber: Der Pensionsfonds gehört zu den sicherungspflichtigen Varianten der betrieblichen Altersversorgung.

 Der Pensionsfonds orientiert sich an angelsächsischen Vorbildern. Rechtlich betrachtet, handelt es sich um einen selbstständigen Versorgungsträger – also eine rechtsfähige Versorgungseinrichtung, die entweder als Aktiengesellschaft oder als Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit firmiert. Arbeitgeber können die Ansprüche ihrer Arbeitnehmer auf Pensionsfonds auslagern.

Geldanlage – unbeschränkt

Bei Pensionsfonds winken hohe Renditen für die Altersvorsorge. Denn die Pensionsfonds, die 2002 eingeführt wurden, dürfen – im Gegensatz zu Versicherungen und Pensionskassen – ein größeres Anlagerisiko eingehen. Zum Beispiel durch eine hohe Aktienquote: Sie können sogar ausschließlich in Aktien investieren. Da die Kurse am Aktienmarkt naturgemäß in jede Richtung schwanken, ist der Preis für diesen Anlagetypus ein deutlich höheres Verlustrisiko. Damit die Betriebsrente des Arbeitnehmers auch in solchen Fällen geschützt ist, existieren mehrere Sicherungsmechanismen:

1.    Der Arbeitgeber haftet, wenn die Mindestleistung des Fonds ausbleibt. Garantiert ist das eingezahlte Kapital.
2.    Bei Insolvenz des Arbeitgebers springt der Pensions-Sicherungsverein ein. Die Anwartschaften und Ansprüche der Arbeitnehmer sind damit gesichert.
3.    Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht kontrolliert die Pensionsfonds.

Einmalige Kapitalauszahlung möglich

Für den Arbeitnehmer gibt es noch ein weiteres Plus: Er kann über den Pensionsfonds auch Hinterbliebene absichern. Außerdem haben Ihre Angestellten die Möglichkeit, sich zu Beginn der Leistungsphase bis zu 20 Prozent des vorhandenen Kapitals auszahlen zu lassen. Sollten sie Ihre Praxis verlassen, können sie den Anspruch mitnehmen und gegebenenfalls auch privat fortführen.

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